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"Spiel der Träume" : Sozialdrama um falsche Handballer

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Zwei Männer aus den Slums von Sri Lanka, wollen nach Deutschland ausreisen - und gründen dafür eine Handballmannschaft.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2009 | 08:39 Uhr

Als jedoch zum wiederholten Mal ihr Antrag auf ein Visum scheitert, sehen sie nur noch eine Chance, um ihren Traum zu erfüllen: Sie gründen eine Handballmannschaft und melden sich für ein internationales Turnier in Bayern an. Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt Regisseur Uberto Pasolini in "Spiel der Träume - Die wahre Geschichte eines falschen Teams" auf warmherzige Weise die Geschichte von 23 Männern, die als Sportler getarnt nach Deutschland reisen - und dann an der Polizei vorbei abtauchen. Beim Filmfest in Venedig avancierte der Film schnell zu einem Geheimtipp.
Es sind trostlose Bilder, die Pasolini (bislang Produzent für Filme wie "Full Monty - Ganz oder gar nicht") in Sri Lankas Hauptstadt Colombo eingefangen hat: In den Slums reiht sich eine Bretterbude an die andere, Jobs sind rar und äußerst schlecht bezahlt und die Schulden beim Slum-Boss wachsen stetig. Aus dieser Not heraus scheint ein Absprung ins Ausland die einzige Lösung zu sein. Es ist nicht selten, dass junge Frauen ihre Männer und Kinder verlassen und jahrelang in Arabien als Kindermädchen arbeiten. Junge Männer hingegen verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Lover für westliche Frauen und hoffen, dass eine von ihnen sie mitnimmt.
Trotz seines Ausgangsthemas ist "Spiel der Träume" aber kein deprimierendes Sozialdrama. Im Gegenteil. Die Charaktere werden liebevoll porträtiert, ihre Geschichte humorvoll erzählt. Dabei faszinieren vor allem der Witz, die Verwegenheit und der Ideenreichtum der Männer, die alles daran setzen, von der deutschen Botschaft endlich an die ersehnten Visa zu kommen. Sie lernen grob die Regeln eines für sie völlig fremden Spiels, kaufen sich Team-Trikots, ernennen sich kurzerhand zur Nationalmannschaft Sri Lankas und fälschen dafür sogar noch Briefe vom nationalen Sportbund.
Handballspiel nicht im Mittelpunkt
Dabei steht aber das Handballspiel selbst nicht im Mittelpunkt, schließlich wollen die Männer gleich nach ihrer Ankunft in Bayern abtauchen. Doch als sie nach rund zwei Dritteln des Films dann tatsächlich in Deutschland landen, klappt es mit dem Abhauen nicht sofort - und die unerfahrenen, ungleichen Männer müssen zuerst ungelenk einige Spiele absolvieren.
"Spiel der Träume" driftet dabei jedoch nie ins Banale ab. Stattdessen findet Regisseur Pasolini die richtige Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit, aus Unterhaltung und Kritik. Außerdem spielen die Darsteller - meist Laien - mit einer solchen Energie und Glaubwürdigkeit, dass ihre Geschichte die Zuschauer schnell berührt. Dadurch entwickelt sich "Spiel der Träume" zu einem eindringlichen Einwandererdrama, bleiben den Zuschauern die Schicksale seiner Protagonisten doch noch lange in Erinnerung.

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