Sturz eines schlafenden Beamten

Wer bei der Arbeit einschläft, kann tief fallen.
Wer bei der Arbeit einschläft, kann tief fallen.

Stellt der Sturz eines schlafenden Beamten auf den Boden seines Amtszimmers einen Arbeitsunfall dar?

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04. November 2007, 02:49 Uhr

Beamten arbeiten bekanntlich viel und hart. Wer etwas anderes behauptet, bedient nur Vorurteile. Wären Beamte wirklich so faul, wie ihnen manchmal nachgesagt wird, bräuchten sie zur Erholung schließlich nicht die (gefühlte) Mittagspause von elf bis drei, in der sie für Bürgeranliegen in der Regel nur schwer erreichbar sind. So sah es wohl auch das Sozialgericht Dortmund, das sich ernsthaft mit der Frage beschäftigen musste, ob der Sturz eines schlafenden Beamten von seinem Bürostuhl auf den Boden des Amtszimmers einen Arbeitsunfall darstellte. Der Beamten zog sich dabei Verletzungen zu - sein Leid wurde jedoch sanft abgefedert. Denn das Sozialgerecht Dortmund stellte fest: Wer während der Arbeit einschläft, vom Bürostuhl fällt und sich dabei verletzt, hat einen Arbeitsunfall erlitten, jedenfalls dann, wenn er infolge betrieblicher Überarbeitung vom Schlaf übermannt worden ist. Wie der Beamte diesen Erschöpfungszustand während der Dienstzeit erreichen konnte, lässt sich dem Urteil leider nicht entnehmen.
Fazit: Weiterhin gute Erholung in deutschen Amtsstuben!
Hintergrund: Nur wenn ein Unfall als Arbeitsunfall gilt, hat der Versicherte Ansprüche gegen die gesetzliche Unfallversicherung. Ein Arbeitsunfall liegt immer dann vor, wenn er infolge einer versicherten Tätigkeit verursacht und nicht absichtlich herbeigeführt wurde. Das gilt zum Beispiel für einen Dachdecker, der bei der Arbeit vom Dach fällt, oder für einen Pendler, der auf dem Weg zur Arbeit verunglückt. Gemessen an dieser Definition ist das erstaunliche Dortmunder Urteil tatsächlich richtig. Sofern der Beamte tatsächlich wegen betrieblicher Überarbeitung eingeschlafen ist, war seine Arbeitsbelastung die Ursache für den Unfall, und die Unfallversicherung muss zahlen. Anders liegt der Fall, wenn der Schlaf nicht aus betrieblicher Überarbeitung resultiert. Beamte, die "ohne betriebliche Veranlassung" ihrem Mittagsschläfchen nachgehen und dabei zu Boden stürzen, werden den Schaden also nicht ersetzt bekommen.
Bei Interesse siehe hierzu: § 8 Abs. 1 SGB VII, "Arbeitsunfall"

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