zur Navigation springen

Prozessauftakt : Rocker müssen sich wegen Mordes verantworten

vom

Am Landgericht Stuttgart wird seit heute eine Mordanklage verhandelt. Hintergrund sind Streitigkeiten unter "rockerähnlichen" Gruppen.

Stuttgart | Ein blutiger Machtkampf zwischen zwei rockerähnlichen Banden kostete einem 22-Jährigen in Baden-Württemberg kurz vor Weihnachten das Leben. Seit Montag müssen sich elf Angeklagte unter anderem wegen gemeinschaftlichen Mordes vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Bei dem Gewaltexzess in der Nacht zum 22. Dezember 2012 in Esslingen wurden zudem mehrere Menschen verletzt, einer von ihnen lebensgefährlich. (Az.: 3 KLs 115 Js 35416/13).

Hintergrund des blutigen Streits war die Konkurrenz zwischen der inzwischen verbotenen Gruppe Red Legion und den Black Jackets. Die Bande Red Legion wollte in der Region Stuttgart, den Landkreisen Esslingen und Ludwigsburg in das Vergnügungs- und Rotlichtgewerbe vordringen. Damit standen sie in direkter Rivalität zu den alteingesessenen Black Jackets.

Laut Staatsanwaltschaft hatten die 21- bis 27-jährigen Angeklagten der Bande Red Legion ihre Kontrahenten von den Black Jackets in einen Hinterhalt gelockt. Ziel war nach Einschätzung von Staatsanwalt Thomas Hochstein ein „Denkzettel“ im Streit ums Revier. Unter einem Vorwand seien die zehn Mitglieder der feindlichen Bande aus einer Esslinger Bar ins Freie geholt worden. Dort habe zuerst der frühere Präsident der Black-Jackets-Gruppe ein Messer in den Bauch bekommen.

Das sei quasi das Startsignal gewesen, machte Hochstein deutlich. Sofort seien mehr als 20 Red Legions „aus allen Richtungen“ mit Messern, Schlagstöcken und Fäusten auf die überraschten Opfer losgegangen. Während der frühere Black-Jackets-Präsident schwer verletzt überlebte, starb der 22-Jährige aus dem Umfeld der Bande am Tatort.

Sein Bruder erlitt lebensgefährliche Stichverletzungen. Weitere Angegriffene trugen Stiche, Platz- und Schürfwunden davon. Auch einige Angreifer hatten Schnittverletzungen. Nach kurzer Zeit war alles vorbei. Als die erste Streife drei Minuten nach dem Notruf am Tatort ankam, waren die meisten Beteiligten schon auf der Flucht.

Allerdings hatten mehrere Zeugen die Gewalttat in Esslingens Innenstadt beobachtet. Im Sommer hatte Innenminister Reinhold Gall (SPD) die Red Legions dann verboten.

Am Stuttgarter Landgericht wurden die Angeklagten am Morgen von rund 40 Gleichgesinnten mit Jubel und Siegesgesten empfangen. Zwischenfälle gab es laut Polizei nicht. Im Gericht unterstützten Familien die schmächtigen Männer verschiedener Nationalitäten. Bei Freundinnen und Müttern flossen häufig Tränen.

Der Prozess findet unter verschärften Sicherheitsbedingungen statt. Es sind mehr als 50 Verhandlungstage bis zum Frühjahr 2014 angesetzt. Zudem sind laut Hochstein weitere sieben Männer wegen der Tat angeklagt und sitzen in Untersuchungshaft. Der Prozess gegen sie könnte nach seiner Einschätzung Ende des Jahres beginnen.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Sep.2013 | 17:04 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen