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Teure Klassenfahrt : Schüler fahren für 38.000 Euro nach New York – Jobcenter zahlt

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Pro Schüler hat das Jobcenter 2539 Euro für eine Reise nach New York gezahlt. Nun steht der Schulleiter in der Kritik.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2015 | 13:41 Uhr

Berlin | Für diese Klassenfahrt müssen die Steuerzahler richtig blechen: Pro Schüler 2189 Euro für Flug und Unterkunft, 140 Euro für Verpflegung und 210 Euro für Nebenkosten für eine Reise nach New York – so lauteten die Anträge des Robert-Koch-Gymnasiums in Berlin-Kreuzberg, die laut einem Zeitungsbericht bei Mitarbeitern der Jobcenter in Berlin auf den Tischen landeten. Auch die Zustimmung des Schulleiters habe nicht auf den Formularen gefehlt, berichtete der „Tagesspiegel“.

Der Zeitung zufolge waren damit alle Bedingungen erfüllt, um vom Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) des Bundes zu profitieren. Diese Unterstützung solle es Familien mit sehr beschränkten finanziellen Mitteln ermöglichen, ihre Kinder besser zu fördern. Normalerweise blieben die Ausgaben in einem Rahmen von 300 bis 700 Euro – schon allein, weil für gewöhnlich auch Eltern von Schülern mitreden würden, die die Reise ihrer Sprösslinge selbst bezahlen müssten. Von dieser Seite gebe es ein Interesse daran, dass die Kosten für Klassenfahrten keine exorbitanten Höhen erreichen. Im Englisch-Leistungskurs des Robert-Koch-Gymnasiums seien allerdings alle 15 Schüler aus Familien gekommen, die Anspruch auf BuT-Zahlungen gehabt hätten. Und prinzipiell gebe es in der Hauptstadt keine Obergrenzen für Kosten bei Klassenreisen.

Schulleiter Rainer Völkel, der die Anträge abgenickt hatte, sei mit kritischen Nachfragen aus den Jobcentern konfrontiert worden. Inzwischen habe er zerknirscht reagiert. „Ich habe einmal nachgegeben, und das war vielleicht einmal zu viel“, zitierte ihn der Tagesspiegel.

Völkel habe betont, dass er im Vorfeld Bedenken gehabt habe. Er habe den jungen Lehrer „hochnotpeinlich befragt“, ob das denn wirklich nötig sei. Letztlich sei er aber überzeugt worden. Zu den überzeugenden Argumenten habe gezählt, dass in der Reisegruppe diverse Schüler gewesen seien, die neben Englisch auch Kunst als Leistungskurs belegen. In New York habe in dem Zusammenhang das Museum of Modern Art gelockt. Zudem sprach Völkel von einem „latenten Antiamerikanismus“ bei einigen seiner Schülern. Dagegen sollte die Reise helfen. Außerdem habe Völkel angemerkt, dass die Reise letztendlich billiger als geplant ausgefallen sei. 400 Euro seien pro Schüler zurückgezahlt worden. Trotzdem solle die Reise ein Einzelfall bleiben.

Allerdings seien laut „Tagesspiegel“ „sowohl im Bund als auch in Berlin ähnliche Ausgaben im Rahmen des BuT durchaus bekannt“. Kommunen bewilligen demnach bis zu 2000 Euro pro Schüler – „vereinzelt auch mehr“.

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