US-Sitcom „Roseanne“ abgesetzt : Roseanne Barr gibt Schlafmittel Schuld an rassistischem Tweet

US-Schauspielerin Roseanne Barr.

US-Schauspielerin Roseanne Barr.

Übernächtigt will die US-Komikerin ihren Tweet abgesetzt haben. Schauspieler-Kollegen distanzieren sich von ihr.

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30. Mai 2018, 13:02 Uhr

New York | US-Komikerin Roseanne Barr schiebt die Schuld für ihre rassistische Twitter-Äußerung auf die Einwirkung von Schlafmitteln. „Ich habe etwas Unverzeihliches getan, also verteidigt mich nicht. Es war 2 Uhr morgens und ich habe unter dem Einfluss von Ambien getwittert“, schrieb die 65-Jährige am Mittwochmorgen bei Twitter. „Ich bin zu weit gegangen und will es auch nicht verteidigen. Es war ungeheuerlich und unvertretbar. Ich habe einen Fehler gemacht, den ich wünschte, nicht gemacht zu haben.“

Ambien ist eines in den USA häufig verabreichtes Schlafmittel. Barr twitterte weiter: „Es soll keine Entschuldigung dafür sein, was ich getan habe, aber ich habe nach der Einnahme von Ambien schon seltsame Dinge getan – so wie nachts um zwei Eier an der Wand zu zerschlagen.“ Am Mittwochmittag löschte Barr ihre beiden Tweets wieder.

Barr hatte die Afro-Amerikanerin Valerie Jarrett, früher Beraterin des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, mit einer Twitter-Nachricht beleidigt: „Die Muslimbruderschaft und der Planet der Affen haben ein Baby bekommen.“ Der TV-Sender ABC setzte ihre erfolgreiche Sitcom „Roseanne“ daraufhin ab.

Und was sagt die Beschimpfte zu den Vorwürfen?

Jarrett sagte dem Sender MSNBC, man müsse aus diesem Moment Lehren ziehen. Ihr gehe es gut, betonte sie. Sie sorge sich jedoch um die Opfer von Rassismus, die „keinen Kreis von Freunden oder Anhängern um sich haben, der ihnen sofort zur Hilfe eilt“.

Barr hatte den Tweet am Dienstag gelöscht und sich bei Jarrett und „allen Amerikanern“ entschuldigt. „Es tut mir wirklich leid, dass ich einen schlechten Witz über ihre Politik und ihr Aussehen gemacht habe. Ich hätte es besser wissen sollen. Vergebt mir, mein Witz war schlechter Geschmack.“ Später entschuldigte sie sich auch bei den Mitwirkenden der Show, die wegen ihr den Job verloren hätten.

George Soros als „Nazi“ beleidigt

Stunden zuvor hatte die 65-Jährige zunächst mit einer antisemitischen Twitter-Nachricht Empörung in den USA ausgelöst. Darin hatte sie den jüdischen US-Milliardär George Soros als „Nazi“ beleidigt, der während des Zweiten Weltkriegs andere Juden verraten habe, um sich an ihnen zu bereichern.

Soros ist immer Ziel von Anfeindungen aus rechtsextremen Kreisen. Der Investor wies die Aussagen von Barr in einer Mitteilung entschieden zurück. Solche falschen Anschuldigungen seien beleidigend für alle Opfer des Holocausts, hieß es darin.  

US-Medienberichten zufolge waren es nicht die ersten Tweets dieser Art, die Barr absetzte. Bereits im Jahr 2013 habe sie Susan Rice, ebenfalls Afro-Amerikanerin und ehemalige Obama-Beraterin, mit einem Affen verglichen. Auch diese Nachricht habe die 65-Jährige später gelöscht. Barr betonte in der Vergangenheit wiederholt ihre Unterstützung für Donald Trump, Obamas Nachfolger im Weißen Haus. Immer wieder wurde ihr vorgeworfen, dass sie Verschwörungstheorien wie „Pizzagate“ verbreite. „Pizzagate“ war eine Kampagne mit falschen Anschuldigungen gegen Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton gewesen.

Reaktionen von Kollegen und Barrs Ex-Mann

Barrs Kolleginnen und Kollegen wie Patricia Arquette, Zoe Saldana und Don Cheadle reagierten empört auf den Tweet. Auch Barrs Ex-Mann, der Schauspieler Tom Arnold, zeigte sich entsetzt und lobte zugleich die rasche Reaktion des Senders, die Serie abzusetzen.

Schauspieler und Mitarbeiter der Serie distanzierten sich per Twitter von Barr. „Es ist unglaublich traurig und schwierig für uns alle, denn wir haben eine Show geschaffen, an die wir glauben, auf die wir stolz sind und die die Zuschauer lieben – eine Show, die anders ist als die Meinungen und Wörter eines Mitglieds der Besetzung“, schrieb Schauspielerin Sara Gilbert.

Sie würde nicht mehr für die Show arbeiten, verkündete Wanda Sykes, die als beratende Produzentin an Bord war, in einem Tweet.

 

Die „Roseanne“-Show, in der Barr die Hauptrolle spielt, erzählt die Geschichte der Arbeiterfamilie Conner. Sie hatte zunächst in den 80er und 90er Jahren Erfolge gefeiert und war vor einigen Wochen neu aufgelegt worden – mit herausragend guten Quoten.

(Mit dpa)

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