Phantom-Schiff in den Schären? : Spekulationen über Russland: Fremdes U-Boot gibt Schweden Rätsel auf

Die schwedische Marine suchte im Oktober 2014 nach einem Phantom-U-Boot. Nun könnte es gefunden worden sein.
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Die schwedische Marine suchte im Oktober 2014 nach einem Phantom-U-Boot. Nun könnte es gefunden worden sein.

Vor der schwedischen Ostseeküste wurde ein gesunkenes U-Boot gefunden. Ist es das Schiff, nach dem im Oktober gesucht wurde?

shz.de von
28. Juli 2015, 15:56 Uhr

Stockholm | Vor der schwedischen Ostküste ist ein fremdes U-Boot am Meeresgrund gefunden worden. Es soll circa 20 Meter lang sein und kyrillische Zeichen am Rumpf tragen, wie die Finder von der Wracksucherorganisation Ocean X-team am Montag auf ihrer Webseite berichteten. Äußere Schäden an dem U-Boot seien nicht zu sehen gewesen, alle Luken waren geschlossen. „Deshalb fürchten wir, dass die Mannschaft sich nicht retten konnte, als ihr Fahrzeug auf Grund lief“, sagte der Taucher Stefan Hogeborn.

Die schwedischen Streitkräfte haben nach der Analyse des Filmmaterials der privaten Wracksucher bestätigt, dass es sich um ein ausländisches U-Boot handelt, wie die Zeitung „Expressen“ berichtet.

Militärexperten in Schweden und Russland gehen allerdings davon aus, dass der Fund des russischen U-Bootes nicht aus der Gegenwart stammt. Vielmehr handele es sich vermutlich um ein U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg, berichtet Spiegel Online. Den Experten zufolge soll es im Mai 1916 mit einem schwedischen Dampfschiff kollidiert und dann untergegangen sein. Demnach seien 18 Seeleute an Bord des sogenannten Torpedo-Bootes der Som-Klasse gewesen. Dieser Typ wurde ab 1904 in Sankt Petersburg gebaut.

Erst letzten Sommer war in den Schären vor Stockholm ein fremdes U-Boote gesichtet worden. Nach tagelanger Jagd mussten die Streitkräfte aber aufgeben. Es wurde nie geklärt, welcher Nation das Unterwasserfahrzeug gehörte. Aus Moskau kam ein Dementi. Nach russischen Angaben soll es sich um ein niederländisches Boot gehandelt haben. Die niederländische Marine wies diese Angaben zurück: „Das ist absolut nicht wahr“, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums. Die niederländischen U-Boote, die zu einer Übung in Schweden waren, hätten zu dem Zeitpunkt bereits in der estnischen Hauptstadt Tallinn gelegen. „Das können wir auch mit Fotos beweisen.“

Was genau ist im Oktober 2014 passiert? Nach einem Bericht der Zeitung „Svenska Dagbladet“ hatte die schwedische Funküberwachung auf einer üblicherweise von Russland genutzten Frequenz einen Notruf in russischer Sprache abgefangen. Er soll an eine Station in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, gerichtet gewesen sein. Wenig später sei in der stark befahrenen Bucht Kanholmsfjärden ein U-Boot gesichtet worden. Das schwedische Militär sprach von einer „sehr glaubhaften Quelle“ und setzte eine großangelegte Suchaktion in Gang. Einen Tag später, so berichtete die Zeitung weiter, sei ein zweiter Funkspruch abgefangen worden, diesmal verschlüsselt. Auch dieser sei von Kanholmsfjärden nach Kaliningrad gesendet worden. Außerdem wurde ein russischer Öltanker gesichtet, der tagelang in der Bucht geankert hatte. Nachdem Spekulationen über die mögliche Havarie eines russischen U-Bootes laut wurden, änderte er seine Position. Experten mutmaßten, dass das U-Boot und der Öltanker in Kontakt standen.

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