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Halloween : Streiche und ihre rechtlichen Folgen

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„Süßes, sonst gibt's Saures!“ So drohen Kinder zu Halloween an den Haustüren in ihrer Nachbarschaft. Haben die Bewohner keine Leckerei parat, spielen die Kleinen ihnen einen Streich. Wann aus Spaß Ernst wird, entscheidet das Gesetz.

shz.de von
erstellt am 30.10.2013 | 06:00 Uhr

Halloween steht vor der Tür: Bekommen Kinder an der Haustür des Nachbarn am Abend des 31. Oktober nichts Süßes, verteilen sie Saures – so will es der Brauch. Doch kleine Halloween-Gemeinheiten haben manchmal schwere Folgen. „Leider richtet ein harmlos gemeinter Unfug so manches Mal großen Schaden an“, warnt Ergo-Experte Rolf Mertens. „Landet beispielsweise ein Böller im Türbriefkasten, kann ein Teppichbrand im Hausinneren die Folge sein. Und womöglich tragen die Bewohner sogar ernsthafte Verletzungen davon.“

Ein wenig Klopapier über den Zaun zu hängen oder Senf an der Türklinke können sicherlich als harmloser Spaß in der Gespensternacht verbucht werden. „Klingelstreiche sind nicht das Problem, die Grenze liegt bei Sachbeschädigung oder Körperverletzung“, sagt Eva Becker, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Eine Übersicht über beliebte Streiche und ihre rechtlichen Konsequenzen nach Einschätzung von Eva Becker:

Zahnpasta auf der Türklinke

Ärgerlich, aber nicht strafrechtlich verfolgbar. Der Streich ist unproblematisch, die schmierige Paste lässt sich mit einem Lappen leicht entfernen.

Glibberige Substanzen auf dem Boden

Da droht durchaus Ärger. Rechtliche Folgen könnte es zum Beispiel haben, wenn jemand ausrutscht und sich verletzt. Eltern sollten ihren Kindern klar machen: Das ist Unfug.

Auto in Toilettenpapier einwickeln

Die Grenze ist hier fließend. Entstehen Kratzer im Lack, wenn die Kinder den Wagen in die langen Papierstreifen einwickeln, fällt die Tat unter Sachbeschädigung. Die Folge: Eltern oder Kinder haften dafür.

Eier an der Hauswand

Dieser Fall ist problematisch. Entweder Eltern oder Kinder müssen nur für die Reinigung aufkommen, oder der Fall zieht zusätzlich noch strafrechtliche Konsequenzen nach sich.

 

Grundsätzlich gilt: Lässt sich beispielsweise die Schmiere an der Wand vollständig entfernen, droht keine Strafe. Eltern oder Kinder müssen die Reinigung bezahlen oder alles selbst wegwischen. Ob die Eltern oder die Kinder selbst die Reinigung der Wand oder die Kosten für eine neue Autolackierung übernehmen, hängt von der Haftung ab.

Kinder sind erst ab sieben Jahren deliktfähig. Ob sie allerdings tatsächlich selbst haften, richtet sich laut Becker „nach der geistigen Reife und den Umständen des Einzelfalls“. An Halloween haften meist die Eltern – entweder, weil sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben oder weil das Kind zu unreif ist. „Da wird das Gericht sagen: Damit hätten Sie rechnen müssen.“ Eltern klären daher besser vorher mit ihrem Kind, was es vorhat und was es darf. Kleine Kinder sollten sie generell auf dem Beutezug begleiten, rät Becker.

Kinder unter 14 Jahren können zwar nicht strafrechtlich belangt werden, zivilrechtliche Forderungen sind aber möglich, erklärt die Polizei. Wer einem anderen Prügel androht und „Vampir-Kollegen“ die Süßigkeiten wegnimmt, begeht juristisch betrachtet einen Raub. Und wer an den Haustüren anstatt Leckereien Bargeld fordert und mit Sachbeschädigungen droht, erfüllt den Tatbestand der Erpressung und wird ebenfalls straffällig.

Halloween hat in Deutschland noch keine lange Tradtition. Dass Kinder am Abend des 31. Oktober von Haus zu Haus ziehen und ihren Nachbarn die Wahl zwischen „Süßem oder Saurem" lassen, etabliert sich seit den 1990er Jahren aber immer mehr. Seinen Ursprung hat das Fest bei den Kelten. Teile des Brauchtums verschmolzen bereits im frühen Mittelalter mit dem christlichen Allerheiligenfest, wie es in Irland gefeiert wurde. Irische Auswanderer brachten Halloween – eine Abkürzung von „All Hallows' Eve“ (Allerheiligenabend) – später mit in die USA. Halloween wird dort mit Umzügen, gruseligem Schabernack und makaberen Partys gefeiert. Und mittlerweile ist das Fest auch bei uns angekommen.

Rund 200 Millionen Euro lassen sich die Deutschen jährlich den Spaß kosten. Davon werden knapp 31 Millionen laut Fachgruppe Karneval im Verband der Spielwaren-Industrie allein für Grusel-Kleidung und Monster-Masken für Kinder und Erwachsene ausgegeben.

Die Kirchen stehen dem Geister-Boom kritisch gegenüber. Katholiken fürchten, dass das Totengedenken an Allerheiligen und Allerseelen einer Spaßkultur zum Opfer fällt. Protestanten sehen ihren am 31. Oktober begangenen Reformationstag in Gefahr.

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