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Pick-Up-Artist-Treffen in Hamburg : Roosh V und das Scheitern eines absurden Frauenhasser-Plans

vom

Roosh V fantasiert öffentlich über die Legalisierung von Vergewaltigungen. Er plante Männer-Treffen in 40 Ländern - auch in Hamburg.

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erstellt am 04.Feb.2016 | 20:41 Uhr

Frauen gegenüber gibt sich der Pick-Up-Artist Roosh V überlegen und unerbittlich –  weinerlich klingt, was er in seinem Blog schreibt: „Die Welt hat sich gegen uns verschworen“, jammert der Mann, der anderen Männern weltweit Tipps gibt, wie sie am leichtesten Frauen ins Bett bekommen. Ob die betreffenden Frauen das auch wollen, ist für Roosh V und andere Pick-Up-Artists (PUA) dabei übrigens zweitrangig. Roosh V hatte für den 6. Februar „eins der größten Meetups, die die Welt je gesehen hat“ geplant. Weltweit in mehr als 40 Ländern sollten sich am Samstagabend seine Anhänger treffen. Auch in Deutschland. Auch in Hamburg. Daraus wird nun nichts – jedenfalls offiziell.

Wenn Pick-Up-Artists auftauchen, ist die Aufregung immer groß. Sie manipulieren Frauen physisch und psychisch - und verbreiten ihre frauenfeindlichen Tricks. Im Mai 2015 sollte Pick-Up-Artist Julian Blanc nach Hamburg kommen und vor großem Publikum sprechen. Der Termin wurde abgesagt. Auch in Reykjavik in Island gab es damals Widerstand gegen den selbsternannten Aufreiß-Künstler - Julian Blanc kam nicht. Roosh V ist neben Blanc einer der berühmtesten Pick-Up-Artists.

Der Plan: absurd - und abgesagt

Am Anfang der Aufregung steht ein konspirativer und gleichzeitig kindischer Plan: Zu einem weltweiten PUA-Treffen sollten sich am Samstag die Männer an Treffpunkten zwischen 20 Uhr und 20.20 Ortszeit zusammenfinden und dann zu den eigentlichen Treffen geführt werden. „Wenn du um 8.21 Uhr am Treffpunkt eintriffst, wirst du das Treffen verpassen“, schrieb Roosh V. In Deutschland sollten sich die potentiellen Vergewaltiger zum Beispiel vor dem Hamburger Rathaus finden, berichtet medium.com. Außerdem in Aachen, Berlin, Frankfurt am Main, München, Nürnberg und Würzburg. In Österreich in Wien und Graz, in der Schweiz in Basel.

Roosh V kündigte auch auf seinem Youtube-Kanal die „Happy Hour“ an:

Wie sich die Gleichgesinnten erkennen sollten, legte er auch fest: Sie sollten die Frage stellen: „Do you know where I can find a pet shop?“ Der Kontaktmann würde antworten: „Yes, it’s right here”. Dann sollte er die Teilnehmer zu einem „privaten“ Ort führen. Ein Geheimbund also. Was dann genau passieren sollte – darüber schwieg sich Roosh V aus. Wahrscheinlich: ein motivierender Vortrag und ein Zug durch Kneipen und Clubs, um Frauen zu erniedrigen und abzuschleppen.

Doch die Frauenjagd ist abgesagt. Vor allem in den USA, Kanada und Australien verboten Bürgermeister die Treffen, Protest formierte sich. Erst kündigte Roosh V an, geheime Zusammenkünfte zu organisieren - für Mitglieder seines Forums oder Leute, die eine Quittung für eins seiner Bücher fotografieren können. In seinem Blog schrieb er: „Da diese Treffen niemals als Konfrontation mit unattraktiven Frauen und ihren Unterstützern gedacht waren, versuche ich, so viele Treffen wie möglich zu retten, damit sich Männer trotzdem privat treffen können – abseits eines lauten, widerlichen, unehrlichen und möglicherweise gewalttätigen Mobs.“

Inzwischen hat er allerdings alle Meetups gecancelt. Die Liste der Treffpunkte ist gelöscht. Er könne nicht für die Sicherheit und Privatsphäre der Männer garantieren, schreibt der selbst ernannte Motivationscoach auf seiner Homepage „Return of Kings“. Er könne aber niemanden davon abhalten, sich trotzdem in privaten Gruppen zu treffen.

