Geplatzter Verkauf der Weinstein Company : Staatsanwalt: Mitarbeiter von Harvey Weinstein duldeten sexuelle Übergriffe

Harvey Weinstein will von der „Weinstein Company“ die Herausgabe seiner Personalakte und Zugang zu seinem E-Mailkonto erzwingen.
Harvey Weinstein steht unter Druck.

Bis in die Führungsebene sollen Kollegen vom mutmaßlich illegalen Verhalten des entlassenen Produzenten gewusst haben.

shz.de von
13. Februar 2018, 07:05 Uhr

New York | Geschäftsführung und Vorstand von Harvey Weinsteins früherem Unternehmen wussten laut Staatsanwaltschaft von den mutmaßlichen sexuellen Übergriffen des Filmmoguls. Das Verhalten des Produzenten sei über Jahre wissentlich hingenommen und in obersten Etagen auch unterstützt worden, sagte New Yorks Staatsanwalt Eric Schneiderman am Montag. Trotz Dutzender formeller Beschwerden und vieler weiterer Vorwürfe seien diese entgegen rechtlicher Vorschriften zwischen 2005 und 2017 nie untersucht worden.

Weinstein war im Oktober von seiner Firma entlassen worden. Zahlreiche Frauen, darunter Schauspielerinnen wie Salma Hayek, Ashley Judd, Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie, Rose McGowan und Mira Sorvino haben Weinstein öffentlich sexuelle Übergriffe und Einschüchterungen vorgeworfen. Er hat in der Vergangenheit Fehlverhalten eingeräumt, aber Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex wiederholt zurückgewiesen. Er soll sich in Therapie befinden.

„Wir haben noch nie etwas so Abscheuliches gesehen“, sagte Schneiderman, dessen Büro die Vorwürfe seit vier Monaten untersucht und weiter ermittelt. „Die Führung der Weinstein Company war mitschuldig am Verhalten Harvey Weinsteins. Sie wussten, was vor sich geht. Und sie wussten, wie verbreitet es war. Trotzdem taten sie nichts“, sagte Schneiderman.

Schneiderman hatte am Sonntag Zivilklage gegen die Weinstein Company eingereicht und damit einen bevorstehenden Verkauf der Firma an eine Investorengruppe in letzter Minute verhindert. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ wollte die Gruppe hinter Unternehmerin Maria Contreras-Sweet 500 Millionen Dollar (407 Mio Euro) für das wankende Unternehmen zahlen.

Es habe bislang keinen Deal gegeben, der den rechtlichen Anforderungen genügt hätte, sagte Schneiderman. „Jeder Kauf von Unternehmensanteilen muss erst sicherstellen, dass Opfer angemessen entschädigt werden.“ Zudem müssten Mitarbeiter künftig vor vergleichbarem Verhalten geschützt werden. Das sei beim vorliegenden Angebot nicht der Fall gewesen. Die Investoren hätten lediglich Versicherungspolicen und einen Kredit von zehn Millionen Dollar (8,1 Mio Euro) angeboten, mit denen aber auch Anwalts- und andere Kosten hätten gedeckt werden sollen. „Wir hätten gern einen Fonds, der allein auf die Entschädigung der Opfer zielt“, sagte Schneiderman.

Im Zuge der monatelangen Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft auch eine offenbar digitale Kopie von Weinsteins Personalakte erhalten. „Uns wurde gesagt, die physische Personalakte sei abhanden gekommen.“ Es habe Dutzende offizielle Beschwerden und viele weitere inoffizielle Beschwerden wegen sexueller Übergriffe gegeben. Weinsteins Anwalt Ben Brafman teilte mit, Weinsteins Verhalten sei „nicht fehlerfrei, aber mit Sicherheit nicht kriminell“ gewesen.

Der Klageschrift zufolge ging die Mitwisserschaft bei der Weinstein Company weit: So seien Mitarbeiter des Filmmoguls beauftragt worden, Kleidungsstücke von Frauen, die diese nach besagten Vorfällen gelegentlich hinterlassen hätten, ihnen wieder zukommen zu lassen.

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