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"12 Meter ohne Kopf" : Schrille Piraten im Mittelalter

vom

Sven Taddicken und Matthias Pacht haben die Geschichte des berühmtesten deutschen Seeräubers Störtebeker geistreich in Szene gesetzt.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2009 | 01:23 Uhr

Piratengeschichten sind stets für nicht enden wollende Legendenbildung gut - und bieten Stoff für Jungenträume. Für Shootingstar Matthias Schweighöfer ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. In "12 Meter ohne Kopf" spielt er Gödeke Michels, den Freund und Weggefährten des legendären Seeräubers Klaus Störtebeker (um 1360-1401). Regisseur Sven Taddicken und Drehbuchautor Matthias Pracht tragen zu der Legendenbildung bei. Denn in ihrem rasanten und meist amüsanten Film mit einem Mattias Schweighöfer, der Johnny Depp in "Fluch der Karibik" Konkurrenz macht, blickt zum Schluss nicht Klaus Störtebeker (Ronald Zehrfeld) dem Scharfrichter in die Augen, sondern Gödeke Michels, der für seinen Freund den Tod auf sich nimmt.
Genau mit dieser vorausblickenden Szene, unterlegt von rockiger Musik, beginnt das Piratenabenteuer, in dem es eben nicht nur um die Legende Klaus Störtebeker geht, sondern auch um Freundschaft, Treue und um gebrochene Helden. Denn nachdem Störtebeker dem Tod gerade nochmal von der Schippe gesprungen ist, ist er nicht mehr der alte. Plötzlich macht er sich Gedanken, ob es nicht ein Zeichen war, dass er eine zweite Chance bekommen hat und fordert seine Mannschaft auf: "Lasst uns darüber reden." Gewalt sei schließlich keine Lösung. Heißsporn Michels versteht die Welt nicht mehr.
Kapitäne, die sich im Mastkorb prügeln
Schuld daran sind natürlich auch die Frauen. Als die Seeräuber nach gescheitertem Gefecht und ohne Schiff in ihren Heimathafen zurückkehren, um neue Kraft zu tanken, lernt Störtebeker die liebreizende, alleinerziehende Bille (Franziska Wulf) kennen. Sie öffnet seinen Blick für ein ganz anderes Leben, fernab von Piratenromantik und Freiheit auf hoher See. Doch es ist noch nicht die Zeit für ein ruhiges Bauernleben auf dem Festland. Die See ruft, und die beiden geschlagenen Piraten Störtebeker und Michels haben sich die schrottreife "Makrele" andrehen lassen.
An Bord des abgetakelten Kahns entdecken die Seeräuber das Skelett des glücklosen Kapitäns Knudsen - ein schlechtes Omen. Das Gerippe hält in seinem Arm ein seltsames Rohr mit Eisenkugeln. Nach zahlreichen Irrungen und Wirrungen, bei denen der Film durchaus seine Längen hat, einer Begegnung mit einem skrupellosen Waffenhändler (Detlev Buck) und einer Meuterei, kommen die Männer dem Geheimnis des seltsamen Rohrs auf die Schliche, und ein unaufhaltsamer Siegeszug auf Nord- und Ostsee beginnt. Das wiederum ruft die Hanse in Hamburg auf den Plan, für die die Beutezüge der Seeräuber den Ruin bedeuten könnten. Also setzt Simon von Utrecht (genial gespielt von Devid Striesow mit blonder Pottfrisur) ihnen nach. Und weil sich die Kapitäne im Mastkorb prügeln, als die übermächtige Flotte der Hanse am Horizont auftaucht, ist das Ende von Störtebeker und seinen Mannen unausweichlich.
Der Traum von einem alternativen Lebensentwurf
Sven Taddicken und Matthias Pacht haben die Geschichte des berühmtesten deutschen Seeräubers geistreich und mit großartigen Schauspielern in Szene gesetzt und spielen dabei geschickt mit der Historie. Denn um den Tod Störtebekers im Jahr 1401 rankt sich die Legende, dass dieser mit dem Bürgermeister einen Pakt schloss: Alle Männer, an denen er nach seiner Enthauptung ohne Kopf vorbeilaufen würde, sollten freikommen - es sollen elf gewesen sein. In dem Film ist das eine Geschichte, die Michels (nach seinem Tod als Störtebeker) dem Freund eingibt, um die Legende spannender zu machen.
Mit "12 Meter ohne Kopf" wollten die beiden Filmemacher mehr als eine witzige Piratenparodie, die mit durchaus derben Sprüchen aufwartet ("Willste mich vögeln?", "Fick die Hanse!" - deswegen wohl auch erst ab 12 Jahren freigegeben). "Auch wenn wir versucht haben, den Look des Jahres 1401 getreu wiederzugeben, sind doch die Sprache, die Kameraführung und die Musik bewusst modern gehalten", erklärt Regisseur Taddicken ("Emmas Glück") im Presseheft. Schließlich sei es die Geschichte eines Haufens von Jungs, die von einem alternativen Lebensentwurf träumen - ein Thema, das eben nicht nur Piratenfans umtreibt.

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