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Paketdienste : Rechte und Pflichten im Online-Handel: Was darf der Paketbote?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zur Weihnachtszeit ist das Paketvolumen traditionell am höchsten. Ein Experte erklärt, wie man Frust vermeiden kann.

Köln | Das Weihnachtsgeschäft im Online-Handel wird in diesem Jahr ein Volumen von 11,2 Milliarden Euro erreichen – und damit gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent steigen. Entsprechend steigt auch die Zahl der Pakete, die vor Weihnachten zugestellt werden müssen. „Die Zeit vor Weihnachten ist traditionell die Zeit mit den höchsten Paketvolumen des Jahres“, sagt DHL–Sprecherin Dunja Kuhlmann. „Im vergangenen Jahr haben wir in der Woche vor dem Heiligen Abend über 7,5 Millionen Sendungen pro Tag bearbeitet.“ Um sich auf die diesjährige „Starkzeit“ vorzubereiten, stellte das Unternehmen rund 10.000 zusätzliche Aushilfskräfte ein. Carsten Föhlisch, Rechtsexperte bei Trusted Shops, beantwortet die fünf häufigsten Fragen zur Paketzustellung.

Die fünf größten Paketdienste in Deutschland sind DHL, Hermes, DPD, GLS und UPS. In der Weihnachtszeit sind diese besonders ausgelastet. So kann es immer wieder zu Problemen in der Zustellung kommen. 

Darf das Paket beim Nachbarn abgegeben werden?

Viele Paketdienstleister behalten sich das Recht der Nachbarschaftszustellung innerhalb ihrer AGB vor. Was die wenigsten wissen: Diese Klauseln sind häufig unwirksam. Das OLG Köln hat in Bezug auf eine Klausel von DHL entschieden, dass eine Nachbarschaftsabgabe nur möglich ist, wenn der Absender hierüber unverzüglich informiert wird. Denn der Händler hat bei einer Nachbarschaftsabgabe seine Lieferpflicht gegenüber dem Käufer noch nicht erfüllt. Soll eine Sendung nicht beim Nachbarn abgegeben werden, kann man das schon im Online-Shop mitteilen – zum Beispiel im Kommentarfeld auf der Bestellseite. Der Händler hat dann die Möglichkeit, den Zusatz „Keine Nachbarschaftsabgabe“ auf dem Paket zu vermerken. Damit ist sichergestellt, dass nur der tatsächliche Empfänger die Sendung erhält. Ist dieser nicht anzutreffen, wird das Paket in eine Filiale gebracht, in der man es sich abholen kann.

Ist es rechtlich in Ordnung , ein Paket vor der Haustür abzulegen?

Es gibt sogenannte Garagenverträge. Bei diesen vereinbart der Zusteller mit dem Empfänger einen Ort, an dem er das Paket ablegen darf – etwa eine Garage. Nur dann ist dies erlaubt. Wird das Paket dennoch vor die Haustür gelegt und verschwindet, ist der Händler der erste Ansprechpartner. Hier gilt: Geht das Paket verloren, muss der Händler den Kaufpreis erstatten. Dies gilt ebenfalls, wenn eine dritte Person ein Paket entwendet hat, das der Zusteller vor der Tür abgelegt hat.

Wann gilt das Paket als übergeben?

Ein Paket ist erst dann wirksam übergeben, wenn der Verbraucher es in seinen Händen hält. Die Benachrichtigungskarte im Briefkasten – oder auch die Abgabe beim Nachbarn – bewirken noch nicht, dass der Kunde den Besitz an der Sache erlangt hat. Eine Ausnahme gilt nur, wenn der Kunde den Nachbarn ausdrücklich benannt hat. Das ist besonders wichtig, wenn man an die Widerrufsfrist denkt. Denn die Voraussetzung dafür, dass die Frist überhaupt beginnt, ist der Erhalt der Ware. Die Frist läuft also erst, wenn zum Beispiel das Paket in der nächsten Filiale abgeholt wurde und nicht schon dann, wenn der Zusteller die Benachrichtigungskarte in den Briefkasten geworfen hat.

Darf der Benachrichtigungsschein an die Haustür geklebt werden?

Wenn sichergestellt ist, dass der Kunde diese Nachricht erhält, spricht nichts dagegen. Entscheidend ist: Es ist Sache des Händlers dafür zu sorgen, dass das Paket tatsächlich ankommt. Fehler des Zustellers werden ihm zugerechnet. Neben dem Zusteller sollte daher auch immer der Händler den Kunden über eine gescheiterte Zustellung (z.B. per E-Mail) informieren. Denn der Händler ist vom Zusteller unverzüglich darüber in Kenntnis zu setzen.

Muss der Postbote auch in die fünfte Etage liefern?

Sofern für die Lieferung nichts anderes vereinbart wurde, ja. Wohnt man zum Beispiel in der fünften Etage und der Fahrstuhl ist defekt, gilt dasselbe. Es ist nicht zulässig, eine Abholkarte zu hinterlassen, ohne vorher beim Empfänger geklingelt zu haben.

Kommt es trotz diesen Tipps zu Ärger bei der Zustellung ihrer Pakete, hilft das Beschwerdeportal der Verbraucherzentrale „www.paket-aerger.de“ weiter. Hier kann man seinen Frust los werden und Probleme melden. Die Verbraucherzentrale sammelt über ein Beschwerdeformular gezielt Beschwerden über Paketdienste und fordert daraufhin die Unternehmen zur Stellungnahme auf. Eklatante Verstöße gegen geltendes Recht werde die Verbraucherzentrale abmahnen und falls nötig auf dem Klageweg verfolgen. Außerdem informiert der Online-Dienst ausgiebig über die Rechte und Pflichten der Kunden und beantwortet die Fragen rund um das Thema.

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erstellt am 14.Dez.2015 | 09:30 Uhr

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