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Plagiatsvorwurf gegen „Kuttner plus Zwei“ : Sarah Kuttner, Nina Lauterbach und ZDFneo

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Hat ZDFneo ein Konzept von Nina Lauterbach geklaut? Der Sender sagt ‚Nein’. „Kuttner plus Zwei“ hat Parallelen zu „Lauterbach – Essen Trinken Geile Leute“ und Fans regen sich deswegen auf. shz.de zeigt das Nischentheater.

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erstellt am 08.Mai.2014 | 14:34 Uhr

Hamburg/Berlin | Sarah Kuttner und der Spartensender ZDFneo müssen sich dieser Tage mit einem der im Internet üblich gewordenen Shitstorms auseinandersetzen. Der Grund ist eine neue Talkshow namens „Kuttner plus Zwei“.

In gemütlicher Wohnküchenatmosphäre plaudert die 35-Jährige mit Gästen, es gibt etwas zu Essen und etwas zu Trinken. Klingt nach typischem und kuttneresken Fernsehformat. Nach Sendungen wie „Bambule“, „Kuttner – Die Show“ oder „Unter einer Decke mit Kuttner“ ist die Pilotfolge der neuen Sendung seit dem 10. April zu sehen. Warum also ein Shitstorm mit erbosten Kommentaren in sozialen Netzwerken?

Der Grund ist Nina Lauterbach. Die Hamburgerin produziert seit März 2013 einen ähnlichen „Küchentalk“ im Web. Unter dem Titel „Lauterbach – Essen, Trinken, geile Leute“ lädt die Schwester von „Fettes Brot“-Mitglied Boris Lauterbach alias „König Boris“ prominente Gäste in eine Küche auf Sankt Pauli ein. Moment: Küche? Das ist doch wie bei Kuttners neuer Sendung. Richtig geraten. Und so tummeln sich schon die Plagiatsvorwürfe. Was das Ganze überhaupt erst anheizt ist der kuriose Fakt, dass Nina Lauterbach eben mit diesem ihrem Konzept bei den Programmverantwortlichen von ZDFneo auf der Matte stand und ihre Idee präsentierte. Das war im Juli 2013. Es folgte die Absage. Nur kurze Zeit später startete das zum verwechseln ähnliche Format dann mit der im Fernsehen beliebten und bereits bekannten Sarah Kuttner. Zufall oder Ideenklau? Die Hamburgerin lacht über die Ansicht des Spartenkanals, dass zwischen beiden Sendungen keine großen Ähnlichkeiten bestehen.

 

Smudo von den Fantastischen Vier, Hugo Egon Balder, Lilo Wanders oder Bruder „König Boris“ persönlich gaben sich in dem kleinen Web-TV der 37-Jährigen bereits die Ehre, da war Kuttners neuer Talk noch gar nicht geboren. Trotzdem fehlt Lauterbachs Show bis heute der Erfolg. Kein Fernsehsender wollte sich dem Konzept von Nina Lauterbach bisher annehmen. Nur Youtube-Klicks und knapp 1000 Facebook-Fans machen den Kühlschrank jedoch nicht voll. Die insgesamt 25 Videos im Youtube-Kanal wurden verhältnismäßig wenig angesehen, die Hälfte sind Trailer zu den bisher sechs hochgeladenen Shows. Der Bekanntheitsgrad der Sendung ist also noch sehr gering.

Dennoch ähneln sich beide Formate deutlich. Nicht nur wegen der sympathischen Wohnzimmeratmosphäre und dem locker lässigen Umgang mit den Gästen. Man soll sich als Zaungast fühlen. Mittendrin, statt nur dabei sozusagen. Man guckt der Moderatorin und den wechselnden Gästen beim Abendessen zu und fühlt sich wie ein Freund der Plaudernden. Nur halt auf der anderen Seite einer Glasscheibe. Es gibt aber auch Unterschiede. So kommen zu Kuttner immer zwei Gäste, in der ersten Show waren es  Hannelore Elsner und Bosse, bei Ninas Küche auf Sankt Pauli ist es unterschiedlich. Bei „Kuttner plus Zwei“ werden Passanten auf der Straße auf die Prominenten angesprochen, bei der Youtube-Show gibt es ein Verhöhrzimmer, in dem die Gäste möglichst viele Fragen spontan beantworten müssen.

