"Hangtime - Kein leichtes Spiel" : Sportdrama um zwei Brüder

Vinz (Max Kidd, r) und Georg (Misel Maticevic) im Kinofilm 'Hangtime' (undatiertes Szenenfoto). Foto: dpa
Vinz (Max Kidd, r) und Georg (Misel Maticevic) im Kinofilm "Hangtime" (undatiertes Szenenfoto). Foto: dpa

Der 21-jährige Vinz ist ein großes Basketballtalent. Doch der Tod seiner Eltern verändert sein Leben auf fatale Art und Weise. Der soziale Abstieg ist programmiert.

Avatar_shz von
13. Oktober 2009, 02:36 Uhr

Hangtime ist ein Begriff aus dem Basketball: Er beschreibt den Moment, in dem der Spieler, der einen Korb werfen soll, in der Luft hängt; der Moment, der alles entscheidet. Natürlich lässt sich das auch auf das Leben übertragen.
Allemal auf das eines Jugendlichen, der auf der Schwelle zum Erwachsenwerden steht. Im Fall von "Hangtime - Kein leichtes Spiel" ist das Vinz (Max Kidd). Der 21-Jährige steht mitten im Abitur und ist ein großes Basketball-Talent. Zehn Jahre zuvor war es sein großer Bruder Georg (Miel Maticevic), der auf dem Sprung in die Profiliga war. Doch dann kommt einer dieser bewussten Momente: Die Eltern sterben bei einem Verkehrsunfall.
Fabrikarbeit statt Basketball-Karriere, Hochhausghetto statt Reihenhaus
Kurz und schonungslos zeigt der Film den damit verbundenen sozialen Abstieg: Fabrikarbeit statt Basketball-Karriere, Hochhausghetto im Ruhrgebiet statt Reihenhaussiedlung. Georg hat sein Leben dem kleinen Bruder geopfert. Dafür verlangt er, dass Vinz seinen - Georgs - Traum verwirklicht. Doch ist das auch das, was Vinz will? Wie kommt er mit dem Druck klar, das Leben eines anderen leben zu sollen, als Projektionsfläche für die Ambitionen des frustrierten Bruders herhalten zu müssen? In den zwei Wochen zwischen einem von Vinz verpatzten Zweitliga-Spiel, das den vorzeitigen Aufstieg zunichte macht, und dem entscheidenden letzten Spiel muss Vinz sein Leben sortieren.
Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden hat den Jugendfilm von Regisseur Wolfgang Groos, der sein erstes Kinowerk ist, als "besonders wertvoll" ausgezeichnet. "Mit einem fetzigen Soundtrack, atemberaubend temporeichen Basketballspielszenen, einer glaubhaft gezeichneten Lebenswirklichkeit und ausgezeichneten Nachwuchsdarstellern packt die Story nicht nur die jungen Zuschauer bis zu letzten Minute", lobte die Jury.
Kino-Newcomer Max Fröhlich und Ralph Kretschmar schlagen sich wacker
Max Kidd ist dann auch beim Filmfest München für seine darstellerische Leistung mit dem Förderpreis Deutscher Film als Bester Darsteller ausgezeichnet worden. Miel Maticevic ("Im Winter ein Jahr", "Effi Briest") gewann im vergangenen Jahr den Deutschen Fernsehpreis. Die Kino-Newcomer Max Fröhlich und Ralph Kretschmar, letzterer war bislang vor allem durch die Telenovela "Bianca-Wege zum Glück" bekannt geworden, schlagen sich wacker, wenn auch etwas klischeebeladen (Migrationshintergrund) als die besten Freunde von Vinz. Doch auch ihr erfrischendes Spiel kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Muster schon recht abgenutzt ist: Einer will etwas wagen, traut sich aber nicht so recht, doch seine Kumpels bestärken ihn, wollen, dass er es schafft, herauszukommen aus dem Milieu. Das oder ähnliches kennt der Zuschauer nicht zuletzt aus Filmen wie "Good Will Hunting" (1997) oder "Absolute Giganten" (1998).
Richtig ermüdend ist dann die alles noch weiter komplizierende Liebesgeschichte mit Kathi (gespielt von der Tiroler MTV-Moderatorin Mirjam Weichselbaum), die auch nicht weiß, was sie will. Optisches Highlight im tristen Hagen, dem "Manhattan des Ruhrgebiets" - aber darin erschöpft es sich auch. Am spannendsten an "Hangtime" ist noch das Verhältnis der Brüder zueinander. Das gelingt den Filmemachern dieser Low-Budget-Produktion, zu denen auch Sönke Wortmann ("Das Wunder von Bern") als Produzent zählt, über weite Strecken recht glaubwürdig.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen