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Mittwochabend im ZDF : RAF bei „Aktenzeichen XY“: So jagt die Polizei die Terroristen im TV

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Wo stecken Staub, Garweg und Klette? Seit nach zwei Überfällen DNA-Spuren gefunden wurden, redet ganz Deutschland wieder über die Rote-Armee-Fraktion.

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erstellt am 20.Jan.2016 | 15:36 Uhr

München | Es dürfte einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre sein: Nach Überfällen auf Geldtransporter in Niedersachsen führt die Spur zu seit Jahren untergetauchten Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF). Genetische Fingerabdrücke von Daniela Klette (57), Ernst-Volker Wilhelm Staub (61) und Burkhard Garweg (47) wurden gefunden. Am Mittwochabend ist der Fall Teil der Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“.

In den 70er und 80ern war die Rote Armee Fraktion (RAF) in Deutschland der Inbegriff von Terror und Mord. Doch das dunkle Kapitel der deutschen Geschichte ist noch nicht vorbei. 1998 erklärte sich die RAF zwar selbst für aufgelöst. Doch einigen Mitgliedern gelang es, unerkannt abzutauchen.

Die Polizei hofft auf entscheidende Hinweise der Bevölkerung. Seit Jahrzehnten schon greifen Ermittler immer wieder auf die ZDF-Sendung zurück, um an neue Hinweise zu kommen. Auch in Zeiten, in denen Fahndungsaufrufe über Facebook und Co. veröffentlicht werden, hat sich daran nichts geändert.

Was wird in der Sendung gezeigt?

Die Macher der ZDF-Sendung wussten schon seit Längerem, dass der Fall am Mittwoch zum Thema ihrer Sendung wird. „Erst nach Auswertung der DNA-Spuren wurde die Größenordnung langsam klar, und dass es sich bei den Tätern um zwei Männer und eine Frau handelt“, erklärt Moderator Rudi Cerne. „Die RAF-Informationen haben wir nicht früher rausgegeben, weil die Staatsanwaltschaft diesen Punkt aus ermittlungstaktischen Gründen erst in der Sendung veröffentlichen wollte.“ Eigentlich sollten auch Phantombilder erst im Fernsehen gezeigt werden. Die Staatsanwaltschaft Verden veröffentlichte sie allerdings doch schon am Dienstag.

Seitdem ist klar: Ernst-Volker-Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg sind wieder aufgetaucht. Sie sollen am 6. Juni auf dem Parkplatz eines Verbrauchermarkts in Groß Mackenstedt, einem Ortsteil der Gemeinde Stuhr bei Bremen, auf einen Geldtransporter geschossen haben.

Der gescheiterte Überfall auf einen Geldtransporter in Bremen im Juni 2015 wird von Darstellern in einem Film nachgestellt.

<p>So stellt sich die Sendung die Konfrontation vor: Mit Kalaschnikow im Anschlag bedroht einer der als Terrorist verkleideten Schauspieler den Fahrer des Geldtransporters.</p>

So stellt sich die Sendung die Konfrontation vor: Mit Kalaschnikow im Anschlag bedroht einer der als Terrorist verkleideten Schauspieler den Fahrer des Geldtransporters.

Foto: dpa

Verletzt wurde niemand, die Kugeln blieben in einem Reifen und im Blech stecken. Sie flüchteten ohne Beute, es gelang ihnen nicht, die Türen des Geldtransporters zu öffnen.

Der Fahrer eines Geldtransporters wird mit einer Kalschnikow bedroht.
Der Fahrer eines Geldtransporters wird mit einer Kalschnikow bedroht. Foto: dpa

Sie sollen schwer bewaffnet gewesen sein, unter anderem mit Kalaschnikow-Schnellfeuergewehren.

Beim Nachstellen der Szenen gingen die Ermittler noch von drei männlichen Tätern aus.
Beim Nachstellen der Szenen gingen die Ermittler noch von drei männlichen Tätern aus. Foto: dpa

Das Fluchtfahrzeug, ein Ford Focus, wurde sieben Tage später in einem nahegelegenen Waldstück im Landkreis Oldenburg gefunden.

