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Stärke 7,8 auf der Richterskala : Schweres Erdbeben im Himalaya – mehr als 600 Tote

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Rund 90 Sekunden lang bebt die Erde im Himalaya. In Nepal stürzen zahlreiche Häuser ein - doch auch die Menschen in großen Teilen Indiens und Bangladeschs spüren das gewaltige Zittern.

Kathmandu | Bei einem schweren Erdbeben im Himalaya sind nach offiziellen Angaben mindestens 600 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 400 Menschen seien verletzt worden, sagte Innenministeriumssprecher Laxmi Dhakal am Samstag in Kathmandu. „Wir fürchten, dass noch viele Menschen unter alten Häusern und Gebäuden begraben sind“, sagte Dhakal. Zahlreiche Häuser in Nepal sind eingestürzt. Vor allem alte Häuser und historische Tempel in Kathmandu seien betroffen, sagte der Autor Kashish Das Shrestha von vor Ort. Die Bewohner der 700.000-Einwohner-Stadt seien auf die Straßen geflüchtet.

Das Beben um 11.56 Uhr lokaler Zeit hatte nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam und der US-Erdbebenwarte eine Stärke von 7,8. Es kam zu Nachbeben mit Stärken bis 5,5. Das Zentrum lag demnach etwa 80 Kilometer Luftlinie westlich der Hauptstadt Kathmandu, in nur 15 Kilometern Tiefe.

Nepalesische Medien berichteten zuvor von mindestens 120 Opfern. Unter ihnen seien auch Todesopfer in der Mount-Everest-Region, berichtete die Nachrichtenseite Pahilopost am Samstag unter Berufung auf das Innenministerium. Mindestens acht Bergsteiger wurden durch eine Lawine in den Tod gerissen. Es sei noch unklar, ob es sich um nepalesische oder ausländische Bergsteiger handelt, sagte Gyanendra Shrestha vom Tourismusministerium in Kathmandu am Samstag. Die Verbindung in die Region sei schlecht, deswegen seien die Informationen spärlich. Die Lawine ging in der Nähe des Everest-Basislangers ab, wo sich derzeit Hunderte Bergsteiger auf den Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt und die umliegenden Gipfel vorbereiten. Die Zahl der Toten könne noch steigen, fügte Shrestha hinzu. Derzeit ist die Hauptsaison für Bergsteiger, die auf die höchsten Berge der Welt klettern.

In der Altstadt von Kathmandu sei der Verkehr zum Erliegen gekommen, weil zahlreiche Straßen aufbrachen, berichtete Shrestha. Verletzte würden in Krankenhäuser gebracht. Zahlreiche Nachbeben verunsicherten die Menschen. Der kulturell wichtige Durbar-Platz im Zentrum Kathmandus - ein Unesco-Weltkulturerbe - sei nicht mehr wiederzuerkennen, sagte Shrestha.

Er twitterte Bilder, auf denen nur noch Holzhaufen zu sehen sind, wo einst historische Gebäude standen. Auch der neunstöckige Dharahara-Turm, der schon einmal durch ein Erdbeben beschädigt wurde, sei in sich zusammengestürzt.

„Wir haben uns schon so lange vor dem großen Beben gefürchtet“, sagte Liz Satow, Nepal-Büroleiterin der Hilfsorganisation World Vision. Nun sei es eingetreten. Die Betroffene Pooja Lama sagte nach einem Telefonat in ihren nepalesischen Heimatort Ranipauwa, ihr Haus sei komplett zerstört. „Aber immerhin sind wir am Leben.“

Die mehr als eine Minute andauernde Erschütterung sowie Nachbeben waren bis in der indische Hauptstadt Neu Delhi und Kolkata spürbar. Auch in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, rannten die Menschen aus Furcht auf die Straßen. Nach offiziellen Angaben sind allein in Indien mindestens 34 Menschen gestorben. Sie wohnten in den nordindischen Bundesstaaten Bihar, Uttar Pradesh und Westbengalen, teilte das Innenministerium in Neu Delhi am Samstag mit. In Bangladesch starb nach offiziellen Angaben eine Frau im Distrikt Pabna. 25 Textilarbeiterinnen seien außerdem verletzt worden, als sie aus ihrer Fabrik in Savar vor den Toren der Hauptstadt Dhaka flüchteten. In China starb laut staatlichen Medien eine 83-Jährige, als ihr Haus einstürzte. Aus Pakistan wurden zunächst keine Toten gemeldet.

Nepals einziger internationaler Flughafen, der wegen der Nachbeben zwischenzeitlich geschlossen war, wurde am Nachmittag teilweise wieder geöffnet. Indiens Luftwaffe schicke ein Flugzeug mit Nahrungsmitteln, Wasser, Rettungsausrüstung, Spürhunden, Ärzten und Krankenpflegern, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Neu Delhi.

Auch aus Deutschland kamen erste Hilfszusagen: Man werde sofort ein medizinisches Einsatzteam auf den Weg bringen, teilte die Hilfsorganisation aus Kaufbeuren am Samstag mit. „Unsere Erfahrung zeigt, dass es bei Beben dieser gewaltigen Stärke sofort zu handeln gilt“, sagte der Leiter der Not- und Katastrophehilfe, Raphael Marcus, laut Mitteilung. Weil viele Menschen in sehr instabilen Häusern lebten, könne das Erdbeben für die Region weiterhin schlimme Folgen haben.

Die Welthungerhilfe will mit ihren Nothilfeteams den betroffenen Menschen direkte Hilfe zukommen lassen. „Viele Häuser sind eingestürzt, meterlange Risse in den Straßen, wie die Kollegen vor Ort berichten, starke Nachbeben sind spürbar“, sagte Mathias Mogge, Vorstand Programme Welthungerhilfe in Bonn. „Zu unseren Kollegen besteht Kontakt, sie sind bereits auf Erkundung, um das Ausmaß der Katastrophe abzuschätzen.“

Papst Franziskus betet für die Opfer des schweren Erdbebens. Das Oberhaupt der Katholiken verfolge die Lage im Gebet und mit großer Sorge, berichtete Radio Vatikan am Samstag in Rom. Der Papst teile den Schmerz der Betroffenen.

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erstellt am 25.Apr.2015 | 15:45 Uhr

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