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Belästigungen und Diebstähle : Silvesternacht in Köln: Polizei ermittelt drei Verdächtige

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Das Innenministerium in NRW vermeldet einen ersten Fahndungserfolg. Zuvor hagelte es Kritik an Polizei und Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

shz.de von
erstellt am 06.Jan.2016 | 13:53 Uhr

Köln/Düsseldorf | Nach den massiven Übergriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht hat die Polizei drei Verdächtige ermittelt. Das sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwoch in Düsseldorf. Details zu den Verdächtigen wollte er nicht nennen, weil dies die schwierigen Ermittlungen gefährden könnte. Festnahmen habe es bislang keine gegeben. Er könne deswegen noch keine Details nennen. Die Männer könnten zu einer größeren Gruppe gehören, die in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof Frauen belästigt, misshandelt und ausgeraubt haben soll.

Die Ermittlungen seien schwierig. „Manchmal braucht der Rechtsstaat Zeit. Diese Zeit müssen wir ihm geben“, sagte Jäger. Die Kölner Polizei sei mit größerer Präsenz als in den Vorjahren vor Ort gewesen, habe aber mit diesen massiven Übergriffen nicht gerechnet, sagte der NRW-Innenminister. „Die Polizei in Köln, aber auch die Bundespolizei, müssen im Detail erklären, wie es zu diesen Taten kommen konnte. Ich erwarte einen Bericht noch in dieser Woche. So etwas darf nicht wieder vorkommen.“

Die Kölner Polizei und die Stadtspitze sind nach den sexuellen Übergriffen immer mehr in die Kritik geraten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bemängelte in den ARD-„Tagesthemen“ den Einsatz der Kölner Beamten: „Da wird der Platz geräumt - und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten.“ Jäger erinnerte den CDU-Politiker an dessen eigene Verantwortung: „Es gab Übergriffe sowohl im Zuständigkeitsbereich der Kölner Polizei, aber auch der Bundespolizei. Es eine Frage des Stils, ob man ohne Detailkenntnisse, bei eigener Verantwortung, Polizeieinsätze in anderer Zuständigkeit beurteilt. Wie ich dies empfinde, habe ich Herrn de Maizière schon mitgeteilt.“ Die Bundespolizei untersteht dem Bundesinnenminister.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) zog mit ihren Verhaltensempfehlung an Frauen Spott im Internet auf sich. „Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft“, hatte Reker bei einer Pressekonferenz auf die Frage geantwortet, wie man sich als Frau besser schützen könne. Unter dem Hashtag #einearmlaenge häuften sich daraufhin spöttische Kommentare.

„Durch die verkürzte Darstellung in einzelnen Medien ist teilweise der Eindruck entstanden, meine Präventionsinitiativen würden sich ausschließlich auf Verhaltenstipps für Frauen und Mädchen beschränken“, erklärte Reker. Davon könne gar keine Rede sein. Vielmehr habe sie auf eine gezielte Nachfrage hin versucht, auf bereits vorhandene Präventions- und Beratungsangebote in Köln hinzuweisen. „Nur ein Beispiel ist das Aktionsprogramm ,Partysicherheit für junge Frauen‘“, verteidigte sich Reker. Vorrang habe natürlich, die Sicherheit auf Kölns Straßen und Plätzen herzustellen.

Jäger ging auf Distanz zu den Empfehlungen Rekers: „Das verkehrt ein bisschen die Rolle von Opfer und Täter.“ Es sei nicht Aufgabe der Frauen, solche Taten zu verhindern. Frauen hätten einen Anspruch darauf, sich sicher in der Öffentlichkeit zu bewegen.

Derweil melden sich immer mehr Opfer bei der Kölner Polizei. Mittlerweile seien mehr als 100 Anzeigen eingegangen, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. Davon hätten drei Viertel einen sexuellen Hintergrund.

Nach den Vernehmungen der Opfer habe sich ein klareres Bild der Taten ergeben. „Viele Frauen geben in den Gesprächen an, dass sie auch angefasst wurden“, sagte die Sprecherin. Die Beweisführung gestalte sich als „sehr schwierig“, was vor allem an der „Gemengelage“ in der Silvesternacht liege.

Über die Täter weiß die Polizei noch nicht viel - nach Angaben von Augenzeugen und Opfern seien sie dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) warnte vor Pauschalurteilen über Flüchtlinge. „Wenn Asylbewerber unter den Tätern waren, ist das noch lange kein Grund, alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Polizei prüft auch, ob eine mögliche Absprache vor den Übergriffen in Köln und ähnlichen Vorfällen in Hamburg stattgefunden habe. „Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein,“ sagte Maas am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. „Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren.“ So etwas geschehe nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken.

Die Kölner Polizeispitze gestand ein, am Neujahrsmorgen falsch über die Ereignisse der Nacht berichtet zu haben. In einer Erklärung hatte sie die Lage zunächst als recht entspannt beschrieben und sich selbst gelobt. Kritik am Einsatz wies sie allerdings zurück. „Wir waren nicht überfordert“, sagte Polizeipräsident Wolfgang Albers. Das ganze Ausmaß der Vorfälle sei erst später klar geworden. Am Dienstagabend protestierten etwa 250 bis 300 Menschen in Köln gegen die Übergriffe. Einen Rücktritt schließt Albers aus. Auf die Frage, ob er im Amt bleibe, sagte er am Mittwoch in einem Interview auf WDR 5: „Aber natürlich. Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt.“

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