Eine weitere Szene zeigt die Täter bei ihren Vorbereitungen.

Eine weitere Szene zeigt die Täter bei ihren Vorbereitungen.

Foto: dpa

Am Mittwoch Abend wird auch Kriminalhauptkommissar Jürgen Hage von der Kriminalpolizei Diepholz in der Sendung zu Gast sein, um auch über die aktuelle Entwicklung berichten. Die Polizei vermutet, dass das RAF-Trio auch an einem gescheiterten Geldtransporter-Überfall im Dezember 2015 in Wolfsburg beteiligt war.

Was ist über die RAF-Terroristen noch bekannt?

Die undatierten Handouts des Bundeskriminalamtes (BKA) zeigen Fahndungsfotos (oben) und Alterssimulationen (unten) von Burkhard Garweg (l.-r.), Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette.
Die undatierten Handouts des Bundeskriminalamtes (BKA) zeigen Fahndungsfotos (oben) und Alterssimulationen (unten) von Burkhard Garweg (l.-r.), Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette. Foto: BKA

Staub, Klette und Garweg sind die letzten bekannten, noch immer untergetauchten Mitglieder der 3. Generation der RAF. Für ihre Ergreifung wurden 20.000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Ihren letzten Terroranschlag sollen sie 1993 verübt haben. Sie sollen es gewesen sein, die mit 200 Kilogramm Sprengstoff den Neubau eines Gefängnisses im hessischen Weiterstadt komplett zerstörten. Die Fahndung blieb erfolglos. Seit 2000 gibt es einen Haftbefehl gegen die drei. Aber niemand weiß, wo sie stecken.

Das mag damit zu tun haben, dass die RAF im Laufe ihrer Geschichte Methoden entwickelte, das Leben im Untergrund penibel zu organisieren. Staub, Garweg und Klette stießen zu den Terroristen, als die schon viele Jahre Erfahrung in konspirativer Lebensführung gesammelt hatten. Es habe „für beinahe alles“ Listen gegeben, so auch für die Einrichtung konspirativer Fluchtwohnungen, offenbarte der frühere RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock in einem Film des Zeitzeugen-Projekts „Gedächtnis der Nation“.

Darum ist die Polizei der größte Fan von „Aktenzeichen XY“

„Die ZDF-Fernsehsendung unterstützt die Arbeit der Polizei ebenso wie andere Formate im deutschen Fernsehen“, sagt Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. „Warum sollen wir also nicht ein Millionenpublikum nutzen, um vor allem schwere Straftaten letztlich aufklären zu können.“ Ähnlich sieht man das auch im Polizeipräsidium München. „XY hat jetzt keine Sonderstellung, aber das Zuschauerinteresse ist da besonders hoch, darum nutzen wir das gerne“, sagt ein Sprecher.

Mehr als fünf Millionen Menschen schauen die Sendung im Schnitt, der durchschnittliche Marktanteil lag 2015 bei 18,3 Prozent. Die Mordserie der rechtsextremen Terrorzelle NSU war schon Thema bei Rudi Cerne. Und auch einer der spektakulärsten Vermisstenfälle überhaupt: Bei dem viel beachteten Auftritt der Eltern der in Portugal verschwundenen Madeleine McCann konnte zwar auch die ZDF-Sendung nicht helfen. Aber es gab auch andere Fälle.

Immer wieder führt die Sendung auch zu dem, was „sachdienliche Hinweise“ genannt wird: So rief nach Sendungsangaben beispielsweise im Jahr 2011 ein Mann im Studio an, der angab, an der Beseitigung der Leiche der seit fast 30 Jahren verschwundenen Lolita Brieger beteiligt gewesen zu sein. Ihre sterblichen Überreste wurden daraufhin tatsächlich gefunden, ihr Ex-Freund wurde verhaftet. 2006 stellte ein Mörder sich an der tschechischen Grenze, nachdem sein Fall in der Sendung behandelt wurde - wegen des großen Fahndungsdrucks.

(mit dpa)

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