Riesending-Schachthöhle : Rettungsaktion: Schwerverletzter sitzt in Höhle fest

Einsatzkräfte der Bergwachten beraten in der Nacht zu Pfingstmontag beim Eingang in die Riesending-Schachthöhle das weitere Vorgehen am Untersberg.
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Einsatzkräfte der Bergwacht beraten in der Nacht zu Pfingstmontag beim Eingang in die Riesending-Schachthöhle das weitere Vorgehen am Untersberg.

In 1000 Metern Tiefe passiert das Unglück: Steinschlag. Ein 52-jähriger Höhlenforscher wird getroffen - und wartet auf Hilfe. Die Rettung könnte Tage dauern.

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09. Juni 2014, 10:18 Uhr

Marktschellenberg | Gefangen in rund 1000 Meter Tiefe wartet ein schwerverletzter Höhlenforscher in den bayerischen Alpen bei Berchtesgaden auf seine Rettung. Am Montagvormittag gelang es Helfern erstmals, den in der Riesending-Schachthöhle eingeschlossenen Mann zu erreichen. Zwölf Helfer sind in die Riesending-Höhle eingestiegen, um den schwer verletzten Mann zu retten. Dabei kam ein vierköpfiges Team am Montagmorgen am Lager des 52-Jährigen auf etwa 950 Metern Tiefe an. Weitere Helfer richteten auf verschiedenen Ebenen Lager- und Biwakstationen ein. Inzwischen ist bis zu 400 Metern Tiefe auch eine telefonische Kommunikation möglich. Die Rettungsaktion könnte sich noch über mehrere Tage hinziehen, hieß es.

Der Mann hat schwere Verletzungen an Kopf und Oberkörper erlitten, weshalb die Bergung sehr kompliziert werden könnte. Der Zustand des Höhlenforschers sei aber wohl besser als zunächst gedacht. Der 52-jährige Stuttgarter sei dauerhaft ansprechbar und in der Lage, kurze Zeit zu stehen, sagte am Dienstagmorgen ein Sprecher der Bergwacht Chiemgau. Zuvor waren die Helfer davon ausgegangen, dass der Mann nur liegend transportiert werden könnte. In der Nacht kehrten die ersten Helferteams aus der Höhle zurück und lieferten weitere Informationen zum Zustand des Mannes.

Ein Expertenteam aus der Schweiz sei noch auf dem Weg zu ihm, sagte ein Polizeisprecher am frühen Dienstagmorgen. Sie sind auf die Rettung aus Schächten spezialisiert. Bei ihnen handele es sich um „vier absolute Profis“, sagte Stefan Schneider von der Bergwacht Bayern am Abend bei einer Pressekonferenz in Marktschellenberg.

Der Mann aus Stuttgart muss in Kälte und Dunkelheit in der Riesending-Schachthöhle ausharren. Der Höhlenforscher war am Sonntag mit zwei Begleitern in rund 1000 Metern Tiefe in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands unterwegs, als es plötzlich zu einem Steinschlag kam. Dabei wurde er schwer verletzt, er konnte die Höhle nicht mehr aus eigener Kraft verlassen. Einer der Begleiter war daraufhin zurückgeklettert, um Alarm zu schlagen, der andere war bei dem Verletzten geblieben.

An der Rettungsaktion sind rund 200 Helfer beteiligt. Für 18 Uhr ist eine Pressekonferenz von Polizei und Helfern geplant. Laut Bergwacht ist der Rettungseinsatz äußerst schwierig und kann nur von Experten auf dem Gebiet der Höhlenrettung bewältigt werden. Bei dem schwer verletzten Mann handelt es sich nach Angaben eines Kollegen um einen Höhlenforscher aus dem Raum Stuttgart. „Wir wissen noch nicht, wie sein Zustand genau ist“, sagte der Einsatzleiter der Höhlenrettung Baden-Württemberg, Matthias Leyk. Der 52-Jährige ist demnach ein Mitentdecker der Riesending-Schachthöhle. Leyk kennt den Verletzten, sehr erfahrenen Höhlenforscher persönlich.

Zum Verletzten unterwegs sei eine Gruppe, darunter ein Arzt sowie ein Experte, der ein drahtgebundenes Telefon verlegen soll, sagte er. „Dazu muss das Kabel an der Wand befestigt werden, weil die Höhle so kompliziert aufgebaut ist.“ Sie besteht aus Monsterschächten, großen Hallen, engen Röhren und Seen, die überwunden werden müssen.

Die Riesending-Schachthöhle ist die tiefste und längste Höhle Deutschlands. Das gigantische Gangsystem umfasst eine Länge von 19,2 Kilometern und ist 1148 Meter tief. Der Eingangsschacht war im Rahmen einer Plateau-Vermessung bereits im Jahr 1995 entdeckt worden, blieb jedoch im Schatten anderer Projekte bis 2002 nahezu unbeachtet.

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