Extremwetter : Regen, Stürme, Hochwasser: So war das Wetter in SH und der Welt 2017

Das Wasser steht nach heftigem Regen in den Straßen, die Feuerwehr ist im Einsatz.
Das Wasser stand im Mai in Tellingstedt nach heftigem Regen in den Straßen, die Feuerwehr war im Einsatz.

Kaum ein Klimaforscher zweifelt: Die Elemente wenden sich zunehmend gegen uns. 2017 war das Wetter besonders extrem.

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29. Dezember 2017, 14:52 Uhr

Kiel/Berlin | Es ist vor allem das Wasser: Von der heftigen Ostseeflut zum Jahresbeginn bis zum verregneten Herbst bestimmen Wassermassen das Geschehen in Schleswig-Holstein.

Es ist die heftigste Ostseeflut seit zehn Jahren: Tief „Axel“ drückt das Wasser in die Buchten und Förden Schleswig-Holsteins. Unter anderem in Flensburg, Kiel und Lübeck stehen am Abend des 4. Januar etliche Straßen unter Wasser.

 

Feucht wird es auch im Sommer: Von Juni bis August fiel in Norddeutschland im Schnitt 50 Prozent mehr Regen als in normalen Jahren. Auch die Temperaturen können nicht über die grauen Wolken hinwegtrösten: Schleswig-Holstein ist mit 16,5 Grad das Land mit der niedrigsten Sommer-Durchschnittstemperatur. In Leck (Kreis Nordfriesland) wird nicht ein Tag mit mehr als 25 Grad verzeichnet.

Zu warm, zu nass, zu wenig Sonne – das Wetter 2017 in SH

Schleswig-Holstein übertraf mit rund 1430 Sonnenstunden nur knapp das Schlusslicht Niedersachsen mit 1410 Stunden. In den Vorjahren schien die Sonne im Land zwischen den Meeren im Schnitt 1507 Stunden. In Hamburg waren es diesmal gut 1500 Sonnenstunden – das lag um 67 Stunden unter dem vieljährigen Mittel.

Als Durchschnittstemperatur notierte der DWD im zu Ende gehenden Jahr für Hamburg 10 Grad Celsius, im vieljährigen Mittel (1961 bis 1990) waren es nur 8,8 Grad. Für Schleswig-Holstein waren es 9,6 Grad (8,3 Grad).

Regen gab es im Norden überreichlich: In beiden Bundesländern fielen rund 970 Liter Niederschlag je Quadratmeter. In Schleswig-Holstein waren es in den Jahren zuvor durchschnittlich 788 Liter, in der Hansestadt 750 Liter.

 

Wenig verwunderlich, dass der Sommer fest nahtlos in den Herbst überging: Schon am 13. September fegt mit „Sebastian“ der erste Herbststurm über Schleswig-Holstein hinweg, ihm folgen im Oktober mit „Xavier“ und „Herwart“ zwei weitere Orkantiefs.

 

Das größte Problem bleibt aber das ganze Jahr hindurch die Nässe: Die Bauern haben im Spätsommer und Herbst Probleme, die aufgeweichten Felder abzuernten, und noch Mitte November ist erst die Hälfte der Aussaat ausgebracht – viele Felder sind schlicht nicht befahrbar.

Dass der Klimawandel das Wetter immer unberechenbarer macht, bestreiten nur noch wenige Unbeirrbare. Kaum ein Klimaforscher zweifelt daran: Die Elemente wenden sich zunehmend gegen uns. Nicht nur in Schleswig-Holstein hatten die Menschen mit den Folgen des Wetters zu kämpfen.

Das sind die weltweiten Wetterkatastrophen 2017:

Deutschland

Regen, Regen und kein Ende - im Juni zunächst vor allem in Berlin und Brandenburg. Unaufhörlicher Niederschlag setzt die Hauptstadt unter Wasser, Passanten stehen knöcheltief in der Brühe oder gehen unfreiwillig baden, Keller und U-Bahnhöfe laufen voll. Auch in Bremen und Niedersachsen ist die Feuerwehr im Dauereinsatz. Vier Wochen später schon wieder der Ausnahmezustand, diesmal erwischt es auch den Süden. Wegen umgestürzter Bäume werden Bahnstrecken gesperrt - vor allem rund um den Bodensee. Es gibt mehrere Tote.

Peru

Seit mindestens 18 Jahren hat es im drittgrößten Land Südamerikas nicht mehr so gegossen wie im März 2017. Erdrutsche und Überschwemmungen, zigtausende unbewohnbare Häuser, Dutzende Tote. Ungewöhnlich auch: Wegen riesiger Wellen müssen mehr als 20 Häfen vorübergehend dichtmachen. Grund für das Klima-Chaos ist wohl das viel zu warme Wasser im Pazifik. Die stärkere Verdunstung bildet besonders regenreiche Wolken.

