Wetter in SH : Sturmtief „Friederike“ bringt kräftigen Schneefall: Bahn stellt Zugverkehr in NRW ein

Sturmtief Frederike
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In Hamburg sind bereits mehrere Zentimeter Schnee gefallen.

Deutschland rüstet sich für ein neues Sturmtief. Meteorologen warnen vor heftigen Orkanböen. In Schleswig-Holstein fallen bis zu 15 Zentimeter Schnee in sechs Stunden.

shz.de von
18. Januar 2018, 12:00 Uhr

Offenbach | Über aktuelle Entwicklungen zum Sturmtief „Friederike“ berichtet shz.de hier im Liveblog.

Auf Deutschland kommt ein stürmischer Tag zu. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt, dass es am Donnerstag in vielen Teilen des Landes Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 115 Kilometern pro Stunde geben könnte. In Hochlagen kann es noch heftiger werden – im Harz wird mit Windgeschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern gerechnet. Gefahr droht aber nicht nur durch das Sturmtief, sondern auch durch glatte Straßen. Bereits in der Nacht krachte es in Teilen Niedersachsens „im Minutentakt“, wie die Polizei mitteilte.

Das Sturmtief „Friederike“ wird der Vorhersage zufolge in einem breiten Streifen von Nordrhein-Westfalen und dem südlichen Niedersachsen über Nord- und Mittelhessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und am Nachmittag bis nach Sachsen und Südbrandenburg ziehen. Es gibt Unwetterwarnungen. Auf dem Brocken im Harz wurden am frühen Donnerstagmorgen bereits Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde gemessen, sagte ein Meteorologe der dortigen Wetterstation.

Schleswig Holstein: Kaum Sturm, aber glatte Straßen

In Schleswig-Holstein gab es in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg laut einer Polizeisprecherin mehrere Glätteunfälle. Die Bundesstraße 75 sei wegen eines schweren Verkehrsunfalls in der Nähe von Delingsdorf (Kreis Stormarn) gesperrt worden.

Sturmtief „Friederike“ bringt dem Norden vor allem eines: noch mehr Glätte. „Vom Orkantief selbst wird Schleswig-Holstein zunächst nichts merken“, berichtet Meteorologe Sebastian Wache von „Wetterwelt“ in Kiel. Hier weht am Donnerstag zunächst Wind aus Nordost, der um die Mittagszeit für vereinzelte stürmische Böen im Bereich Eckernförder Bucht, Kieler Förde und Lübecker Bucht sorgen kann. Mit Abzug des Tiefs dreht der Wind dann auf Nordwest, und an der Nordseeküste kann es zu einzelnen Böen bis zu Windstärke 8 kommen. Mit einem starken Hochwasser sei aber nicht zu rechnen, so Wache. Aktuell werden für die Nordsee Wasserstände von einem Meter über dem mittleren Hochwasser prognostiziert.

Gefährlicher für Schleswig-Holstein sind Schneefälle, die nördlich des Sturmkerns erwartet werden, warnt der Experte. Vor allem südlich vom Kanal kommt es ab der Mittagszeit bis in den Feierabendverkehr hinein immer wieder zu Schnee und Schneeregen, der für rutschige Straßen sorgt.

  • Für die südliche Hälfte Schleswig-Holsteins zwischen Friedrichskoog, Eutin, Pinneberg und Büchen gibt www.wetterzentrale.de kräftigen Schneefall mit zehn bis 15 Zentimetern Neuschnee innerhalb von sechs Stunden an.
  • Zwischen Husum und Grömitz fallen fünf bis zehn Zentimeter.
  • Weiter nördlich ist mit streckenweiser Glätte durch Schnee oder Schneematsch zu rechnen, nachts auch mit gefrierender Nässe.
Bis zu 15 Zentimeter Neuschnee innerhalb von sechs Stunden erwartet der Süden Schleswig-Holsteins.
www.unwetterzentrale.de

Bis zu 15 Zentimeter Neuschnee innerhalb von sechs Stunden erwartet der Süden Schleswig-Holsteins.

Auch in Hamburg sorgt Schneefall teilweise für Verkehrsprobleme. Es gab aber zunächst keine größeren Unfälle oder Behinderungen, wie Polizei und Feuerwehr mitteilten. Ein Polizeisprecher sagte, es gebe ein wenig mehr Einsätze und Unfälle als üblich, aber meistens sei es bei Blechschäden geblieben.

Zum Glück habe der Schneefall erst später am Mittwochmorgen eingesetzt, als die meisten Pendler bereits bei der Arbeit waren, sagte ein Sprecher der Hamburger Verkehrsleitzentrale.

