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„KRASS – Kultur Crash Festival“ : Schrille Zschäpe-Show zum Festivalstart in Hamburg 

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Ein Ballett rosaroter Panther, Videobilder von NSU-Opfern und am Ende ein Rap der Akteure mit Migrationshintergrund. Das an ein Fernseh-Quiz aus dem damaligen Jugoslawien angelehnte Projekt erntet viel Beifall.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2016 | 12:38 Uhr

Hamburg | Die Uraufführung der grell bunten, interaktiven Multimediashow „Wie das Lächeln aus dem Gesicht von Beate Zschäpe verschwindet“ hat am Donnerstagabend in Hamburg das „KRASS – Kultur Crash Festival“ eröffnet. Die Zschäpe frappierend ähnelnde Schauspielerin Tina Keserovic liest dabei auch aus Original-Akten des am Münchner Oberlandesgericht laufenden Prozesses vor.

Die Aufführung von Regisseur Branko Simic ist der erste Teil von dessen Trilogie „Kwiskotheka“. Als Festival-Kurator präsentiert Simic auf Kampnagel bis zum 6. März Stücke, Installationen und Konzerte zu Migration und Fremdenhass.

Am Anfang will man sich unwillkürlich die Augen reiben - denn da scheint Beate Zschäpe persönlich die Spielfläche der Hamburger Kampnagelfabrik zu betreten. So sehr ähnelt die Akteurin Tina Keserovic der in München vor Gericht stehenden deutschen Rechtsterroristin. Mit versteinerter Miene, in schwarzem Anzug und dickem Raubtierdruck-Schal steht die 1987 in Kroatien geborene Keserovic im Lichtkegel. Und wird gefilmt, wenn sie mit mitteldeutschem Zungenschlag Original-Prozessaussagen vorliest.

Darin leugnet das sonst so verschwiegene mutmaßliche NSU-Mitglied die Beteiligung an den Überfällen und Morden, die auch den toten Kumpeln Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos angelastet werden. Im Laufe einer fiktiven Fernseh-Quizsendung wird sich das zierliche Zschäpe-Double dann mit „Piccolöchen“ der Marke „Rotkäppchen“ volllaufen lassen und sich enthemmt bis auf Unterhemd und Boxershorts ausziehen. Um gegen Ende das braune Kleid und den Trachtenhut anzuziehen, die der wendige Moderator (der Zauberer und Entertainer Manuel Muerte) überreicht. Der wiederum trägt irgendwann – Achtung: Ironie – den roten Fez eines Muslims.

Dieses Geschehen ist eingebettet in die schrille interaktive Multimediashow „Wie das Lächeln aus dem Gesicht von Beate Zschäpe verschwindet“ des Regisseurs Branko Simic. Bei der Uraufführung am Donnerstagabend gab es viel Beifall vom meist jungen Publikum in der nicht ausverkauften Kampnagelhalle.

Nicht zum ersten Mal wurde die Geschichte um Beate Zschäpe künstlerisch verwertet. In der im Dezember von Schlecky Silberstein produzierten Sitcom „Beate blickt's nicht“, wird sich über Zschäpes Erklärung im NSU-Prozess lustig gemacht, in der sie bestritt an den Morden beteiligt gewesen zu sein.

Auch das „Neo Magazin“ vom ZDFneo nahm sich dem Thema an und erfand „Beate Zschäpe - Das Musical“. Jan Böhmermann als Rolf Loyd Webber, dem exzentrischen deutsch-kanadischen Regisseur, leitete das Musical um Beate Zschäpe und den NSU-Prozess.

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