Kolumbien

Noch schlimmer trifft es Perus nördlichen Nachbarn Anfang April. Ein Unwetter sucht die 40.000-Einwohner-Stadt Mocoa im Süden Kolumbiens heim, drei kleine Flüsse werden zu reißenden Strömen. Die Wassermassen reißen Brücken ein und Hunderte Menschen in den Tod, ganze Wohnviertel ersticken im Schlamm.

Mittelmeer-Raum

Ganz anders in Südeuropa. Ein Frühjahr mit extremer Trockenheit, ein Sommer mit Rekordhitze und ein regenarmer Herbst. 2017 müssen die Spanier eine der schwersten Dürreperioden seit Jahrzehnten überstehen. In Portugal toben den Sommer über von Hitze und Trockenheit angefachte Waldbrände. Auch viele Italiener leiden unter Temperaturen von über 40 Grad, die Hoch „Luzifer“ aus Afrika mitbringt. In Rom überlegt man gar, das Wasser zu rationieren. Am Horn von Afrika wird die Dürre einmal mehr zur Hungerkatastrophe.

Sierra Leone

Nach heftigen Regenfällen brechen nahe der Hauptstadt Freetown Mitte August Teile eines aufgeweichten Hügels ab. Hunderte Tote, Tausende Obdachlose, heißt es in ersten Schätzungen. Aus Sicht von Umweltschützern ist die Abholzung der Wälder in und um Freetown für die Katastrophe mitverantwortlich.

USA

Wenige Tage später verwandelt Sturm „Harvey“ die texanische Millionenmetropole Houston, viertgrößte Stadt der USA, in eine Seenlandschaft. Wo sich in der Rushhour sonst Auto an Auto reiht, pflügen Ende August kleine Boote durch die Häuserschluchten. Menschen waten durch brusthohes Wasser, manche mit Hunden oder Katzen auf den Schultern. Nie zuvor hat der zweitgrößte US-Bundesstaat eine solche Sintflut erlebt, Gouverneur Greg Abbott nennt sie „historisch“. Was bleibt? Dutzende Todesopfer, Tausende zerstörte Häuser, Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe - und die Angst vor Seuchen.

Karibik

Während in den texanischen Flutgebieten der Wiederaufbau begonnen hat, braut sich über dem Atlantik die nächste Katastrophe zusammen: Hurrikan „Irma“, einer der stärksten jemals in der Region registrierten Stürme, zieht seine zerstörerische Bahn zunächst durch die Karibik. Barbuda, Anguilla, St. Martin und Kuba trifft es besonders hart - auch die USA bleiben nicht verschont. Jacksonville, größte Stadt Floridas, steht unter Wasser, Millionen Haushalte im ganzen Land sind ohne Strom, die Inseln vor der Küste Floridas von der Außenwelt abgeschnitten. Wieder gibt es Dutzende Tote.

Puerto Rico
Die Straßen in Sainte-Anne auf der karibischen Insel Guadeloupe (Frankreich) sind verlassen. Jetzt nimmt der Sturm Kurs auf Puerto Rico.
dpa

Die Straßen in Sainte-Anne auf der karibischen Insel Guadeloupe (Frankreich) sind verlassen. Jetzt nimmt der Sturm Kurs auf Puerto Rico.

Der nächste Monster-Sturm mit dem harmlosen Namen „Maria“ sucht im September Guadeloupe und Dominica, vor allem aber Puerto Rico heim - größtes Außengebiet der USA und schon vor dem Hurrikan von einer schweren Wirtschaftskrise gebeutelt. Straßen werden zu Flüssen, Autos wie Spielzeug durch die Luft geschleudert. Es fehlt an Treibstoff und Lebensmitteln, Strom und sauberem Wasser. Der Gouverneur spricht von einer „humanitären Katastrophe“.

Deutschland

Stillstand bei Zügen, Bussen und Bahnen, Chaos an den Flughäfen, mindestens sieben Tote. Den neuerlichen Ausnahmezustand im Oktober verursacht Sturm „Xavier“, laut Meteorologen einer der heftigsten seit Jahrzehnten. Er zieht vor allem über den Norden und Osten hinweg und legt den Verkehr weitgehend lahm. Tausende Bahnreisende müssen in Hotelzügen übernachten, Pendler haben Mühe, von der Arbeit nach Hause zu kommen. Ungewöhnlich sei aber allein „Xaviers“ Tempo gewesen, analysieren die Meteorologen später. Denn heftige Stürme im Herbst seien auch bei uns nicht selten.

 
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