Umstrittenes TV-Interview : Sexual-Expertin: Eltern sollten Kinder vor dem Wickeln um Erlaubnis bitten

<p>Bevor die Windeln gewechselt werden, sollten Eltern ihre Kinder um Erlaubnis bitten, fordert die australische Sexualpädagogin Deanne Carson.</p>

Bevor die Windeln gewechselt werden, sollten Eltern ihre Kinder um Erlaubnis bitten, fordert die australische Sexualpädagogin Deanne Carson.

Die australische Sexualpädagogin Deanne Carson sorgte mit einem Satz für viel Wirbel und erhielt sogar Morddrohungen.

shz.de von
23. Mai 2018, 12:05 Uhr

Canberra | Wenn es um das Wohl des eigenen Kindes geht, können Eltern durchaus emotional reagieren. Wenn ihnen dann aber noch jemand von außen in ihre Erziehung reinreden möchte, geht das selten glimpflich aus – egal, ob es sich dabei um einen ausgewiesenen Experten handelt oder nicht. 

Deshalb ist es auch wenig verwunderlich, dass die Äußerungen der australischen Sexualpädagogin Deanne Carson im TV-Interview bei dem Sender ABS News derartig hohe Wellen schlagen. Denn ihr Tipp an Eltern lautet: Bitten Sie Ihr Kind um Erlaubnis, bevor Sie es wickeln. 

Hintergrund ist, dass dadurch eine „Kultur der Zustimmung“ im Umgang zwischen Eltern und Kind entstehen soll. Daran arbeite sie mit Kindern ab drei Jahren und mit Eltern bereits unmittelbar nach der Geburt ihres Kindes. Und in diesem Zusammenhang äußerte sie den Satz, der ihr anschließend um die Ohren fliegen sollte: „Ich werde jetzt deine Windel wechseln. Ist das okay?“

Carson sei aber natürlich bewusst, dass die jungen Kinder diese Frage nicht verstehen und Eltern demnach auch keine Antwort zu erwarten hätten: „Selbstverständlich wird ein Baby nicht sagen: Ja, Mama, das wäre toll!“ Es gehe dabei eher darum, die Frage überhaupt zu stellen und durch Mimik sowie Gestik zu vermitteln, dass man die Meinung des Kindes wertschätze und ernst nehme.

Hier gibt es den Ausschnitt zu sehen:

Kritik von allen Seiten

Kurz nach dem Interview hagelte es bereits Kritik von Psychologen und aufgebrachten Eltern, die ihrem Unmut über die sozialen Medien Luft verschafften. Dabei schafften es nur die wenigsten, sachlich zu bleiben, und beleidigten, verhöhnten Carson oder drohten sogar damit, sie umzubringen. Die Situation eskalierte so stark, dass Carson zeitweise alle ihre Accounts vom Netz nahm.

Es gibt aber auch andere Reaktionen, die zwar nicht zustimmend sind, aber wenigstens eine gewisse Netiquette wahren. So wie diese Mutter, die sich sicher ist, dass ihre Kinder auf die Frage, ob die Windeln gewechselt werden müssten, immer mit „nein“ geantwortet hätten, und eine solche Äußerung nur von Menschen kommen könne, die kaum persönliche Erfahrung gesammelt haben

Andere wiederum ziehen den Tipp von Carson eher ins Lächerliche: 

Auch aus Deutschland gab es zahlreiche Reaktionen auf die Aussagen der australischen Pädagogin, wie diese hier:

 

Dabei betrachten die meisten Kritiker ihre Aussage zu isoliert. Denn im Verlauf des Interviews erzählt Carson von ihrem Job für die Organisation „Body Safety Australia“, die sich gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern einsetzt. Dabei wird versucht, Kindern einen selbstbewussteren Umgang mit dem eigenen Körper beizubringen sowie Eltern, Erziehungsberechtigten oder anderen Verantwortlichen für diese Selbstbestimmung zu sensibilisieren.

Ein Ansatz, der auch in deutschen Fachkreise bereits diskutiert wird und in bestimmten Publikationen wie „Körperkontakt beim Wickeln“ von Wiebke Wüstenberg auch bereits veröffentlicht wurde. 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen