Böhlen bei Leipzig : Schüsse auf Flüchtlingsheim: Polizei ermittelt

Das Operative Abwehrzentrum der sächsischen Polizei ist alarmiert. Nach den Schüssen am Wochenende wird von einer extremistischen Straftat ausgegangen.

shz.de von
15. Juli 2015, 13:49 Uhr

Böhlen | Auf ein Flüchtlingsheim in Böhlen, etwa 15 Kilometer von Leipzig, ist am vergangenen Wochenende mehrfach geschossen worden. Das berichtete die Leipziger Volkszeitung am Mittwoch. Eine Fensterscheibe und Teile der Fassadenverglasung seien zu Bruch gegangen. Verletzt wurde demnach niemand.

Laut Informationen des MDR war das Flüchtlingsheim bereits Anfang des Jahres in die Schlagzeilen geraten. Damals wurde bekannt, dass ein Ex-Funktionär der rechten Republikaner das Heim betreibt. Ursprünglich sollten in dem ehemaligen Hotel nur bis Ende Mai Flüchtlinge unterkommen. Diese Frist wurde bis zum 31. Juli verlängert.

Die Polizei sei jeweils in der Nacht zum Samstag (0.10 Uhr) und in der Nacht zum Sonntag (0.40 Uhr) zu dem Flüchtlingsheim gerufen worden. In dem Objekt sind rund 150 Asylsuchende untergebracht

Das Operative Abwehrzentrum (OAZ) der sächsischen Polizei habe Ermittlungen aufgenommen. Bei der dortigen Pressestelle war am Mittwoch zunächst niemand für eine Auskunft zu erreichen. Das OAZ ist auf extremistische Straftaten spezialisiert.

„Wieder wird in Sachsen eine neue, erschreckende Stufe der Gewalt gegen Geflüchtete erreicht“, sagte die migrationspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Juliane Nagel. Mit dem Angriff auf das Hotel sei bewusst in Kauf genommen worden, dass Menschen verletzt oder gar getötet werden.

Der Fraktionsgeschäftsführer der AfD im Landtag, Uwe Wurlitzer, sagte: „Wir verurteilen ausdrücklich jede Art von Gewalt gegen Asylbewerber und Asylbewerberheime. ... Wir hoffen, dass die Täter bald gefasst und zur Verantwortung gezogen werden.“

Angriffe auf und Proteste gegen Asylbewerberheime sind kein Einzelfall. Laut Verfassungsschutzbericht haben die Taten im ersten Halbjahr 2015 zugenommen. Zuletzt brannte eine Unterkunft in Meißen. Im April brannte es in Tröglitz (Sachsen-Anhalt). Auch in Lübeck und Escheburg kam es zu Brandanschlägen aufgeplante Unterkünfte für Geflüchtete.

Böhlen ist eine Gemeinde südlich von Leipzig im Kreis Leipzig. 6606 Einwohner leben in dem Ort. Die Stadt wird vom Störmthaler See, dem Hainer See und dem Zwenkauer See umgeben. Als Industriestandort beheimatet Böhlen das Kraftwerk Lippendorf und das Chemiewerk „Dow Chemical“. Bürgermeisterin ist Maria Gangloff (Linke).
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