Haftbefehl gegen 27-Jährigen : Radlerin von flüchtenden Kriminellen angefahren und getötet

Schutt und demolierte Autos zeugen vom tragischen Tod einer Radfahrerin in Berlin.
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Schutt und demolierte Autos zeugen vom tragischen Tod einer Radfahrerin in Berlin.

Zertrümmerte Autos, Rettungswagen und ein Polizeiauto säumen eine Straße im Westen Berlins - es ist das tragische Ende einer Verfolgungsjagd. Eine völlig unbeteiligte junge Frau stirbt.

shz.de von
07. Juni 2018, 20:46 Uhr

Nach dem Tod einer jungen Frau, die in Berlin von einem Fluchtauto erfasst und getötet wurde, ist Haftbefehl gegen einen 27-Jährigen erlassen worden. Dem Verdächtigen, der selbst verletzt wurde, sei der Haftbefehl im Krankenhaus verkündet worden, teilte die Polizei am Abend mit.

Dort werde er von Beamten bewacht. Gegen zwei andere mutmaßlich Beteiligte im Alter von 18 und 14 Jahren gebe es keine Beschlüsse.

Bei einer wilden Flucht mutmaßlicher Diebe vor der Polizei ist in Berlin eine junge Frau getötet worden. Die 22-jährige Fußgängerin schob ihr Fahrrad auf dem Bürgersteig und wurde von einem Auto erfasst und tödlich verletzt.

Helfer versuchten noch, sie wiederzubeleben, konnten sie aber nicht retten. Zwei Autofahrerinnen sowie der Fahrer des Fluchtautos und seine beiden Komplizen wurden bei der Verfolgungsjagd in Charlottenburg zum Teil schwer verletzt, wie die Polizei berichtete.

Schon am Morgen nach dem schrecklichen Unfall hatten trauernde Menschen Blumen für die Tote abgelegt. Die Initiative Volksentscheid Fahrrad rief für den Nachmittag zu einer Mahnwache auf.

Die Polizei untersucht jetzt den genauen Ablauf der Verfolgungsjagd und der Unfälle. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Polizisten sich bei der Verfolgung der Verdächtigen richtig verhielten. Bei Polizeieinsätzen und Polizeiautos, die mit oder ohne Sirene unterwegs sind, kommt es immer wieder zu Unfällen.

Die drei Männer im Alter von 27, 18 und 14 Jahren sollen gegen 21.30 Uhr einen Kleintransporter im benachbarten Bezirk Wilmersdorf aufgebrochen haben. Zivilpolizisten beobachteten laut Polizei, wie die Männer gestohlene Werkzeuge in einen Wagen luden. Sie folgten einige Kilometer den mit dem Auto wegfahrenden mutmaßlichen Dieben.

In Charlottenburg blockierten die Polizisten zusammen mit alarmierten Kollegen und deren Autos schließlich den Fluchtwagen. Ein Fahnder stieg aus und ging auf die Männer zu. Dann geriet die Lage außer Kontrolle: Der 27-jährige Fahrer des Fluchtwagens gab plötzlich Gas, fuhr vor und zurück, klemmte dabei den Polizisten mit der Stoßstange ein und rammte die Polizeiautos, bis er frei kam.

Die Tatverdächtigen rasten davon. Nach Zeugenaussagen verfolgten mehrere zivile Polizeiautos den Fluchtwagen. Dabei hätten die Polizisten weder Blaulicht noch Sirenen eingeschaltet, sagte der Zeuge. Eine Polizeisprecherin sagte, dazu werde noch ermittelt. An der Kreuzung missachtete der Fahrer eine rote Ampel und stieß mit zwei anderen Wagen zusammen. Eine 55-jährige und eine 62-jährige Autofahrerin wurden dabei verletzt.

Durch die Wucht der Zusammenstöße geriet der Fluchtwagen ins Schleudern. Dabei überfuhr oder erfasste er die junge Frau, die laut Augenzeugen gerade ihr Rad an der grünen Fußgängerampel über die Straße schob. Der angetrunkene Fahrer gab der Polizei zufolge ungerührt weiter Gas und schleuderte über die Straße.

Der Fluchtwagen kam später nach einigen weiteren Kollisionen zum Stehen. Der Fahrer versuchte daraufhin, zu Fuß zu entkommen, wurde aber schnell von Polizisten gefasst. Die beiden anderen Diebe waren schwer verletzt und wurden im Wagen festgenommen.

Ebenso wie die beiden Autofahrerinnen und der verletzte Polizist kamen die drei mutmaßlichen Diebe ins Krankenhaus. Der Beamte konnte in der Nacht wieder entlassen werden. Zwei der drei Verdächtigen haben die serbische Staatsangehörigkeit, der jüngste die serbisch-montenegrinische. Der 18-Jährige und der 14-Jährige sind der Polizei bereits wegen früherer Taten bekannt. Die Männer sollten einem Richter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden.

Die Initiative Volksentscheid twitterte zu dem tragischen Tod der Frau: «Infrastruktur die zum Rasen einlädt führt zu Leid und Tod.»

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