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Alberto Olmedo aus Madrid : Säbel und Feuer: Warum ein spanischer Friseur keine Schere braucht

vom
Aus der Onlineredaktion

Friseur Alberto Olmedo ist mit einem Video über Nacht berühmt geworden - wegen seiner furchteinflößenden Schneide-Technik.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2015 | 15:01 Uhr

Madrid | Alberto Olmedo ist kein Friseur für ängstliche Gemüter. Zum Haareschneiden benutzt der Spanier nämlich vor allem Säbel. Gern auch zwei auf einmal, die er auf dem Boden kniend gekonnt und ästhetisch schwingt. Kundin Olga, die die Methode an diesem Dezemberabend erstmals ausprobiert, stößt einen kleinen Seufzer aus, als sie die gut 80 Zentimeter lange Klinge einmal etwas näher vorbeiziehen sieht. Als Olmedo aber fertig ist, staunt die junge Frau beim Blick in den Spiegel: „Das ist toll geworden!“ Und die Umstehenden klatschen fasziniert Beifall.

Vor einigen Tagen wurde der 51-jährige Alberto Olmedo über Nacht berühmt. Schuld war ein Video von „AJ+“, der Digital-Plattform des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera, das Anfang des Monats auf Facebook innerhalb der ersten 24 Stunden mehr als 100 Millionen Mal angeklickt wurde. Am Donnerstag hatte der Clip allein bei „AJ+“ bereits mehr als 178 Millionen Aufrufe.

Die furchterregenden Techniken wendet Olmedo in seinem Laden im Arbeiterviertel Carabanchel im Südwesten Madrids bereits seit elf Jahren an. Neben Säbeln und Schwertern benutzt er auch Feuer, bis zu sechs Scheren auf einmal oder auch Fingerkrallen aus Metall, die Erinnerungen an Tim Burtons Kultfilm „Edward mit den Scherenhänden“ mit Johnny Depp wecken. Bisher war ihm dank Mund-zu-Mund-Propaganda aber bestenfalls die Aufmerksamkeit von Bewohnern anderer Viertel und Städte gewiss. Und von Passanten, die immer wieder vor seinem Schaufenster stehenblieben und wie erstarrt hineinglotzten.

RTL flog den langhaarigen Friseur am vergangenen Wochenende prompt nach Deutschland ein, um die extravaganten Methoden zu testen. Seine Versuchsperson war das Model Sarah Knappik. „Sie war zunächst skeptisch, am Ende war sie aber begeistert“, erzählt Olmedo und zeigt stolz die bunte Visitenkarte der 29-Jährigen. In Deutschland seien die Menschen zwar viel reservierter als in Spanien, nach seinem Eindruck aber auch offener für Neues.

Journalisten aus aller Welt geben sich in Olmedos kleinem Laden derzeit die Klinke in die Hand. „Das ist schon verrückt“, sagt der in Frankreich geborene Sohn spanischer Eltern. Seine Aufzählung könnte auch manch einen Hollywoodstar vor Neid erblassen lassen: „Ich habe zum Beispiel schon mit der BBC und Zeitungsleuten aus vielen Ländern gesprochen, morgen kommt ein Team des brasilianischen Fernsehsenders Globo, der US-Sender Univisión hat mich nach Miami eingeladen, und auch Conan O'Brien will mit mir sprechen.“

„Zurück zu den Wurzeln“, lautet Olmedos Motto. „Ich benutze ziemlich primitive, ja fast mittelalterliche Werkzeuge.“ Was die Schneidetechniken angehe, sei seine Zunft im 17. Jahrhundert stehengeblieben. „Die Schere ist nicht schlecht. Das Problem ist nur, dass es sehr viele Sachen gibt, die man mit der Schere nicht machen kann“, erklärt er. Nur mit Säbeln könne man wirklich gleichmäßig schneiden und feinem Haar Volumen geben.

Bei Olmedo kommt auch Feuer zum Einsatz. Aus einem Schweißbrenner. Feuer mache das Haar stärker. Und: „Was meinen Sie, wie meine neuen Kundinnen immer gucken, wenn ich ihnen sage, dass sie sich nach dem Haareschneiden mit einer 1300 Grad heißen Flamme drei, vier Monate lang nicht mehr kämmen oder frisieren müssen?“ Die Frauen im Laden, die dem Interview beiwohnen, stimmen begeistert und laut zu. 

Olmedo freut sich natürlich über die große Aufmerksamkeit. „Ich bekomme jetzt Anrufe aus aller Welt, und zwar nicht nur von Medien, auch von Kollegen, die sich neu erfinden wollen.“ Der Spanier hat auch Schüler. Eine frühere Mitarbeiterin habe in Carabanchel einen Laden aufgemacht. „Das war vor ein paar Wochen, und sie hat bereits Riesenerfolg“, erzählt der 51-Jährige.

Aber wie hat alles angefangen? „Ich hatte Ende der 1980er Jahre Eingebungen, man muss im Job aber auch stets den Kopf benutzen und Neues wagen.“ Der Start war indes, wie so oft, alles andere leicht. Als er noch keinen eigenen Laden gehabt habe, habe ihm niemand eine Chance gegeben. „Kollegen haben mich kritisiert, als ,Irren' ausgelacht und auch beschimpft.“ Auch bei Friseur-Wettbewerben und Seminaren habe man ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen.

Bei manchen Kollegen herrscht immer noch Skepsis. Ein Friseur, der im Zentrum Madrids die Haare schneidet, rümpft beim Betrachten des Videos die Nase. „Ich weiß nicht“, sagt er und lacht laut auf.

„Klar, die Kollegen mit den traditionellen Techniken fürchten, dass ihnen die Felle davonschwimmen“, meint Olmedo. Der Ehemann und Vater ist sich aber sicher: „Jetzt hält uns niemand mehr auf!“ Nach Hollywood, New York oder Paris will er jedoch nicht. „Ich bin ein Junge von Carabanchel.“

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