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Prozess um Zuhälterei : Sexpartys: Strauss-Kahn hält sich für unschuldig

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Dass die Frauen Prostituierte waren, will der Ex-IWF-Chef nicht gewusst haben. Stimmt das nicht, droht ihm Gefängnis. Für Femen scheint der Fall klar zu sein.

Lille | Dominique Strauss-Kahn hat im Prozess um seine Teilnahme an Sex-Partys seine Unschuld betont. Er habe „weder ein Vergehen noch ein Verbrechen“ begangen, sagte der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Dienstag in Lille zum Beginn seiner Aussage vor Gericht.

In dem seit vergangener Woche laufenden Prozess müssen sich der 65-Jährige und 13 weitere Angeklagte wegen organisierter Zuhälterei verantworten.

In der „Carlton“-Affäre - benannt nach einem Luxushotel - hatte Strauss-Kahn seine Teilnahme an freizügigen Partys in Paris, Washington und Lille stets eingeräumt. Er will aber nicht gewusst haben, dass die beteiligten Frauen Prostituierte waren.

Vor Strauss-Kahns Vernehmung empfingen am Dienstagmorgen drei Femen-Aktivistinnen mit einem Oben-ohne-Protest. Als der Angeklagte zum Gericht kam, stieg eine der Frauen mit entblößtem Oberkörper auf das Dach seines Autos. Die beiden anderen Aktivistinnen der Frauenbewegung umringten die Limousine. Sie verlangten Schuldsprüche für Kunden von Prostituierten. Fotos des Protests machen auch bei Twitter die Runde:

Die Femen-Aktion dauerte etwa eine Minute. Die Polizei nahm die drei Aktivistinnen vorübergehend fest.

Noch vor Strauss-Kahn wurde am Dienstag eine ehemalige Prostituierte befragt. Sie schildert eine der Pariser Partys mit dem in Frankreich meist nur „DSK“ titulierten Strauss-Kahn. Dabei habe sie sich gefühlt „wie ein Objekt, wie eine Sache“. Für sie sei der Grund der Begegnung klar gewesen: Es ging um Sex, sie war als Prostituierte dort. Die Frau berichtet auch von sexuellen Praktiken, die sie eigentlich abgelehnt habe. Akzeptiert habe sie dennoch - des Geldes wegen. Beim Sex habe sie geweint. Strauss-Kahn will das nicht bemerkt haben.

Er berichtet von einem anderen Bild, das er im Kopf habe. Er habe den Abend in Paris in guter Erinnerung. Die Leute hätten sich bei den Partys getroffen, um Sex und Spaß zu haben. Er habe zudem nicht das Gefühl gehabt, dass die Frauen seinetwegen gekommen seien. Auch die Frage einer Bezahlung will Strauss-Kahn sich nicht gestellt haben. Strauss-Kahn spricht von einem Freundeskreis. Überhaupt möge er Prostitution nicht, zitieren Prozessbeobachter den Angeklagten. Er habe eine Abneigung gegen Beziehungen, die auf den sexuellen Akt begrenzt seien.

Gerichtspräsident Bernard Lemaire hatte schon in den Verhandlungstagen zuvor betont, bei der juristischen Klärung gehe es um Rechtsfragen - nicht um Moral. Ob er der wichtigste Mann der Welt gewesen sei, fragt Lemaire den Angeklagten. „Ich weiß es nicht, aber ich habe es gedacht“, sagt Strauss-Kahn.

Zuhälterei wird als Straftat in Frankreich weit ausgelegt und umfasst etwa auch Prostitution, die von Dritten bezahlt oder bei Sexpartys organisiert wird. Sollte der 65-Jährige das nicht gewusst haben, müsste er straffrei bleiben. Die Ermittler in Lille gehen allerdings davon aus, dass Strauss-Kahn die Prostitution klar gewesen sein muss.

Bandenmäßige Zuhälterei kann in Frankreich mit bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet werden. Auch Geldstrafen bis zu 1,5 Millionen Euro sind möglich.

Strauss-Kahn wurde schon vor rund vier Jahren jäh gestoppt. Ursprünglich sollte er 2012 für die französischen Sozialisten als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat antreten. In New York stand er allerdings im Zentrum einer Affäre um Vergewaltigungsvorwürfe einer Hotelangestellten. Strauss-Kahn verlor seinen Chef-Posten beim IWF, mit der Angestellten einigte er sich außergerichtlich.

In dem zunächst bis nächste Woche geplanten Prozess müssen sich mit Strauss-Kahn auch Bordellbetreiber, Hotelbesitzer und Unternehmer verantworten. Auch drei Manager des „Carlton“ in Lille sind angeklagt.

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erstellt am 10.Feb.2015 | 10:28 Uhr

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