Roosh V empfindet offenbar, was Frauen in seiner Gegenwart oft erfahren dürften: Angst. Und die Idee ist natürlich charmant: Als Feminist oder einfach halbwegs anständiger Mensch an einem Samstagabend zum Hamburger Rathaus gehen, nach der Tierhandlung fragen – und einem Möchtegern-Aufreiß-Künstler schnell die Hosen herunterreißen und dann weglaufen. Wie gesagt: nur eine Idee.

Der Mann: Roosh V – Frauenfeind, Vergewaltigungsbefürworter, Coach

I'm really all about the BMW cash money party drugs women Persian lifestyle. I'm not joking!!@!

Ein von Roosh V (@kingroosh) gepostetes Foto am

Der US-Amerikaner Roosh V heißt eigentlich Daryush Valizadeh. Der 36-Jährige nennt sich Motivationscoach und Autor, tritt für die Rückkehr zum Patriarchat ein und veröffentlicht Reiseführer, in denen er erklärt, wie man in diesem Land am besten den Willen einer Frau bricht oder ihr Nein ignoriert. Beispiele der Buchtitel: „Bang Poland“, „Bang Iceland“, „Don’t bang Denmark“.

Berüchtigt ist Roosh V für seine Forderung, Vergewaltigung im privaten Raum zu legalisieren: „Let’s make rape legal.“ Im öffentlichen Raum solle Vergewaltigung eine Straftat bleiben, findet er. Eine Legalisierung von häuslicher Gewalt habe zur Folge, dass die „Mädchen“ besser auf sich aufpassten – sich zum Beispiel nicht allein im selben Raum mit einem fremden Mann aufhielten oder nicht zu viel Alkohol tränken.

Dabei beruhen große Teile seiner Aufreißer-„Kunst“ auf Ideen, die erniedrigend und manipulierend sind und einer Vergewaltigung mindestens nahe kommen. Vor Gewalt schreckt Roosh V in seinen Tipps nicht zurück. Vieles läuft darauf hinaus, sicherzustellen, dass die Frau sehr betrunken oder sogar besinnungslos ist. Denn dann lässt sie sich eher zum Sex überreden oder aber leichter überwätligen.

Die Idee der legalen Vergewaltigung hat ihm natürlich viel Kritik - und Aufmerksamkeit - gebracht. Immer wieder betont Roosh V seitdem, dieser Blog-Post sei nur „Satire“ gewesen.

Dafür allerdings passt die Forderung zu gut zu seinem restlichen Gedankengut. Dazu gehört zum Beispiel auch die Tatsache, dass Frauen (im Gegensatz zu Männern) auf seiner Homepage ein Foto hochladen sollen, um überhaupt mit Roosh V in Kontakt treten zu können.

Und natürlich offener Sexismus.

„Künstler“ der Erniedrigung: Warum Pick-Up-Artists gefährlich sind

Viel Aufregung also um einen Mann mit reaktionären und gewalttätigen Ansichten. Um einen Mann, der Frauen zu Objekten herabstuft. Für den der Wert einer Frau von ihrer Schönheit und ihrer Fruchtbarkeit abhängt. Der Frauen unterdrücken und beherrschen will. Soll man Mitleid haben mit Roosh V, Julian Blanc oder den anderen? Oder sie einfach ignorieren? Nein. Denn dazu sind Pick-Up-Artists zu erfolgreich. Allein Roosh V hat mehr als 19.000 Follower bei Twitter und fast genauso viele Facebook-Fans. In den entsprechenden Foren tummeln sich Hunderttausende Männer, die glauben, eine Frau sei nur für ihre sexuelle Befriedigung auf dieser Welt. Ob sich solche Männer nach der Absage von Roosh V's Meetups trotzdem treffen und gegenseitig bestärken oder nicht, wissen nur sie selbst. Klar ist: Männer wie Roosh V coachen potentielle Vergewaltiger.

 

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