Auch die Feuerwehr warnte über Twitter: „Der Schneefall wird heute wohl länger anhalten und kann Straßen und Gehwege in glatte Rutschbahnen verwandeln.“

 

Busse und Bahnen verkehrten nach Angaben eines Sprechers der Hochbahn in den meisten Gebieten Hamburgs ohne größere Probleme. Allerdings gab es südlich der Elbe demnach massive Beeinträchtigtungen in den Bereichen Wilhelmsburg, Süderelbe, Meckelfeld, Finkenwerder und Harburg

Bis einschließlich Samstag soll sich die Wetterlage im Norden nicht allzu sehr ändern. Tiefausläufer bringen Schleswig-Holstein und Hamburg immer wieder Schnee und Regen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Erst am Sonntag zeigt sich die Sonne wieder, doch die nächste Schneefront deutet sich schon in der Nacht zum Montag an. Ab Dienstag steigen die Temperaturen wieder leicht an und es ist mit Regen zu rechnen. „Insgesamt bleibt es also bei dem diesjährigen Schmuddelwinter“, resümiert Wache.

Ein Räumfahrzeug steht am Donnerstag in Clausthal-Zellerfeld im Oberharz (Niedersachsen) vor der Haupt- und Realschule. In den Grundschulen und weiterführenden Schulen im Oberharz fällt der Unterricht aus.
Swen Pförtner/dpa

Ein Räumfahrzeug steht am Donnerstag in Clausthal-Zellerfeld im Oberharz (Niedersachsen) vor der Haupt- und Realschule. In den Grundschulen und weiterführenden Schulen im Oberharz fällt der Unterricht aus.

Flüge nach Hamburg gestrichen

Aufgrund des Sturmtiefs „Friederike“ sind am Münchner Flughafen einige Flüge gestrichen worden. Acht Flüge von und nach Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Köln der Lufthansa wurden wegen des Sturmtiefs annulliert, wie der Flughafen München am Donnerstagmorgen mitteilte. Darüber hinaus fallen acht Flüge der niederländischen Airline KLM aus, die aufgrund des Wetters in Amsterdam nicht starten. Im Laufe des Tages könnten zudem noch weitere Flugausfälle hinzukommen, sagte ein Sprecher des Flughafens.

Vielerorts fällt der Schulunterricht aus, etwa im Oberharz in Niedersachsen, in Teilen von Mittelhessen und Oberfranken. In Nordrhein-Westfalen, wo für das gesamte Land Unwetterwarnungen ausgegeben wurden, können die Schulen selbst entscheiden, ob sie aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben, wie das Schulministerium mitteilte.

In Regionen, in denen Orkanböen drohen, empfehlen die Meteorologen, Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Sie warnen vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Schäden an Gerüsten und Hochspannungsleitungen.

Deutsche Bahn stellt Zugverkehr in NRW ein

Die Deutsche Bahn stellt den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen ein, vermeldete das Unternehmen. Daher ist der Zugverkehr von Hamburg/Hannover/Berlin ins Ruhrgebiet stark eingeschränkt. Die Bahn warnt ihre Fahrgäste zudem auf ihrer Internetseite: Im Regional- und Fernverkehr seien Beeinträchtigungen möglich. Die Deutsche Bahn riet Reisendenden via Twitter, sich vorab über mögliche Störungen zu informieren.

 

Nach Einschätzung eines DWD-Experten dürfte „Friederike“ allerdings nicht so große Schäden anrichten wie Sturmtief „Xavier“ im Oktober. Damals hätten die Bäume wesentlich mehr Laub getragen und damit dem Wind mehr Angriffsfläche geboten als jetzt im Januar, sagte DWD-Meteorologe Markus Eifried. Bei „Xavier“ waren im Herbst sieben Menschen durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste getötet worden, der Bahnverkehr im Norden und Osten wurde lahmgelegt.

Neben dem Wind bleibt die Glätte in vielen Teilen Deutschlands weiterhin ein Problem – vor allem im Norden, in der Mitte, im Osten und im Süden drohen laut DWD am Morgen noch rutschige Straßen. „Im Berufsverkehr kann es wieder Probleme geben“, sagte eine Sprecherin der Polizei in Oldenburg am frühen Morgen.

Ein städtischer Mitarbeiter räumt in Clausthal-Zellerfeld im Oberharz (Niedersachsen) mit einer Schaufel an der Marktkirche Schnee.
Swen Pförtner/dpa

Ein städtischer Mitarbeiter räumt in Clausthal-Zellerfeld im Oberharz (Niedersachsen) mit einer Schaufel an der Marktkirche Schnee.

 

In Teilen Niedersachsens führte die Glätte zu zahlreichen Unfällen – am Abend und in der Nacht besonders rund um Wilhelmshaven und Westerstede. Auf den Autobahnen 28 und 29 krachte es häufig, wie die Polizei mitteilte. Zwei Menschen wurden leicht verletzt.

Auch in Oberbayern berichtete die Polizei von vielen Unfällen durch Schneefall. In Baden-Württemberg kam kurz nach Mitternacht ein 23-Jähriger ums Leben. Er saß auf dem Beifahrersitz eines Wagens, der gegen einen Sattelzug schleuderte. Der Fahrer war bei Glätte zu schnell unterwegs gewesen.

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