Salah Abdeslam : Salah Abdeslam schweigt: Auftakt des Terrorprozesses in Brüssel

Der mutmaßliche islamistische Terrorist Salah Abdeslam (unten re.) sitzt am ersten Tag des Prozesses vor Polizisten im Gerichtssaal.

Der mutmaßliche islamistische Terrorist Salah Abdeslam (unten re.) sitzt am ersten Tag des Prozesses vor Polizisten im Gerichtssaal.

Salah Abdeslam soll an zahlreichen Anschlägen beteiligt gewesen sein. Er steht wegen Mordversuchs vor Gericht.

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05. Februar 2018, 15:49 Uhr

Brüssel | Der mutmaßliche islamistische Topterrorist Salah Abdeslam hat zum Auftakt seines Prozesses in Brüssel die Aussage verweigert. „Ich möchte nicht auf Fragen antworten“, sagte der 28-jährige Franzose am Montag. „Ich verteidige mich durch Schweigen.“ Damit zerschlug sich die Hoffnung, dass Abdeslam seine monatelange Aussageverweigerung brechen und vielleicht erste Hinweise auf die Terroranschläge von Paris und Brüssel geben könnte. Sein mutmaßlicher Komplize Soufien Ayari machte dagegen ausführliche Angaben und räumte Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat ein. Die eigentlichen Tatvorwürfe bestritt Ayari.

Salah Abdeslam war einer der meistgesuchten Terrorverdächtigen Europas. Nach den Anschlägen von Paris wurde er per internationalem Haftbefehl gesucht. Während einer Polizei-Razzia in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek wurde er gefasst.

Abdeslam soll zur Terrorzelle gehören, die die schweren Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verübte. Angeklagt ist Abdeslam gemeinsam mit Ayari jetzt aber zunächst wegen eines Feuergefechts mit der Polizei im Brüsseler Viertel Forest.  Salah Abdeslam drohen für die Schießerei in Brüssel 2016 drei bis 20 Jahre Haft. Dies sei das mögliche Strafmaß für die angeklagten Taten, erklärte die Staatsanwaltschaft am Montag nach Beginn der Hauptverhandlung. Es gehe nicht nur um Mordversuch, sondern um Mordversuch in einem terroristischen Zusammenhang.

Anschlag U-Bahn-Station
dpa

Bei dem Anschlag am Brüsseler Flughafen und der U-Bahn starben 32 Menschen.

 

Dort sollen die beiden mit einem weiteren Terroristen am 15. März 2016 auf Beamte geschossen haben, die die Wohnung durchsuchen wollten, in der sie sich versteckt hielten. Der dritte Verdächtige, der Algerier Mohammed Belkaid, wurde dabei getötet. Abdeslam und Ayari flohen nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft. Drei Tage später wurden sie im Stadtteil Molenbeek gefasst. Weil in Forest mehrere Polizisten verletzt wurden, wird den Angeklagten versuchter Mord vorgeworfen.

Tunesier war ein Jahr lang bei der IS-Terrormiliz

Zuerst nahm sich das Gericht den 24-jährigen Ayari vor, der auch einige wesentliche Informationen preisgab. Der Tunesier bestätigte, dass er ein Jahr bei der IS-Terrormiliz in Syrien gewesen sei. Er räumte auch ein, dass er und Abdeslam sich wochenlang in jener Wohnung in Forest versteckt gehalten hätten und am Tag des Feuergefechts vor Ort gewesen seien. Auf die Polizisten geschossen habe aber nur Belkaid – der Mann, der selbst getötet wurde und sich nicht mehr äußern kann.

Bei etlichen Nachfragen der Vorsitzenden Richterin wurde Ayari dann auch recht vage, zum Beispiel, wie ihm mit Abdeslam von Forest die Flucht gelang und wie er genau zum islamistischen Terror des IS in Europa steht.

Abdeslam selbst hörte sich die mehr als einstündige Befragung seines mutmaßlichen Komplizen an, bis er selbst an die Reihe kam und die Sache kurz machte: „Ich schweige, das ist mein Recht“, sagte der 28-jährige Franzose. „Mein Schweigen macht mich aber nicht zu einem Schuldigen oder zu einem Kriminellen.“ Das Gericht solle seine eigenen Schlüsse ziehen, er vertraue auf Allah: „Ich habe keine Angst vor Ihnen.“

Terrorwelle mit 130 Toten

Abdeslam gilt als einziger Überlebender der IS-Selbstmordkommandos, die am 13. November 2015 die Pariser Terrorwelle mit 130 Toten verübten. Er soll selbst einen Sprengstoffgürtel gehabt, aber nicht gezündet haben. Stattdessen floh er nach Erkenntnissen der Ermittler nach Belgien und tauchte unter, bis er bei der Razzia in Forest aufgespürt und am 18. März 2016 festgenommen wurde. Vier Tage später sollen Mitglieder seiner Terrorzelle die Selbstmordanschläge in der Brüsseler U-Bahn und am Flughafen verübt und 32 Menschen getötet haben. Die Ermittlungen zu beiden Terrorwellen sind nicht abgeschlossen, die Prozesse nicht terminiert.

