Stehen Windräder nachts bald still?

shz.de von
02. Februar 2018, 14:43 Uhr

Gute Nachrichten für alle, die nachts nicht schlafen können, weil die benachbarte Windkraftanlage zu viel Krach macht: Die Landesregierung hat gestern auf dem Verordnungsweg ein neues Schallprognoseverfahren auf den Weg gebracht. Das schließt Änderungen auch bei Altanlagen nicht aus: „Die Regelungen werden sich in einigen Fällen auf den Nachtbetrieb auswirken. Der Tagbetrieb bleibt davon unberührt, da dort wie bei anderen Lärmverursachern auch deutlich höhere Immissionsrichtwerte gelten“, erklärte die Sprecherin des Kieler Umweltministeriums Nicola Kabel. Konkret kann das bedeuten, dass Windräder zur Schlafenszeit still stehen müssen, sofern sie Lärmgrenzwerte übersteigen.

Grund für die Änderung ist eine Studie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Dort hatten Wissenschaftler festgestellt, dass mit zunehmendem Abstand systematische Abweichungen zwischen den berechneten und gemessenen Schallimmissionen bei Windkraftanlagen auftreten. Die gemessenen Schallpegel lagen dabei signifikant höher als die berechneten. Es kommt also erheblich mehr Lärm bei den Anwohnern an, als im Vorwege errechnet wurde. Verwunderlich ist das Ergebnis nicht, denn die bisherige Berechnungsmethode war auf der Basis von 30-Meter-Mühlen entwickelt worden. Inzwischen liegen die Schallquellen aber deutlich höher: Im Schnitt sind Windräder in Schleswig-Holstein 100 Meter hoch, die neueren sogar 150 Meter. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat Ende September die neue Rechenmethode als aktuellen, bei Genehmigungen anzuwendenden Stand der Technik eingestuft.

Das hatte das Windkraftkritiker-Bündnis „Gegenwind SH“, schon lange mit Nachdruck gefordert und dem Ministerium Untätigkeit – womöglich sogar zum Nutzen der Windmüller – vorgeworfen. Sprecherin Susanne Kirchhof erinnert daran, dass die frühere Landesregierung ihr noch „Einbildung“ vorhielt, als sie eine exakte Ermittlung des Schalls forderte. Jetzt spricht sie von einem „Schritt in die richtige Richtung“ zumal die neue Reglungen auch für alte Windparks gelte.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen