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Massaker in Schwulenclub in Orlando : Täter konnte Waffen kaufen, obwohl das FBI gegen ihn ermittelt hatte

vom

50 Menschen sind tot, 53 weitere verletzt. Und das Land diskutiert heftig über die Konsequenzen der Tat.

shz.de von
erstellt am 13.Jun.2016 | 14:24 Uhr

Orlando | Einen Tag nach dem Massaker von Orlando mit 50 Toten prüfen US-Behörden Verbindungen des Attentäters zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete das Massaker als erschreckend. „Unser Herz ist schwer, dass der Hass und die Bösartigkeit eines einzelnen Menschen über 50 Leben gekostet hat“, sagte Merkel am Montag am Rande der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Peking. Die genauen Hintergründe der schlimmsten Bluttat eines einzelnen Todesschützen in der US-Geschichte waren am Montag weiter unklar.

Über die Waffengesetze wird in den USA schon lange heftig diskutiert. Gegner wollen die Anzahl verringern, Befürworter glauben, dass man sich nur mit mehr Waffen schützen kann. Die Präsidentenwahl im November wird entscheidend für den weiteren Umgang mit dem Thema sein.

Nach Darstellung des IS-Radiosenders Al-Bajan war der Todesschütze ein Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat. „Gott hat Omar Mateen geholfen“, einen Angriff gegen Kreuzfahrer in einem Nachtclub auszuführen, berichtete der Sender. Al-Bajan gilt als offizielles Verlautbarungsorgan der Dschihadisten in ihrem Herrschaftsbereich in Syrien und dem Irak. Es wurde nicht gesagt, dass die Tat von der Führungsebene des IS geplant und in Auftrag gegeben wurde.

Die Tat wurde binnen Stunden zum Zankapfel im US-Wahlkampf und heizte die Debatte über schärfere Waffengesetze weiter an. Während die Ermittlungen zu den Motiven des Täters und einer möglichen Verbindung zur Terrormiliz IS noch laufen, preschte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump vor: Er forderte US-Präsident Barack Obama zum Rücktritt auf, weil dieser in seiner Stellungnahme nicht die Worte „radikaler Islamismus“ benutzte.

Es ist nicht seine einzige Nachricht in dem Kurznachrichtendienst. Später fordert er Präsident Barack Obama zum Rücktritt auf.

Trump selbst geriet unter Beschuss, weil seine Äußerungen wie Besserwisserei gedeutet wurden und er zunächst kein Wort für die Hinterbliebenen übrig hatte:

Der 29-jährige Täter hatte in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) in Orlando (Florida) in einem Club für Schwule, Lesben und Trans-Personen 50 Menschen getötet und 53 weitere verletzt. Deutsche waren nicht unter den Opfern. Erst Stunden nach den ersten Schüssen stürmten Polizisten den Club und erschossen den Attentäter. Obama sprach von einem „Akt des Terrors und des Hasses“ und der schlimmsten Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte. Er ordnete Trauerbeflaggung an allen Bundesgebäuden in den USA an.

Die Bundespolizei FBI erklärte, der von den Ermittlern als Omar Mateen identifizierte Mann habe sich in einem Anruf bei der Polizei im unmittelbaren Zusammenhang mit der Bluttat zum Islamischen Staat bekannt. Zudem behauptete eine IS-nahe Nachrichtenagentur, den Angriff habe ein Kämpfer der Terrormiliz ausgeführt.

Auch Obama betonte: „Wir haben noch kein endgültiges Urteil gefällt, was die genaue Motivation des Killers angeht.“ Ganz anders Trump: Er forderte auch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton auf, aus dem Rennen um das Weiße Haus auszusteigen, weil sie die Wörter „radikaler Islam“ ebenfalls nicht verwendet habe.

Seit dem 11. September 2001 hat es eine Reihe weiterer verheerender Terroranschläge gegeben. Ein Überblick über einige der Angriffe mit den höchsten Opferzahlen:

22. März 2016: Brüssel

Mit mehreren Bomben töten islamistische Attentäter in der belgischen Hauptstadt Brüssel am Flughafen und in einer Metrostation 32 Menschen.

13. November 2015: Paris

Extremisten mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat greifen die Konzerthalle „Bataclan“ und andere Ziele in Paris an. 130 unschuldige Menschen sterben.

7. bis 9. Januar 2015: Paris

Drei Extremisten töten bei einer mehrere Tage dauernden Terrorwelle in Paris 17 Menschen, bevor sie selbst erschossen werden.

22. Juli 2011: Oslo und Utøya

Der muslimfeindliche Extremist Anders Behring Breivik legt eine Bombe im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt Oslo und greift anschließend ein Jugendlager auf der Insel Utøya an. 77 Menschen werden getötet, viele davon Teenager.

24. Januar 2011: Moskau

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sterben 37 Menschen, 100 werden verletzt.

9. März 2010: Moskau

Ein Selbstmordanschlag trifft die Moskauer Metro, es gibt 40 Tote und 84 Verletzte.

28. November 2008: Mumbai

Bei Angriffen mehrerer Terrorkommandos mit Schnellfeuerwaffen und Handgranaten kommen in der westindischen Finanzmetropole Mumbai (Bombay) mindestens 171 Menschen ums Leben, mehr als 300 werden verletzt.

7. Juli 2005: London

In London zünden vier britische Muslime in drei U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus Sprengsätze. Die Bilanz: 56 Tote und 700 Verletzte. Es ist der erste Selbstmordanschlag in Westeuropa.

11. März 2004: Madrid

In vier Nahverkehrszügen in Madrid explodieren mitten im Berufsverkehr zehn Bomben. 191 Menschen sterben.

12. Oktober 2002: Bali

Bei Bombenanschlägen auf vor allem von Touristen besuchte Diskotheken der indonesischen Insel Bali sterben 202 Menschen, darunter sechs Deutsche.

11. September 2001: New York, Washington, Pittsburgh

19 islamistische Terroristen entführen mehrere Flugzeuge, steuern zwei in die beiden Türme des World Trade Centers in New York und eines in das Pentagon in Washington. Ein viertes Flugzeug stürzt bei Pittsburgh ab. Rund 3000 Menschen werden getötet.

Der Täter, ein US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte gegen 2 Uhr kurz vor der Schließung des Nachtclubs „Pulse“ das Feuer auf die Besucher eröffnet. Etwa drei Stunden später wurde der mit einem Sturmgewehr vom Typ AR-15 und einer Handfeuerwaffe ausgerüstete Mann in einem Feuergefecht mit elf Polizisten getötet. Zuvor hatten sich die Beamten eigenen Angaben zufolge unter anderem mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang zum Club verschafft.

Wie bekannt wurde, arbeitete Mateen für eine Sicherheitsfirma in Florida und erwarb seine Waffen kurz vor der Tat legal. Das konnte er, obwohl das FBI 2013 und 2014 gegen ihn ermittelte. Dabei sei es auch um mögliche Verbindungen zum IS gegangen, sagte ein Vertreter der US-Bundesbehörde vor Journalisten. Mateens 2011 von ihm geschiedene Ex-Frau sagte, ihr Mann sei gewalttätig und psychisch labil gewesen. Sie bezeichnete ihn als nicht sehr religiös.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) trauerte in Deutschland um die Opfer des Massakers in Orlando. „Wir verurteilen diese abscheuliche Tat und wollen uns heute mit den Opfern und ihren Angehörigen solidarisch zeigen“, sagte der Geschäftsführer des LSVD-Landesverbandes Berlin-Brandenburg, Jörg Steinert, am Montag.

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