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Camping im Winter : Silvester für Hartgesottene

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hinterm Deich auf Nordstrand trotzen 35 Winter-Camper den kalten Temperaturen – und genießen einen böllerfreien Jahreswechsel.

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2016 | 14:19 Uhr

Nordstrand | Das Thermometer zeigt gerade mal 3,5 Grad, und die fühlen sich angesichts der Nässe noch kälter an. Der Himmel ist grau verhangen. Später soll der Wind auffrischen. Wolfgang Dittmann strahlt trotzdem übers ganze Gesicht. Eigens aus Hannover ist er mit seiner Frau Birgit im Wohnmobil angereist, um in diesem herben Rahmen auf Nordstrand den Jahreswechsel zu verbringen. Frieren? Das ist für ihn kein Thema. Nachts lässt die Bord-Elektronik die Heizung nicht unter 15 Grad fallen – „und wenn ich morgens aufstehe, ist die Temperatur fast so schnell auf 21 Grad hochgefahren wie der Kaffee durch die Maschine läuft.“

Dittmann gehört zur exotischen Gruppe der Winter-Camper. Wenn auch zaghaft, so tragen Schleswig-Holsteins Bemühungen um einen Ganzjahres-Tourismus selbst in diesem Draußen-Segment Früchte. Immerhin weitere 35 Gäste haben ihr Wohnmobil derzeit wie der Hannoveraner auf dem Campingplatz „Margarethenruh“ auf der Halbinsel nordwestlich von Husum geparkt.

Und weil der Platz direkt hinter dem Deich klein ist, ist er damit auch schon komplett belegt. Sie alle lockt das Silvester-Special: Bereits zum fünften Mal bietet Inhaber Uwe Paulsen diese viertägige Pauschale zum Jahreswechsel an. Der passionierte Segler ist selbst nicht zimperlich bei Wind und Wetter. Erstmals hatte er im Winter den ererbten Platz zum Biike-Brennen im Februar geöffnet. „Da haben mich Gäste angesprochen, ob ich nicht auch was zu Silvester machen könnte“, erzählt er. Unter anderem eine beheizbare Fußbodenheizung der Sanitärräume musste her, um die Konzession für einen regelmäßigen Betrieb in der kalten Jahreszeit zu bekommen.

Am Donnerstagnachmittag haben sich alle Besucher erst einmal bei einer Runde Pharisäer kennengelernt – gekoppelt mit einer Unterrichtsstunde über Entstehungsgeschichte und Misch-Verhältnis dieses auf Nordstrand erfundenen Getränks aus Kaffee, Rum und Sahne. Gestern ließ sich die Gruppe bei einer Deichwanderung vom ehemaligen Wart der Hallig Südfall die Natur des Wattenmeers erklären. Zum Aufwärmen danach gab es einen Empfang mit Glühwein und Futtjes. Heute Abend dann, angeliefert von einem Caterer, das große Silvesterbuffet im Aufenthaltsraum. Und morgen noch eine Besichtigung des nahezu fertig erhöhten „Klimadeichs“ an der Nordseite Nordstrands.

Diese wohldosierten Aktivitäten locken die Leute. „Damit ist ein Teil des Tages gut ausgefüllt, man schließt in der Gruppe automatisch Bekanntschaft – und hat doch noch genügend Stunden für sich selbst“, sagt Holger Wendling. Der Braunschweiger hat einfach die Begriffe „Silvester Stellplatz“ gegoogelt – und daraufhin den Platz „Margarethenruh“ gefunden. Noch ein zusätzliches Argument war für ihn die niedrige Schnee-Wahrscheinlichkeit an der Nordsee. Ganz so winterlich müsse es dann für ihn doch nicht sein. Es ist sein erster Silvester-Urlaub in dieser Form. Vor wenigen Wochen pensioniert, gönnt er sich den Trip, ohne Rücksicht auf Urlaubstage nehmen zu müssen.

Es gibt sogar Wiederholungstäter an Ort und Stelle. Wolfgang Brammann aus Nienborstel südlich von Rendsburg ist in „Margarethenruh“ auch schon in 2016 hineingerutscht. Von Arbeitskollegen hatte er den Tipp bekommen. „Ich war super-begeistert von der persönlichen Betreuung durch die Familie Paulsen“, nennt er einen Grund für sein Wiederkommen. „Dass es hier in der Abgeschiedenheit kein Geknalle gibt“, wertet der Nienborsteler ebenfalls als großes Plus. Vor allem mit Rücksicht auf seinen Dackel. Die Hälfte der Gäste ist mit einem Vierbeiner in der böllerfreien Zone erschienen.

Einen dicken Schädel allerdings gibt es auch in „Margarethenruh“: Brammann erinnert sich noch an die Kopfweh am letzten Neujahrsmorgen. „Aber dann sind wir einfach auf den Deich rauf – und da waren die Gehirnzellen schnell wieder frei.“

Falko Deters und seine Frau sind mit dem befreundeten Ehepaar Dittman aus Hannover in den Norden gekommen. Am Steinhuder Meer hat er schon mal ein Silvester in ähnlichem Rahmen ausprobiert. Er schwärmt: „Überhaupt dieses Kurz-Mal-Draußen-Sein und dann in die mollige Wärme des Wohnmobils zu kommen – das macht das Winter-Campen so besonders schön.“ Es lässt sich sogar sagen: Kälte draußen ist geradezu Bedingung für diese Urlaubsform. Deshalb kann sie die Zielgruppe gar nicht schrecken.

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