Deutscher Musikpreis 2018 : „Sturmhauben, Hass und Dummheit“: Kritik an Echo für Kollegah und Farid Bang

Kollegah (links) und Farid Bang rappen bei der 27. Echo-Verleihung.

Kollegah (links) und Farid Bang rappen bei der 27. Echo-Verleihung.

Beim Echo griff Campino die Rapper scharf an. Auch im Internet hagelte es Kritik – gegen Rapper und Echoverleihung.

shz.de von
13. April 2018, 12:08 Uhr

Berlin | Im Vorfeld der Echo-Verleihung wurden die Texte von Kollegah und Farid Bang stark kritisiert. Sie seien antisemitisch. Die Ethik-Kommission des Preises diskutierte sogar darüber, die Rapper von der Nominiertenliste zu streichen. Am Donnerstagabend gewann das Duo dann aber doch den Echo in der Kategorie „Hip-Hop/Urban National“. Besonders prekär: Sie erhielten ihren Preis ausgerechnet am nationalen Gedenktag für die Opfer der Schoah.

Eine klare Ansage gab es noch am Abend von Sänger Campino, dem Frontmann der Toten Hosen. Als er den Echo in der Kategorie „Rock National“ entgegennahm, ergriff er als erster – und einziger Musiker – die Chance, sich zu positionieren.

„Ich habe mich gefragt, ob es überhaupt sinnvoll ist, hier hin zu kommen oder nicht“, sagte der Künstler. Zu Hause hätte er dem Stress aus dem Weg gehen können, aber: „Wer boykottiert kann nicht mehr diskutieren, wer nicht mehr diskutiert, überlässt das Feld den anderen.“ Er spreche als Musiker zu anderen Musikern und jeder müsse sich eine Grenze setzen. Bei „frauenverachtenden, homophoben, rechtsextremen und antisemitischen Formen“ sei für ihn eine Grenze überschritten.

Auch das Netz ließ sich über die Rapper-Kollegen aus. So auch das American Jewish Committee (AJC) Berlin, das die Nominierung der Rapper auf ihrem Twitteraccount als „schändlich“ betitelte.

 

Auch der Bildreporter Daniel Cremer stellte sich mit einem Post an Campinos Seite. Er sprach seine Hoffnung aus, dass auch die Fans der Rapper die Welt nie erleben müssten, die ihre Idole in ihren Texten feiern.

 

Ebenso wenig gut kam die Nominierung von Kollegah und Farid Bang bei manchen Zuschauern zu Hause an. Ein User des Dienstes Twitter erinnerte mit einem Foto eines Stolpersteins daran, dass die Vergangenheit nicht verharmlost oder vergessen werden dürfe.

 

Andere Nutzer stellten hingegen deutlich klar, dass die Nominierung von Kollegah und Farid Bang dem Fernsehen in ihren Augen nicht die jungen Zuschauer zurückbringen würde. Die Unterstützung von Judenhass und Frauenfeindlichkeit verdiene laut einer Nutzerin „Verachtung“.

 

Campinos Statement ließen die beiden Rapper beim Entgegennehmen ihres Preises nicht auf sich sitzen. „Das fühlt sich ja fast jetzt so an wie so ein Trostpreis“, begann Farid Bang seine Dankesrede. Nach kurzen technischen Problemen stieg auch Kollegah mit ein. Er habe ebenfalls ein kleines Schulreferat vorbereitet, verkündete der Rapper und entfaltete, wie Campino vor seiner Rede, einen Zettel, den er gespielt zitternd in den Händen hielt.

Campinos Verhalten bezeichnete Kollegah als „stillos“, er habe sich als „moralische Instanz aufgespielt“ und die beiden Rapper „an den Pranger gestellt“. Zu guter Letzt hielt Kollegah eine Karikatur in die Höhe, die Campino mit Heiligenschein zeigte. Er habe vor, sie am Ende des Abends für einen guten Zweck zu versteigern, so der Rapper.

Für Kollegahs Ansage erntete es aus dem Publikum beim Echo Buh-Rufe. Nach der Veranstaltung unterstellte Kollegah Campino in einem Statement gegenüber der Bildzeitung, dass der Frontmann der Toten Hosen „Promo für sich selbst“ gemacht habe. Zu den antisemitischen Vorwürfen äußerte sich Kollegah nicht noch einmal. Da sei alles zu gesagt.

Im Internet meldeten sich neben vielen Kritikern auch die Unterstützer des Rap-Duos zu Wort. So blieb nicht unbemerkt, dass es um andere kritisch betrachtete Gruppen – wie Frei.Wild oder die Onkelz – deutlich weniger Diskussion gegeben hatte.

 
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