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Siegesfeier der Waffenlobby

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Amerikas "National Rifle Association" bejubelt Sieg über Obama - und weist Verantwortung für Amokläufe zurück

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Houston | Nach dem Aus für ein schärfere Waffenrecht in den USA hat die mächtige Waffenlobby ihren Triumph über Präsident Barack Obama gefeiert. Die Gesetzesvorlage über ausgedehnte Überprüfungen von Waffenkäufern habe im Kongress "die Niederlage erhalten, die sie verdient", sagte Wayne LaPierre, Vizepräsident der National Rifle Association (NRA), am Wochenende bei ihrer Jahrestagung in Houston. "Wir werden unsere Waffen niemals aufgeben, niemals", rief er den insgesamt rund 70 000 Besuchern der Versammlung zu.

LaPierre beklagte, dass die Obama-Regierung "rechtschaffende Waffenbesitzer" für die jüngste Welle der Amokläufe verantwortlich machen wolle. Die Vorfälle würden genutzt, "um uns die Schuld zu geben, uns zu beschämen, und um unsere Freiheit für ihre Agenda zu opfern". US-Medien beschrieben das Treffen in der texanischen Stadt als Siegesfeier sowie als Kundgebung, um den Kampf der rund vier Millionen NRA-Mitglieder gegen neue Versuche für striktere Waffengesetze anzuheizen.

"Dies ist nicht nur eine Schlacht um Waffenrechte", hatte der weitere NRA-Vizepräsident James Porter bereits zum Auftakt der Veranstaltung am Freitag gesagt. Beim Recht auf Waffentragen gehe es um mehr: Dies sei ein "Kulturkampf". "Ihr in diesem Raum seid Freiheitskämpfer", rief er den Teilnehmern zu.

Das NRA-Treffen in Houston ist das erste seit dem Massaker an einer Grundschule in Newtown im Dezember. Damals hatte ein Amokläufer 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen. Obama hatte daraufhin den Kampf für schärfere Waffengesetze zur Chefsache gemacht. Doch ein Gesetzentwurf, der striktere Überprüfungen von Waffenkäufern vorsah, wurde im Senat abgeschmettert - auch mit Hilfe von Demokraten. Dies war eine der schwersten Schlappen für Obama bisher. Der Einfluss und Druck der Lobby auf einzelne Politiker galt als eine der Ursachen der Niederlage.

Unmittelbar vor dem NRA-Treffen hatte ein Zwischenfall mit Schusswaffen in privater Hand Schlagzeilen in den USA gemacht: Ein Fünfjähriger im US-Staat Kentucky erschoss seine zweijährige Schwester mit einem Gewehr - es war seine eigene Waffe gewesen.

Die NRA stützt ihren Kampf vor allem auf den sogenannten zweiten Verfassungszusatz, der das Recht der Amerikaner auf Waffentragen festschreibt. Erst vor Jahren hatte das Oberste Gericht dies nochmals bestätigt. Zudem hat die NRA ihre ganz eigene Logik. Sie betont immer wieder, gegen Kriminelle mit Waffen gebe es letztlich nur ein Mittel: Jeder Amerikaner müsse in der Lage sein, sich mit der Waffe zu verteidigen. Die Lobby schlägt deshalb bewaffnete Wachmänner an allen Schulen der USA vor. Umfragen zeigen allerdings, dass die Mehrheit der Amerikaner für striktere Waffengesetze ist.

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