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Mehrere Tote und Verletzte : Schweres Erdbeben in Chile: Tsunami-Warnungen von Hawaii bis Neuseeland

vom

Eine Million Menschen müssen in Chile in Sicherheit gebracht werden. Das Beben ist bis nach Argentinien zu spüren.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2015 | 12:38 Uhr

Santiago de Chile | Bei einem der bislang schwersten Erdbeben in der Geschichte Chiles sind mindestens acht Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Die Erschütterungen erreichten eine Stärke von 8,4 und lösten in weiten Teilen des Pazifikraums eine Tsunami-Warnung aus - von Hawaii bis Neuseeland. Stunden nach dem Beben konnte der Tsunami-Alarm in Chile aufgehoben werden, wie der Katastrophenschutz des südamerikanischen Landes am Donnerstag mitteilte.

Das Hauptbeben ereignete sich am Mittwoch um 19.54 Uhr Ortszeit 55 Kilometer vor der Küste in Höhe der Stadt Illapel, die rund 280 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago liegt. Danach gab es rund 50 weitere Beben in dem südamerikanischen Land, das stärkste erreichte eine Stärke von 7,6. Erdbeben sind in Chile keine Seltenheit.

In Chile erreichten Wellen von bis zu fünf Metern Höhe einige Teile der Küste und setzten manche Orte unter Wasser. Rund eine Million Menschen entlang der weitläufigen Küstenregion waren in Sicherheit gebracht worden. Das erdbebengefährdete Land verfügt über ein umfassendes Frühwarn- und Evakuierungssystem.

Die Erschütterungen beschädigten zahlreiche Gebäude, betroffen waren vor allem einfache Häuser aus Adobe (Lehmziegeln), wie örtliche Medien berichteten. Zahlreiche Straßen seien durch Schlamm und Geröll blockiert, mancherorts seien der Strom und die Wasserversorgung ausgefallen. Der Schulunterricht am Donnerstag wurde abgesagt - am Freitag begeht Chile einen Nationalfeiertag.

Eine Frau starb durch eine umstürzende Mauer, eine andere bei einem Erdrutsch. Drei Männer erlagen Herzinfarkten. Die Todesursache der übrigen Opfer war zunächst nicht bekannt. Laut Medienberichten gibt es mehrere Vermisste.

Erdbeben in Chile: In Coquimbo, nördlich von Santiago, bleiben die Menschen nach der Evakuierung draußen im Dunklen.

Erdbeben in Chile: In Coquimbo, nördlich von Santiago, bleiben die Menschen nach der Evakuierung draußen im Dunklen.

Foto: dpa
 

Der Erdbebenherd lag nach Angaben der Behörden in rund 16 Kilometern Tiefe. Das Beben war bis in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires zu spüren.

Bei Twitter und Youtube wurden Handyvideos veröffentlicht, die die Panik der Menschen in Chile zeigen:

Präsidentin Michelle Bachelet erklärte die am stärksten getroffenen Gegenden zum Katastrophengebiet, um die Hilfe für die Bevölkerung zu beschleunigen. Die Staatschefin wollte im Laufe des Donnerstags nach Coquimbo reisen. „Wir haben sehr schnell Maßnahmen ergriffen, das Wichtigste war der Schutz der Bevölkerung“, sagte sie.

Auf TV-Bildern waren in Panik aus Gebäuden rennende Menschen zu sehen. „Bei vielen Häusern sind Mauern eingestürzt“, sagte der Chef der Feuerwehr von Illapel, Fabián Olivares Hidalgo. „Die Feuerwehrleute sind in einem Altersheim, und es ist ein enormes Chaos. Es gibt viele Schäden an Gebäuden und Stromausfälle.“

Nach dem schweren Erdbeben vom Mittwoch hatte auch der Nationale Wetterdienst der USA (NWS) Tsunami-Warnungen für den Pazifik ausgegeben. In Französisch-Polynesien könnten die Wellen bis zu drei Meter hoch werden, teilte der NWS mit Sitz in Hawaii am Donnerstag mit. Kleinere Wellen mit bis zu einem Meter Höhe wurden unter anderem an den Küsten von Mexiko, Japan, Neuseeland und Russland erwartet.

Einordnung des Bebens in der Richter-Skala:

Richter-Magnituden Einteilung der Erdbebenstärke Erdbebenauswirkungen Häufigkeit der Ereignisse weltweit
<2,0 Mikrobeben Nicht spürbar ~ 8000 Mal pro Tag
2,0 bis < 3,0 extrem leicht Nicht spür- aber messbar ~ 1000 Mal pro Tag
3,0 bis < 4,0 sehr leicht Oft spürbar, Schäden selten ~ 49.000 Mal pro Jahr
4,0 bis < 5,0 leicht Sichtbares Bewegen von Gegenständen, Erschütterungen, aber keine selten Schäden ~ 6200 Mal pro Jahr
5,0 bis < 6,0 mittelstark Ernste Schäden bei anfälligen Gebäuden, leichte oder keine bei robusten Gebäuden ~ 800 Mal pro Jahr
6,0 bis < 7,0 stark Zerstörung im Umkreis von bis zu 70 Kilometern ~ 120 Mal pro Jahr
7,0 bis < 8,0 groß Zerstörung über weite Gebiete (Aktuelles Erdbeben im Himalaya) ~ 18 Mal pro Jahr
8,0 bis < 9,0 sehr groß Zerstörung im Umkreis von einigen hundert Kilometern ~ einmal pro Jahr
9,0 bis <10,0 extrem groß Zerstörung im Umkreis von tausenden Kilometern ~ alle ein bis 20 Jahre
größer 10,0 globale Katastrophe Ein solches Beben wurde noch nie registriert Nicht bekannt

 

Wieso ist die Region so gefährdet?

Um den Pazifischen Ozean herum liegt ein Gürtel aus etwa 450 aktiven Vulkanen, der als Pazifischer Feuerring bezeichnet wird. Er ist etwa 40.000 Kilometer lang und wie ein Hufeisen geformt. Hier treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt zu tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen, die Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis zur Folge haben - Chile hat darauf mit dem Aufbau eines umfassenden Frühwarn- und Evakuierungssystem reagiert.

Welche Erdbeben in Chile blieben bisher in Erinnerung?

Zu einer Katastrophe war es in Chile 1939 gekommen. Nach einem Erdbeben der Stärke 7,8 starben 28.000 Menschen. Auch das stärkste je gemessene Erdbeben geschah in Chile: 1960 registrierten Geologen die Stärke 9,5 – 1655 Menschen starben. Im Februar 2010 waren bei einem schweren Erdbeben der Stärke 8,8 mehr als 520 Menschen getötet worden.

 
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