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Linksterrorismus : Spuren von zwei Überfällen auf Geldtransporter führen zur RAF

vom
Aus der Onlineredaktion

Drei Mitglieder der früheren Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF) sollen im vergangenen Jahr zwei Geldtransporter überfallen haben. Das belegen DNA-Spuren.

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2016 | 14:41 Uhr

Diepholz | Nach einem Raubüberfall auf einen Geldtransporter bei Bremen im vergangenen Sommer haben Ermittler in zwei Tatautos DNA-Spuren von Mitgliedern der früheren Roten Armee Fraktion gefunden. Das berichtete der Radiosender NDR Info unter Berufung auf Ermittlerkreise. Die Staatsanwaltschaft Verden teilte am Dienstagmittag mit, dass die seit Jahrzehnten untergetauchten RAF-Terroristen auch im Verdacht stehen, an einem weiteren Überfall auf einen Geldtransporter Ende 2015 in Wolfsburg beteiligt gewesen zu sein. „Aktuell liegen neue DNA-Analyseergebnisse vor“, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Der Transporterfahrer konnte damals flüchten, die Räuber gingen leer aus.

Die RAF hatte in den 1970er und 1980er Jahren in der Bundesrepublik zahlreiche Anschläge verübt. Mehr als 30 Menschen starben durch den RAF-Terror. Im sogenannten „Deutschen Herbst“ 1977 töteten die Linksterroristen etwa den Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, nachdem sie ihn wochenlang in Geiselhaft genommen hatten, um Gesinnungsgenossen aus dem Gefängnis frei zu pressen. 1998 erklärte die RAF sich selbst für aufgelöst. Einigen Mitgliedern gelang es, unerkannt abzutauchen.

Bei dem Überfall am 6. Juni 2015 auf dem Parkplatz eines Verbrauchermarkts in Groß Mackenstedt, einem Ortsteil der Gemeinde Stuhr bei Bremen, hatten drei Maskierte auf einen Geldtransporter geschossen. Verletzt wurde niemand, die Kugeln blieben in einem Reifen und im Blech stecken. Die Täter flüchteten ohne Beute, es gelang ihnen nicht, die Türen des Geldtransporters zu öffnen. Sie sollen schwer bewaffnet gewesen sein, unter anderem mit Kalaschnikow-Schnellfeuergewehren.

Nach einem Überfall am 6. Juni 2015 am Parkplatz des Verbrauchermarkts, auf einen gepanzerten Geldtransporter, haben Ermittler in einem Tatauto DNA-Spuren von Mitgliedern der früheren Roten Armee Fraktion (RAF) gefunden.
Nach einem Überfall am 6. Juni 2015 am Parkplatz des Verbrauchermarkts, auf einen gepanzerten Geldtransporter, haben Ermittler in einem Tatauto DNA-Spuren von Mitgliedern der früheren Roten Armee Fraktion (RAF) gefunden.
 

Das Fluchtfahrzeug, ein Ford Focus, wurde sieben Tage später in einem nahegelegenen Waldstück im Landkreis Oldenburg gefunden. Die Ermittler fanden in dem Auto nun entlarvende DNA-Spuren, berichtet der NDR. Es handelt sich um die genetischen „Fingerabdrücke“ von drei Menschen, die als Angehörige der RAF seit Jahrzehnten auf den Fahndungslisten stehen: die 57 Jahre alte Daniela Klette, der 58 Jahre alte Volker Staub und der ebenfalls als Terrorist gesuchte Burkhard Garweg, Alter unbekannt.

<p>Fahndungsseite des Bundeskriminalamtes im Internet: Die drei mutmaßlichen Terroristen werden seit Jahrzehnten gesucht.</p>

Fahndungsseite des Bundeskriminalamtes im Internet: Die drei mutmaßlichen Terroristen werden seit Jahrzehnten gesucht.

Foto: shz.de

Alle drei sollen unter anderem 1993 an dem Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt in Hessen beteiligt gewesen sein. Auch damals waren ihre DNA-Spuren gefunden worden. Zwar hatte sich die RAF am 20. April 1998 per Bekennerschreiben für aufgelöst erklärt. Nach wie vor sind einige Menschen aus dem damaligen Täterkreis abgetaucht. Das gilt auch für Klette, Staub und Garweg.

Die Behörden gehen offenbar nicht davon aus, dass es sich um eine terroristisch motivierte Tat gehandelt hat, berichtet der NDR. Alle Pressemitteilungen wurden bisher von niedersächsischen Behörden verfasst. Wäre die Einschätzung eine andere, läge die Federführung bei der Bundesanwaltschaft und beim Bundeskriminalamt. Der Fall wird am Mittwochabend auch in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ (ZDF, 20.15 Uhr) aufgegriffen werden.

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