ZDFneo wehrt sich standhaft gegen den Plagiatsvorwurf. Die Planungen für „Kuttner plus Zwei“ gab es schon bevor Nina Lauterbach ihr Konzept beim Sender vorlegte. Es gäbe im deutschen Fernsehen unzählige Talkformate und so sei die Idee zur Sendung schon im März 2013 entstanden, heißt es seitens des ZDF. Entwickelt wurde das Konzept von zwei ZDFneo-Mitarbeitern. Im Juni folgte dann das Briefing an die Produktionsfirma, im Juli sei das Projekt konkret geworden. „Bei den Gesprächen wurde dann Sarah Kuttners Vorschlag, die Sendung in einer Wohnküche stattfinden zu lassen, aufgegriffen und in das Konzept integriert“, sagte Andrea Eisel, stellvertretende Leiterin des Senders gegenüber des Tagesspiegels.

Auch Sarah Kuttner äußerte sich mittlerweile in einem Statement zu den Vorwürfen. Auf ihrer Facebook-Seite prangert sie Shitstorms und das Verhalten der Menschen im Netz an und sieht sich ganz im Recht, nur ihre eigene Idee in das Konzept eingebracht zu haben. Eine Entschuldigung gibt es nicht, eine Absprache mit dem Sender habe es vor ihrer Nachricht an die Fans nicht gegeben. Warum auch. Kuttner macht was sie will und bleibt authentisch.

Anstatt einen Rechtsstreit anzuzetteln, rief Nina Lauterbach kurzerhand ihre Facebook-Gemeinde zusammen und stellt seither Verbesserungsvorschläge ein. Denn ZDFneo hätte ja anscheinend Probleme, eigene Ideen zu entwickeln. Sie fühlt sich offensichtlich betrogen, nimmt es aber mit Humor. Einen offenen Schlagabtausch hat sie trotzdem angezettelt.

Die Verbesserungstipps spiegeln eine gewisse Ablehnung des Kuttner-Talks wieder. Lauterbach selbst nennt es eine halbherzige Kopie. Aufopferungsvoll bietet sie ZDFneo seither ihre Hilfe an. Seitens der Moderatorin Kuttner würde zu wenig Alkohol getrunken, eine Küche benutzt, in der wohl noch nie gekocht worden sei und vorallem: Es würde zu wenig gelacht. Außerdem könnte die Stimmung authentischer sein. Den Vergleich stellt Lauterbach auch gleich bildlich bei Facebook dar. Oben Web-Show, unten Sarah Kuttner.

Letztlich sind es zwei Formate, die einander sehr ähneln und das gibt es nicht erst seit gestern. Man nehme diverse Casting-Shows, Spiel-Shows oder auch Talk-Shows. Ähnlichkeiten gibt es heute überall, denn neue und kreative Ideen haben die TV-Sender schon lange nicht mehr. Das ein nun offenbar abgekupferter Talk, der ebenso wenig revolutionär ist, wie diverse Casting-Ideen, eine solche Reaktion hervorruft, ist auf der einen Seite verständlich. Das Futter dazu liefert eine scheinbar getroffene Nina Lauterbach, die mit ihrer Idee bei einem Spartensender nicht punkten konnte. Sie bleibt mit ihrer Web-Sendung und der Idee für den Küchentalk jedoch das Hamburger Original – vielleicht bleibt das ein Trost, denn den Titel nimmt ihr keiner.

Auf der anderen Seite lässt sich wohl nie wirklich herausfinden, ob kopiert wurde oder nicht, denn mit Sarah Kuttner reagiert ein glaubwürdiges Berliner Original auf die zugegeben nachvollziehbaren Vorwürfe – ein Unentschieden ohne wirklichen Gewinner. 

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