Urteil von EU-Gericht : Rechtsstreit um Markenrechte: „Fack Ju Göhte“ verstößt gegen gute Sitten

Elyas M'Barek ist Zeki Müller.
Elyas M'Barek spielt im Film den Aushilfslehrer Zeki Müller.

Ist der Filmtitel eine Beleidigung? Ja, sagt das Europäische Markenamt und bekommt die Bestätigung von einem EU-Gericht.

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24. Januar 2018, 10:45 Uhr

Luxemburg | Der deutsche Filmtitel „Fack Ju Göhte“ verstößt nach einem Urteil des EU-Gerichts gegen die guten Sitten und darf daher nicht als Marke geschützt werden. Der mit dem Titel ähnliche englische Ausdruck „fuck you“ und damit der gesamte angemeldete Titel sei vulgär, urteilten die Luxemburger Richter am Mittwoch (Rechtssache T-69/17). Dass die Filme der „Fack Ju Göhte“-Reihe von Millionen Menschen gesehen worden seien, bedeute nicht, dass Verbraucher nicht von dem Titel schockiert seien.

Die Constantin Film Produktion GmbH hatte 2005 beim europäischen Markenamt versucht, den Titel als Marke etwa für Spiele, Schreibwaren und Getränke in Europa zu schützen. Die Behörde – heute das Europäische Amt für Geistiges Eigentum EUIPO – lehnte dies jedoch ab. Die Begründung: „Fack Ju Göhte“ verstoße gegen die öffentliche Ordnung und die guten Sitten.

Das Markenamt befand, dass Verbraucher in Deutschland und Österreich die Aussprache von „Fack Ju“ wie den englischen Kraftausdruck „fuck you“ wahrnähmen. Dieser stelle eine anstößige und vulgäre Beleidigung dar. Die Ergänzung „Göhte“, mit der ein hoch angesehener Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe verunglimpft werde, könne vom verletzenden Charakter der Beschimpfung „Fack Ju/fuck you“ nicht ablenken, entschied das Amt weiter.

Das EU-Gericht bestätigte die Entscheidung nun vollständig. Würden Produkte des alltäglichen Gebrauchs mit dem Titel versehen, wären Verbraucher etwa beim normalen Einkauf mit ihm konfrontiert, befanden die Richter. Es sei nicht erwiesen, dass sie dann in der Marke den Titel eines erfolgreichen Film erkennen und das Ganze als Scherz auffassen würden. Diese Begründung hatte Constantin Film vorgebracht.

Mit mehr als 21 Millionen Kinozuschauern ist die „Fack Ju Göhte“-Reihe ein Besuchermagnet. Der erste Teil der Schulkomödie mit Elyas M'Barek und Jella Haase aus dem Jahr 2013 hatte knapp 7,4 Millionen Kinobesucher. Der Film spülte nach Angaben von Media Control rund 55 Millionen Euro in die Kassen. „Fack Ju Göhte 2“ (2015) sahen knapp 7,7 Millionen Menschen auf der großen Leinwand. Der Film legte das bis dahin finanziell erfolgreichste Startwochenende einer deutschen Produktion hin, insgesamt errechnete Media Control bis heute einen Umsatz von mehr als 62 Millionen Euro.

Der dritte Teil kam Ende Oktober 2017 in die Kinos und war nach Daten von Media Control mit knapp sechs Millionen Besuchern der weitaus erfolgreichste Film des vergangenen Jahres. Eine weitere Fortsetzung der Trilogie hat Regisseur Bora Dagtekin ausgeschlossen. Dafür gibt es nun auch ein Musical: Erst vor wenigen Tagen wurde in München die Premiere von „Fack Ju Göhte - Se Mjusicäl“ gefeiert.

Constantin kann nun innerhalb von zwei Monaten noch vor den letztinstanzlichen Europäischen Gerichtshof (EuGH) ziehen.

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