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Entscheidung in Darmstadt : „Sozialtourismus“ ist das Unwort des Jahres

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Das Unwort des Jahres 2013 lautet „Sozialtourismus“. Im vergangenen Jahr landete der Begriff „Opfer-Abo“ auf dem Spitzenplatz.

Darmstadt | Mit dem Schlagwort „wurde von einigen Politikern und Medien gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht“, begründete die Jury unter dem Vorsitz der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich am Dienstag in Darmstadt ihre Entscheidung.

Janich erklärte: „Dies diskriminiert Menschen, die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu.“ Der Ausdruck reihe sich ein in ein Netz weiterer Unwörter, die diese Stimmung befördern wie etwa „Armutszuwanderung“. Mit dem Begriff „Armutszuwanderung“ bezeichnet die CSU gering qualifizierte Migranten, die nach Einschätzung der Partei in Deutschland vor allem Sozialleistungen in Anspruch nehmen wollen, aber kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Zum Unwort des Jahres 2012 war „Opfer-Abo“ gewählt worden, 2011 gewann „Döner-Morde“, 2010 belegte „alternativlos“ den ersten Platz. Die Unwort-Aktion gibt es seit 1991.

Hintergrund
Bulgaren und Rumänen können seit dem 1. Januar unbeschränkt in Deutschland Arbeit suchen. Experten halten es für ungerechtfertigt, pauschal von Armutszuwanderung aus Bulgarien und Rumänien zu sprechen. Nach Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung waren zur Jahresmitte 2013 nur 0,6 Prozent der Hartz-IV-Bezieher Bulgaren und Rumänen. Obwohl die Zuwanderer aus diesen Ländern im Schnitt geringer qualifiziert sind, lag die Arbeitslosenquote für beide Nationalitäten Mitte 2013 unter dem Schnitt der Gesamtbevölkerung und deutlich unter der anderer Migrantengruppen. Im Schnitt bringen arbeitende Einwanderer dem Staat Geld ein, denn sie zahlen Abgaben. Für die Kommunen problematisch ist die Konzentration vieler Empfänger staatlicher Leistungen auf einzelne Orte.

 

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erstellt am 14.Jan.2014 | 09:56 Uhr

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