Rotary Club Sylt-Westerland : Reise in ein fremdes Land: Sylterin lebt zehn Monate in Taiwan

Offizieller Rotary-Empfang der internationalen Austauschschüler in Asien. Denise darf Deutschland repräsentieren und beim Einmarsch die Flagge tragen. Gekleidet ist sie mit dem offiziellen Rotary-Blazer.döll
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Offizieller Rotary-Empfang der internationalen Austauschschüler in Asien. Denise darf Deutschland repräsentieren und beim Einmarsch die Flagge tragen. Gekleidet ist sie mit dem offiziellen Rotary-Blazer.

Die 17-Jährige flog mit dem Rotary-Jugenddienst ins Ausland. Trotz Verständigungsschwierigkeiten hatte Denise nie Heimweh.

shz.de von
13. Januar 2018, 15:55 Uhr

Am Ende des Gespräches ist Denise traurig. Sie hat viel über ihre Zeit in Taiwan erzählt und ist in Gedanken noch immer gerne dort. Die Erfahrungen, die sie während ihrer zehn Monate als Gastschülerin in Taipeh gewinnen durfte, haben sie nachhaltig verändert.

„Losgefahren bin ich als angepasstes Mädchen, jetzt habe ich zu allem meine Meinung und teile sie auch gerne mit“, erzählt die 17-jährige Westerländerin. Während ihrer Zeit in Asien war Denise für sich selbst verantwortlich. Die Obhut von gleich zwei Rotary Clubs in Taiwan hat zwar für Unterkunft, Betreuung und Sicherheit gesorgt, doch es gab zahlreiche Entscheidungen, die sie allein treffen musste. Das macht erwachsen und reif.

Denise bewarb sich gezielt beim Rotary Club Sylt-Westerland (RCS) um einen Platz als „Outbound“. „Outbounds“ – aus dem Englischen frei als „Abflieger“ übersetzt – werden die Jugendlichen genannt, die durch die Rotary Clubs in die Welt geschickt werden. „Die eigentliche Idee hinter dem Auslandsprogramm von Rotary sind Völkerverständigung und Kulturvermittlung“, erklärt Sven Lappoehn, der beim Rotary Club Sylt-Westerland für den Austausch zuständig ist. „Die jungen Menschen repräsentieren Deutschland und unsere Rotary Clubs mit ihren Werten in der Welt.“

Der rotarische Austausch von Jugendlichen geht in beide Richtungen. Die Clubs verschicken nicht nur Jugendliche, sondern bekommen selbst „Inbounds“ – „Einflieger“ – von anderen weltweiten Rotary Clubs. Das Austausch- Prinzip sieht vor, dass die Austauschschüler in dieser Zeit in ein bis vier Familien wohnen, um die verschiedenen Lebensweisen auch innerhalb eines Landes kennen zu lernen.

Denise hatte in Taiwan drei Gastfamilien, die sie als sehr unterschiedlich erlebt hat. Zwei Familien waren herzlich und offen, eine andere hat sie nach ihrem Empfinden nur aufgenommen, weil es in Taiwan als Ehre gilt, einen Gast zu beherbergen. Verständigungsschwierigkeiten hat die Jugendliche ihrem Naturell entsprechend als Herausforderung und nicht als Problem erlebt. Sie ist nach Taiwan gereist, ohne die Sprache wirklich zu sprechen. Sven Lappoehn kann diese Haltung nur loben: „Natürlich ist es für die jungen Menschen zunächst schwer, in ein Land zu kommen und die Sprache weder perfekt verstehen noch sprechen zu können. Die Jugendlichen sollen die Kultur des Landes und möglichst viele unterschiedliche Menschen kennen lernen. Und dazu gehört auch, sich vor Ort die notwendige Sprachkompetenz selbst anzueignen.“

Die Sylterin hat und musste Mandarin lernen und sich auf zunächst fremde Menschen einstellen. „Als ich in Taipeh aus dem Flugzeug stieg, herrschten fast 50 Grad und mich hatten plötzlich Leute im Arm, die ich noch nie im Leben gesehen hatte und die ich auch nicht verstand.“

Mit Händen, Füssen und auf Englisch findet die erste Verständigung statt. Doch schon in der Schule wird die junge Deutsche mit der Landessprache und den chinesischen Schriftzeichen konfrontiert. „Die Kinder in China gehen von morgens um sieben bis zum späten Nachmittag in die Schule. Danach setzen sie ihr Lernen in der sogenannten Nachhilfeschule bis 23 Uhr fort. Insofern haben meine Gasteltern von mir erwartet, dass ich schnell die Sprache lerne und dem Land entsprechenden Druck ausgeübt.“ Die Schriftzeichen zu lesen ist ihr trotzdem in einigen Fällen schwer gefallen. „Auf der Straße, in der Schule – überall fragten wir nach, ob uns die Einheimischen die Schriftzeichen und ihre Bedeutung erklären könnten.“

Heimweh hatte Denise nicht, denn sie fühlte sich wohl fernab der Heimat, fand schnell Kontakte zu anderen internationalen Austauschschülern und in den zwei Rotary Clubs, die für sie während ihres Aufenthaltes zuständig waren. Das kennt Sven Lappoehn auch anders: „Für viele Outbounds ist gerade Weihnachten die kritische Zeit. Die Jugendlichen haben fast die Hälfte ihres Aufenthaltes hinter sich, die Euphorie des Neuen weicht langsam dem Alltag und plötzlich erscheint vieles, was sie zuhause als nervig und blöd angesehen haben, doch als gar nicht so schlecht. An diesem Punkt gibt es die meisten Abbrecher.“

Denise hat nicht nur durchgehalten, für sie ist nach ihrem Austauschjahr klar, dass sie die Welt weiter kennen lernen möchte: „ In Taipeh habe ich Diletta aus Italien getroffen, die meine beste Freundin geworden ist. Wenn wir mit der Schule fertig sind, werden wir hoffentlich zusammen studieren, irgendwo auf der Welt, wo ist egal.“





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