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"Wongs Ashes Of Time Redux" : Schönheit, Schmerz und Schwertkampf

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Die magischen Bilder und bezwingende Melancholie Asiens hat Wong Kar-Wai in einer restaurierten Neuauflage von "Ashes Of Time Redux" auf Leinwand gebannt.

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erstellt am 15.Sep.2009 | 05:29 Uhr

Ein türkisfarbener Himmel spiegelt sich in einer Pfütze der gelben, grandiosen Wüste. In dunklen Hütten umflirrt spärliches Licht verloren wirkende Gesichter. Kleine Vögel sind gefangen in einem Bambuskäfig, dessen Gitter Schatten auf seine Besitzerin werfen. Und wenn ein Schwertkämpfer blutend sein Leben aushaucht, dann stirbt er in Schönheit. Wie ein vollkommenes Gemälde erscheint jede dieser Einstellungen mit der Kamera gemalt in der erlesenen, minimalistischen Ästhetik Asiens. Dazu rasselt und raunt ein dissonanter Soundtrack sperrig und rätselhaft wie manche der Horoskope, Weissagungen und Sprichwörter aus dem Mund des Erzählers, der Gestirne, Natur und Menschen miteinander in Verbindung setzt.

Magische Bilder und bezwingende Melancholie, beides für sein Schaffen so charakteristisch, bannte Wong Kar-Wai schon in seinem Frühwerk "Ashes Of Time" (1994) auf die Leinwand. Und der ausbleibende Publikumserfolg dieser Verfilmung eines Romans (1957-59) von Louis Cha ließ den inzwischen weltweit verehrten chinesischen Drehbuchautor, Regisseur und Produzenten ("In The Mood For Love", 2000) lange nicht ruhen. Wie in einem Spiel mit der Titel gebenden Asche der Zeit sammelte Wong in fünf Jahren daher unterschiedliche kursierende Kopien, restaurierte und kolorierte, schnitt und ergänzte, sorgte für neue Musik und schuf so eine um zehn auf 93 Minuten gekürzte Director"s-Cut-Version, die seine Sicht endgültig ausdrücken und die Kinobesucher überzeugen soll. Es ist wie mit einem guten Wein, sagte der 51-Jährige in einem Interview. Es brauchte Zeit.
Wiedersehen mit Wong-Stars

Zugleich bietet die Neuauflage "Ashes Of Time Redux" ein Wiedersehen mit Wong-Stars in ihren jüngeren Jahren - etwa mit Tony Leung und Maggie Cheung. Die Rollen, die sie spielen, und die ganze Geschichte aus dem alten China bleiben jedoch über weite Strecken höchst verworren. Es geht um einen einsamen Wüstenbewohner namens Ouyang Feng (Leslie Cheung). Die Frau, die er liebte, verstieß ihn, er wurde zum Zyniker, der als eine Art Makler marodierende Schwertkämpfer mit Mordauftraggebern zusammen bringt: Männer und Frauen mit unglücklichen Biografien und gespaltenen Identitäten finden zu diesem Zweck den Weg in seine Herberge. Einer von ihnen ist Huang Yao-Shi (Tony Leung Ka Fai) mit einem Zauberschnaps, der die Vergangenheit vergessen lässt.

Vergänglichkeit und Vergeblichkeit, von Wong Kar-Wai in all seinen Filmen thematisiert, vermittelt er hier in der scheinbar unübersehbaren Fülle miteinander verwobener, unerfüllter Lebens- und Liebesgeschichten. Schmerz und Rache, Brutalität und Tod wirken so auf den Betrachter eher archetypisch als individuell. Das Anschauen von "Ashes Of Time Redux" kann anstrengen. Strikt dem Lauf der Jahreszeiten unterworfen und formuliert in der überhöhten Sprache elitärer Schönheit, fesselt der Film mehr durch Abstraktion der Gedanken als durch Mitleiden mit Schicksalen. Einige Sätze klingen dabei leider auch banal: Die Menschen verstecken sich oft hinter einer Maske, um den Schmerz zu verbergen, sinniert der Erzähler unter anderem. Doch am Ende erlösen Wissen um das Geheimnis von Identität und Erinnerung von aller Liebesmüh.

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