Die große Wirkung der Kleinen : So funktioniert Pflanzenschutz mit Mikroorganismen

Lösungen mit Mikroorganismen werden zum Beispiel mit dem Gießwasser verteilt. /dpa-tmn
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Lösungen mit Mikroorganismen werden zum Beispiel mit dem Gießwasser verteilt. /dpa-tmn

Warum noch zu Glyphosat greifen? Die Debatte um das Unkrautmittel hat Hobbygärtner zum Nachdenken gebracht: Sie hinterfragen den Einsatz von Chemie im Garten. Die Branche reagiert darauf - und setzt auf die Förderung natürlicher Kleinstlebewesen zum Pflanzenschutz.

shz.de von
03. September 2018, 11:24 Uhr

Chemie im Garten steht auf dem Prüfstand. Das zeigt sich auch auf der Gartenmesse Spoga+Gafa in Köln (bis 4. September). Hersteller von Pflanzenschutzmittel bringen Produkte auf den Markt, die auf die Förderung der natürlichen Gegebenheiten setzen.

Dazu gehören Produkte mit oder Nährlösungen für Effektive Mikroorganismen, kurz EM genannt. Hierbei handelt es sich um Kleinstlebewesen. Diese können verschiedene Wirkungen haben. Einige arbeiten zersetzend und andere enzymbildend, also aufbauend, erläutert Peter Botz, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Garten-Center. Die allermeisten Mikroorganismen aber seien Mitläufer. Sie folgen in ihrem Tun einer der anderen Gruppen, die in dem Fleck Boden am häufigsten vorkommt.

Das heißt: Sind die zersetzenden Mikroorganismen gegenüber den aufbauenden in der Mehrheit, zersetzen auch die Mitläufer. Gibt es aber mehr aufbauende Mikroorganismen, hängen sich die Mitläufer an deren Fersen. «Schafft man es, dass die wenigen fäulnisbildenden Mikroorganismen keinen Fuß fassen, muss man sich keine Sorgen machen», sagt Botz. «Seit man das entdeckt hat, tut sich viel in dem Bereich.»

Und zwar im Guten wie im vermeintlich Schlechten: Auch die fäulnisbildenden Mikroorganismen haben im Garten am richtigen Ort ihre Berechtigung. So stellt die Firma Hozelock auf der Kölner Gartenmesse etwa eine Lösung mit den Mikroorganismen für den Kompost vor, wo sie die Umsetzung von Grünabfall zu wertvollem Dünger ankurbeln sollen.

Vor allem aber wird auf aufbauend tätige Mikroorganismen gesetzt, zum Beispiel von der Firma Begreen. Sie bietet ein Stärkungsmittel für diese Gruppe an, deren Anteil im Boden somit vergrößert wird, erläutert Managing Partner der Firma, Daniel Daldini. Der mitlaufende Rest schließt sich dann an, und gemeinsam stärken sie die Pflanzen. Diese seien so in der Lage, Schädlingen besser standzuhalten oder in Dürrezeiten weniger Wasser zu verbrauchen.

Hinter dieser Art der Pflanzenstärkung steckt ein einfacher Gedanke, erklärt Daldini: Das Natürliche für sich nutzen. «Der Boden war perfekt, bevor der Mensch ihn durch seinen Eingriff kaputt gemacht hat. Er konnte den Pflanzen bis dahin geben, was sie brauchten.»

Daldinis Erfahrungen zufolge gibt es nur eine Art von Boden, in der diese Art der natürlichen Pflanzenförderung nicht funktioniere. Dort, wo der Mensch durch seine Kriege und Kampfmittel die Bodenstrukturen nachhaltig verstört habe - und kaum bis kein Leben mehr zurückblieb.

Zum Gleichgewicht im Garten gehören aber auch etwas größere kleine Lebewesen: Die Insekten, allen voran (Wild-)Bienen. Auf der Messe finden sich viele Ideen und Lösungen für deren Förderung. Viele Unternehmen kennzeichnen inzwischen für ihre Kunden im Handel deutlich Bienenweiden - also jene Pflanzen, die besonders viel Nahrung bieten.

Neudorff zum Beispiel stellte eine Serie für das Wohlbefinden der Wildbienen im Garten vor: Spezielle Insektenhotels als Unterschlupf und Pflanzen-Mischungen, die vergleichsweise viel Nektar und viele Pollen bieten. «Die Förderung der Biodiversität ist ein großes Thema der Branche», sagt Rainer Lausmann, Marketing Director von Neudorff.

Und wenn wirklich Schädlingsbekämpfungsmittel nötig werden, dann soll es laut den Trendanalysten der Koelnmesse auch weniger schädliche geben. Zum Beispiel Produkte mit Orangenöl, die laut Messe «Insekten sowie die Umwelt an sich sehr wenig belasten» sollen.

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