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„Høstemark“ und „Tofte“ : Steinadler zu Besuch in Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Greifvögel kommen aus dem Norden Dänemarks – und sind jetzt auf Erkundungstour im Land zwischen den Meeren.

Schleswig-Holsteins König der Lüfte, der Seeadler, hat Konkurrenz bekommen. Zwei junge Steinadler haben sich aus dem Norden Dänemarks auf den Weg nach Süden gemacht und fühlen sich bei uns offenbar wohl. Schon seit November halten sich die Vögel, die mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,30 Metern fast so groß wie Seeadler werden können, jetzt schon seit einiger Zeit in der Nähe von Schleswig und am Wittensee auf – für Ornithologen im Norden eine echte Sensation. „Wir verfolgen die Bruterfolge der Steinadler in Südschweden und Dänemark – dass gleich zwei von ihnen so lange bei uns bleiben, hätten wir nicht gedacht“, sagt Bernd Struwe-Juhl von der Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig-Holstein.

Zwar verbinden die meisten Menschen Steinadler mit Bergen – für die Greifvögel sind Gebirge aber meist die letzten Rückzugsgebiete, weil sie aus ihren angestammten Lebensräumen, abwechslungsreichen Landschaften mit ruhigen Wäldern für den Horst, verdrängt wurden.

Seit 1999 brüten die majestätischen Vögel wieder im Norden Jütlands – zwei Paare in Wäldern im Naturschutzgebiet Lille Vildmose bei Aalborg, eines etwas weiter nördlich. Und sie sind dabei ziemlich erfolgreich: 34 Jungvögel haben sie großgezogen. Und doch siedelte sich bisher kein weiteres Paar in Dänemark an. Jetzt wollten Wissenschaftler der Universität Kopenhagen genauer wissen: „Wir wollten herausfinden, wohin es die jungen Adler zieht“, sagt Anders Tøttrup vom Naturhistorischen Museum der Kopenhagener Uni.

Die Forscher rüsteten drei der Jungvögel mit solarbetriebenen GPS-Sendern aus, um ihre Flugrouten aufzeichnen zu können. Auf einer Karte im Internet lässt sich ihr Flug nachverfolgen. Auch die Seeadler-Schützer verfolgen das Projekt aufmerksam. „Es ist schon toll, was für interessante Daten die Telemetrie liefert“, sagt Struve-Juhl. In Schleswig-Holstein werden die Jungvögel beringt und lassen sich dann – wenn auch weniger komfortabel – recht gut verfolgen. „So wissen wir, dass viele unserer Seeadler sich in Dänemark niedergelassen haben.“

Bei den Steinadlern ging die Reise jetzt in die andere Richtung: Zwei von ihnen machten sich im Oktober auf den Weg nach Süden. Das Männchen Høstemark, benannt nach dem Wald, in dem er in diesem Frühjahr aus dem Ei schlüpfte, flog an die Westküste, überquerte die Grenze bei Süderlügum in Nordfriesland und machte dann für einige Tage Station an der Eidermündung. Nach einer Stippvisite am Westensee im Kreis Rendsburg-Eckernförde flog er wieder nordwärts und lies sich Mitte November nördlich von Schleswig bei Böklund nieder. Dort hielt er sich bis zur letzten Eintragung Ende November auf – und ist noch immer in der Gegend.

Der zweite Adler ist eine junge Dame. Tofte, auch sie nach ihrem Geburtswald benannt, flog direkt nach Süden und folgte der A  7 von Flensburg über Schleswig bis zum Nord-Ostsee-Kanal. Seit November wird sie immer wieder östlich des Wittensees registriert. „Die genauen Positionen stelle ich zum Schutz der Adler nur mit einigen Wochen Verzögerung ins Internet“, sagt Tøttrup. Die Angaben sind so genau, dass sonst die Gefahr einer Störung zu groß wäre. „Auch so besteht die Chance, die Steinadler zu sehen – aber bitte von den Wegen aus.“

Tøttrup freut sich über Berichte über mögliche Beobachtungen der dunkelbraunen Greifvögel mit den weißen Zeichnungen unter den Flügeln. „Bislang habe ich Meldungen aus Dänemark und sogar ein Foto aus der Nähe von Husum erhalten“, sagte der Wissenschaftler. Nach dem Jahreswechsel wird er sich selbst auf den Weg nach Süden machen, um sich einmal die derzeitigen Lieblingsplätze „seiner“ Steinadler anzusehen. Die sind nach Einschätzung von Bernd Struwe-Juhl zwar als Winterquartier durchaus geeignet. „Für eine dauerhafte Ansiedlung fehlen uns aber wohl die großräumigen Landschaften, wie es sie in Dänemark gibt“, fürchtet er.

Die Chance, dass sich Tøttrups Wunsch erfüllt, ist also da: „Am liebsten wäre es uns natürlich, wenn Tofte und Høstemark in Dänemark Familien gründen würden“, sagt er. Damit können sie sich jedoch noch etwas Zeit lassen – Steinadler werden im Alter von drei Jahren geschlechtsreif.


> Die Route der Steinadler im Internet und Kontaktdaten von Anders Tøttrup finden Sie hier:  http://bit.ly/steinadler

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erstellt am 19.Dez.2015 | 12:04 Uhr

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