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Umweltverschmutzung in China 2015 : Smog in Peking - „Wie der Weltuntergang“

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Der Smog macht die Menschen krank. Empörung geht um. Kritik erntet auch Chinas Präsident Xi Jinping: Er schwinge auf der Weltklimakonferenz in Paris große Reden - aber tue nichts gegen den Smog.

Peking | Die Schwester im Pekinger Kinderkrankenhaus ist aufgeregt: „Ja, in den vergangenen zwei Tagen hat die Zahl der Patienten mit Atemwegserkrankungen zugenommen.“ Wie viel, kann sie nicht sagen. Ich habe nicht gezählt.“ Dann hängt sie den Hörer schnell auf, weil sie eigentlich nichts sagen darf. Der schlimmste Smog dieses Jahres raubt den 22 Millionen Pekingern den Atem - und lässt besonders Kinder und alte Menschen krank werden. Aber auch Erwachsene klagen über Halsschmerzen, husten still vor sich hin.

China ist weltweit einer der größten Verursacher von gefährlichen Gasen. Hauptursachen für den für die Gesundheit schädlichen Smog sind der dichte Autoverkehr, der hohe Energieverbrauch und die Nutzung von Kohle.

Bedrohlich verdunkelt eine schmutzige Dunstwolke am Dienstag den Himmel über der chinesischen Hauptstadt. „Es scheint wie der Weltuntergang zu sein“, sagt ein 51-Jähriger Angestellter. Autos müssen mit Licht fahren. Die Sichtweite fällt auf 200 Meter. Die Hochhäuser verschwinden im Smog. „Armageddon“, sagt ein anderer.

Die Fußwege wirken leer. Wer sich vor die Tür traut, trägt meist Atemschutzmaske. Viele Pekinger kritisieren die Untätigkeit der Behörden. Auch wird nicht geglaubt, dass wirklich 2100 Fabriken geschlossen wurden oder den Betrieb zumindest herunterfahren mussten, wie es offiziell heißt. Und selbst wenn, hat es nichts gebracht. Es herrscht Unverständnis, dass immer noch nicht die höchste Alarmstufe „Rot“ mit Fahrbeschränkungen ausgerufen wird.

 

Für die große Militärparade Anfang September oder den Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) vor einem Jahr wurde der Verkehr gleich wochenlang reduziert. Autos durften je nach Nummernschild nur jeden zweiten Tag fahren, damit sich Peking der Welt mit blauem Himmel von seiner schönsten Seite präsentieren konnte. „Apec-Blue“, hieß das. Aber jetzt beim Smog? Nichts. „Die lachen doch über die Gesundheit der einfachen Leute“, sagt ein Pekinger bitter.

„Xi Jinping ist froh, dass er nach Paris fliegen durfte“, heißt es in sozialen Netzen über den Staats- und Parteichef, der durch seine Teilnahme am Weltklimagipfel dem Smog in seiner Hauptstadt entgehen konnte. Seine Rede in Paris weckte aber wenig Hoffnung, dass China als größter Klimasünder und Kohleverbraucher mehr zum Kampf der Erderwärmung beitragen könnte - geschweige denn, dass sein eigenes Volk irgendwann aufatmen könnte.

„Wo nimmt Papa Xi den Mut her, an der Klimakonferenz teilzunehmen?“, fragt ein erboster Internetnutzer und benutzt den Spitznamen „Xi Dada“. „Schaut euch heute Peking an. China ist doch ein Witz weltweit. So peinlich.“ Weiter heißt es: „Die Regierung hat jede Glaubwürdigkeit verloren.“ Oder: „Wann wird die Alarmstufe "Rot" ausgerufen? Wenn wir sterben? Warum nicht an einem so schlimmen Tag?“

Hintergrund: Smog - gefährliche Schadstoffe in der Luft der Städte

Bei Smog erreichen Luftschadstoffe über besiedelten Gebieten stark erhöhte Konzentrationen. Das Kunstwort entstand aus der Verbindung der englischen Begriffe Smoke (Rauch) und Fog (Nebel). Sommersmog (Los-Angeles-Smog) entsteht durch chemische Reaktionen bestimmter Schadstoffe unter Einwirkung von Licht und Wärme und enthält viel Ozon. Wintersmog (London-Smog) hingegen geht oft auf eine bestimmte Wetterlage zurück: Eine wärmere Luftschicht schiebt sich über kalte Bodenluft. Es bildet sich eine Grenzschicht, die den Abzug der Mischung aus Ruß, Schwefeldioxid, Staub und Nebel verhindert.

Den schlimmsten Wintersmog-Vorfall in Europa gab es Ende 1952: Beim „Great-Smog“ in London starben innerhalb weniger Tage bis zu 12.000 Menschen. In Westdeutschland wurde der letzte Smog-Alarm 1987 ausgerufen, in Ostdeutschland 1993. Der Niedergang der DDR-Industrie und neue Schadstofffilter für Kraftwerke und Motorfahrzeuge sorgten für eine bessere Luftqualität. Seit Jahren raubt Smog in Chinas Metropolen oft den Menschen den Atem. In Peking leiden die Bürger fast jeden Tag an einer gefährlich hohen Konzentration von Schadstoffen.

 

Auf eigene Initiative erlauben Firmen ihren Angestellten, zu Hause zu bleiben. Auch geben Grundschulen den Kindern smogfrei. Freiluftaktivitäten sind ohnehin gestrichen. „Aber wenn die Kinder zu lange in Innenräumen bleiben und nicht die Fenster für frische Luft öffnen können, haben wir Luftverschmutzung auch in den Klassenräumen“, heißt es in einer Notiz einer Schule. Die Kinder dürften daheimbleiben, wenn die Eltern es einrichten könnten.

Die Angst geht um. Der Smog schlägt auf das Gemüt. „Ich bin so deprimiert“, sagt die 35-jährige Zhang Li. „Wenn ich auf das Programm in meinem Handy mit den Luftwerten schaue, bin ich nur verängstigt.“ Auch Ausländer, die in Peking arbeiten, sind beunruhigt. Ohnehin finden große Unternehmen schon seit Jahren immer schwerer qualifizierte Beschäftigte, die bereit sind, angesichts dieser schlimmen Umweltbedingungen nach China zu gehen.

Und wer in Peking ist, trägt sich mit Abwanderungsgedanken. „Heute früh haben meine Frau und ich ernsthaft darüber nachgedacht, bald zurückzugehen“, sagt der Vertreter eines großen internationalen Unternehmens. „Wir haben drei kleine Kinder. Wir machen uns große Sorgen. Das geht so nicht weiter.“

 
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erstellt am 01.Dez.2015 | 16:09 Uhr

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