Zu möglichen Zusammenhängen gab der mitangeklagte Ayari aber einen wichtigen Hinweis. Er sagte, während seiner Zeit im Unterschlupf in Forest sei dort mehrfach Brahim El Bakraoui aufgetaucht und habe mit Belkaid gesprochen. El Bakraoui und sein Bruder Khalid gehörten zu den drei Brüsseler Selbstmordattentätern.

Der Aufwand für den Brüsseler Prozess ist enorm. Abdeslam sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft und wurde in der Nacht von dort nach Brüssel gebracht. Er kam erst unmittelbar vor Prozessauftakt am Montagmorgen am streng gesicherten Justizpalast im Süden der belgischen Hauptstadt an. Der Transport hin und her soll täglich wiederholt werden. Der Prozess ist zunächst bis Freitag terminiert, wird aber wohl länger dauern.

Chronologie der Ereignisse:

13. November 2015: Terroranschläge in Paris. 130 Menschen starben. Abdeslam fuhr laut Ermittlern mit Attentätern aus Belgien zu den Anschlägen in Paris. Sein Bruder Brahim, der mutmaßliche Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud und sieben weitere Terrorverdächtige kamen dabei ums Leben. Zudem soll Abdeslam ein Killerkommando zum Pariser Fußballstadion Stade de France gefahren, seinen eigenen Sprengstoffgürtel dann aber abgelegt haben. Ihm gelang die Flucht nach Belgien, wo er untertauchte.

1500 Besucher waren zu einem Konzert der Rockband Eagles of Death Metal im Bataclan-Theater, als die Attentäter in das Gebäude eindrangen und zu schießen begannen.

1500 Besucher waren zu einem Konzert der Rockband Eagles of Death Metal im Bataclan-Theater, als die Attentäter in das Gebäude eindrangen und zu schießen begannen.

15. März 2016: Anti-Terror-Einsatz der Polizei in der Brüsseler Gemeinde Forest. Als sich die Beamten einem Wohnhaus nähern, werden sie von dort beschossen. Es soll Abdeslam gewesen sein. Drei Beamte werden verletzt, der algerische Dschihadist Mohamed Belkaid in der Wohnung von Sicherheitskräften erschossen. Zwei weitere Verdächtige fliehen. Es sind, zumindest nach Überzeugung der Ermittler: Abdeslam und Ayari, ein heute 24-jähriger Tunesier, der 2015 im Flüchtlingsstrom über die Türkei und Griechenland nach Europa gekommen sein soll.

Stade de France
imago/Revierfoto

Drei der Attentäter von Paris sprengten sich am Stade de France in die Luft.

18. März 2016: Der 26-Jährige wird in Brüsseler Stadtteil Molenbeek festgenommen.

Salah Abdeslam
imago/Winfried Rothermel

Im Brüssler Stadtteil Molenbeek wurde Salah Abdeslam festgenommen.

 

19. März 2016: Paris stellt einen europäischen Haftbefehl gegen Salah Abdeslam aus. Der 26 Jahre alte Franzose stimmt seiner Auslieferung nach Frankreich zu. Er sitzt seit dem in Fleury-Mérogis im Umland von Paris in Untersuchungshaft.

22. März 2016: Am Flughafen und in einer U-Bahn von Brüssel ereignen sich mehrere Explosionen. Der Attentäter Khalid El Bakraoui sprengt sich in der Metro in die Luft, sein Bruder Ibrahim zündet eine  Bombe am Flughafen. 32 Menschen sterben. Zwei weitere Täter Osama K., Mohamed Abrini werden anschließend festgenommen.

Brüssel U-bahn
imago/Reporters

Ein Attentäter sprengte sich in der U-Bahn in die Luft.

 

Eigentlich sollte Paris erneut das Anschlagziel sein, doch die Verhaftung von Salah Abdeslam setzte die Terroristen unter Zeitdruck. Ob Abdeslam auch an der Vorbereitung der Brüsseler Anschläge beteiligt war, ist unklar. Er soll aber Verbindungen zu den Attentätern gehabt haben. Laut Ermittlern hinterließ er Fingerabdrücke auf einem Wasserglas in der Wohnung, die Khalid El Bakraoui im Brüsseler Stadtbezirk Forest gemietet hatte.

5. Februar 2018: Prozessauftakt in Brüssel. Mit ihm steht sein mutmaßlicher Komplizen Sofien Ayari vor Gericht. Auch er soll an den Pariser Terroranschlägen beteiligt gewesen sein.

Für den Prozess wird der Angeklagte in das Gefängnis Vendin-le-Vieil in Nordfrankreich verlegt. Es liegt rund 140 Straßenkilometer vom Brüsseler Justizpalast entfernt. Das Gebäude wird ab Montag weiträumig abgeriegelt. Wie Abdeslam zur Verhandlung gebracht wird, ist nicht bekannt.

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