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Erste Orkanböen 2018 : Sturm „Burglind“: Fahrplanänderungen bei den Fähren

Böen mit über 120 Stundenkilometern peitschen durch Teile Deutschlands. Am Mittwochmorgen gibt es erste Verkehrsbehinderungen.


von dpa, shz.de

Düsseldorf/Offenbach | Orkanartige Böen sind am Mittwochmorgen mit mehr als 120 Kilometern pro Stunde über den Westen und Norden Deutschlands gefegt. Unter anderem wurde Deutschlands Hochseeinsel Helgoland vom Festland zeitweise abgeschnitten: Wegen des Wetters werde die Fähre MS „Funny Girl“ im Hafen bleiben, teilte die Reederei Cassen Eils auf ihrer Homepage mit. Die größere Fähre „Helgoland“ war am Sonntag beim Anlegen beschädigt worden und liegt in einer Reparaturwerft. Einige Urlauber seien bereits am Dienstag abgereist, andere würden zurück fliegen oder länger bleiben, sagte eine Sprecherin auf der Hochseeinsel.

Auch die Wyker Dampfschiffs-Reederei warnte vorsorglich, dass es wegen des gemeldeten Sturmtiefs zu Änderungen im Fahrplan nach/ab Amrum und Föhr kommen könne. Ansonsten zeigte sich „Burglind“ in Schleswig-Holstein bislang milder gesinnt, als in anderen Bundesländern.

In Nordrhein-Westfalen kam es zu vielen Verkehrsbehinderungen durch Tief „Burglind“. Laut Polizei standen etwa Straßen in Essen und Mülheim unter Wasser, Gegenstände flogen umher. Ein umgestürzter Baum blockierte die wichtige Regionalbahnlinie zwischen Aachen und Düsseldorf. Auch auf den Autobahnen A44 zwischen Jülich und Aldenhoven und auf der A59 bei Duisburg kam es laut WDR und Radio Duisburg zu Behinderungen. Auf der A44 stürzte ein Hochsitz auf die Fahrbahn. Die Polizei in NRW bat Autofahrer, besonders vorsichtig zu fahren.

Früher abgereist sind auch einige Gäste auf der Insel Wangerooge. Dort fielen wegen Hochwasser zwei Verbindungen vom und zum Festland aus. Je eine Abfahrt wurde auch von Spiekeroog nach Neuharlingersiel und umgekehrt gestrichen. „Die Urlauber wussten aber seit Dienstag Bescheid und haben sich darauf eingestellt“, sagte eine Touristik-Sprecherin. Einschränkungen gab es zudem bei der Langeoog-Fähre.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte angesichts „kurzer, heftiger Böen“ vor umherfliegenden Gegenständen und umstürzenden Bäumen. „Die Böden sind durch den Regen der vergangenen Tage durchnässt, Bäume kippen leichter um“, sagte der DWD-Meteorologe Robert Hausen in der Nacht zum Mittwoch. Vor allem in Wäldern solle man sich am Mittwoch lieber nicht aufhalten.

Eine Kaltfront mit heftigen Winden, kräftigem Regen und möglichen kurzen Gewittern sollte vom Westen aus über Deutschland ziehen. Ab vier Uhr waren auch im Saarland und Rheinland-Pfalz orkanartige Böen zu erwarten. Das Ganze sollte laut Hausen „rasend schnell“ vorbeigehen. „Es gibt kurze, heftige Böen.“ Für den Südwesten von Nordrhein-Westfalen, das westliche Rheinland-Pfalz und große Teile des Saarlandes hatte der Deutsche Wetterdienst für den Zeitraum zwischen 4.30 Uhr und 7 Uhr eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben. Man sollte Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen halten.

Am Vormittag sollte die Kaltfront in Richtung südliches Hessen, Baden-Württemberg und Bayern weiterziehen. Der Wind dürfte laut Hausen Spitzengeschwindigkeiten zwischen 100 und 130 Stundenkilometern erreichen. Die Unwettergefahr nehme im Laufe des Vormittags vom Westen aus ab, so der Meteorologe. An der Nordseeküste könne es am späten Vormittag orkanartige Böen geben.

Ganztägig wird im Alpenvorland in Höhenlagen ab 1500 Metern vor Orkanböen gewarnt. In Hochlagen im Harz und auf dem Fichtelberg im Erzgebirge gilt das bis Donnerstagmorgen.

Durch Windböen umgestürzte Bäume sorgen immer wieder für Beeinträchtigungen auf den Schienen. Die Deutsche Bahn beobachtet die Wetterlage genau, wie ein Sprecher in Frankfurt am Main am Dienstag sagte. Bundesweit stünden etwa an mehreren Standorten Reparaturtrupps und -fahrzeuge bereit, um Sturmschäden an Oberleitungen zu beseitigen.

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Wellen brechen in Aberystwyth (Großbritannien) an der Mauer einer Anlegestelle. Sturm „Eleanor“ hat in der Nacht zum Mittwoch in Teilen Großbritanniens und Irlands erhebliche Schäden angerichtet.
 

In Teilen Großbritanniens, Irlands und Frankreichs hat Sturm „Eleanor“ bereits erhebliche Schäden angerichtet. Wie die BBC berichtete, wurde ein Mann in Wales verletzt, als ein Baum auf sein Auto stürzte. Mehr als 12.000 Haushalte in Nordirland waren vorübergehend von der Stromversorgung abgeschnitten. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 155 Stundenkilometern traf der Sturm auf Irland. Dort waren 27.000 Haushalte vorübergehend ohne Strom. In der Küstenstadt Galway im Westen Irlands kam es zu Überschwemmungen.

Stromausfälle in 200.000 Haushalten beklagt Frankreich. Betroffen war am Mittwochvormittag vor allem der Norden und Nordosten des Landes von der Normandie bis nach Lothringen, wie der Netzbetreiber Enedis mitteilte. 2000 Mitarbeiter seien im Einsatz, um die Versorgung wieder herzustellen. Auch im regionalen Zugverkehr kam es zu Beeinträchtigungen. Unter anderem wurde der Regionalverkehr im Elsass als Vorsichtsmaßnahme eingestellt, wie eine Sprecherin des Bahnkonzerns SNCF sagte. Die TGV-Fernzüge fuhren aber normal.

An der nordfranzösischen Küste wurden beim Sturm „Eleanor“ nach Angaben des Wetterdienstes Météo-France Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Stundenkilometern gemessen. Im Landesinneren erreichte der Wind in Cambrai südlich von Lille sogar 147 Studenkilometer. Erst am Montag hatte ein Sturm Schäden an der französischen Atlantikküste angerichtet und Zehntausende Haushalte zeitweise vom Strom abgeschnitten.

Pegelstände der Flüsse steigen an

Nach einem leichten Rückgang an Neujahr steigt der Wasserstand der Mosel in den nächsten Tagen wieder an. Im Lauf des Mittwochvormittags sei nach starken Regenfällen ein Wasserstand von 7,50 Metern zu erwarten, so das Hochwassermeldezentrum in Trier. Auch am Ober- und Mittelrhein wird nach Einschätzung der Fachstelle Gewässerkunde der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Mainz der Wasserstand in den nächsten Tagen deutlich steigen. In Koblenz soll bereits am Mittwoch die Meldehöhe von fünf Metern erreicht werden. Am Oberrhein wird ein Wasserstand von 6,25 erwartet.

Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes rechnen damit, dass durch die Sturmfront ein Hochdruckgebiet aus Skandinavien Einzug hält, das zunächst für kälteres Wetter sorgt, Sonntag und Montag aber Sonnenschein bringt.

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