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Straffes Programm in Berlin : Queen Elizabeth II. in Deutschland

vom

In Berlin traf die Monarchin bereits Joachim Gauck, unternahm eine Bootsfahrt und sprach mit Angela Merkel.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2015 | 13:47 Uhr

Berlin | Mit einem Besuch beim Bundespräsidenten und einer Schifffahrt auf der Spree hat Königin Elizabeth II. (89) ihren dreitägigen Staatsbesuch offiziell begonnen. Bei trübem Wetter traf die Queen mit ihrem Mann Prinz Philip (94) am Mittwochvormittag in Schloss Bellevue ein. Das royale Paar wird bis Freitag in Deutschland bleiben und neben Berlin auch Frankfurt am Main und die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen in Niedersachsen besuchen. Es ist der fünfte Staatsbesuch der Queen in Deutschland.

Elizabeth II. wurde am 21. April 1926 in Mayfair, London, geboren. Sie ist die konstitutionelle Monarchin von 16 souveränen Staaten (Commonwealth Realms) und Oberhaupt des 53 Staaten umfassenden Commonwealth of Nations. Sie ist ebenfalls weltliches Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche Englands. Am 6. Februar 1952 bestieg sie den Thron, am 2. Juni 1953 fand die Krönung in der Westminster abbey statt. Die Monarchin sitzt seit sechs Jahrzehnten auf dem Thron und feierte im Jahr 2012 ihr 60-jähriges Thronjubiläum.

Joachim Gauck und seine Frau Daniela Schadt begrüßten die ganz in Weiß gekleidete Monarchin und ihren Mann, die im Hotel Adlon am Brandenburger Tor übernachtet hatten. Sie war am Dienstagabend in Berlin eingetroffen.

Hunderte Schaulustige bereiteten der Queen am Straßenrand bei britisch-bedecktem Wetter einen begeisterten Empfang. Eine Militärkapelle spielte die britische Hymne „God Save the Queen“ und die deutsche Nationalhymne. Die beiden Besucher trugen sich ins Gästebuch des Bundespräsidialamtes ein und tauschten Geschenke mit dem Bundespräsidenten aus, auf dessen Einladung sie offiziell in der Bundesrepublik sind.

Bei der anschließenden Unterredung, die etwas länger dauerte als geplant, dürfte es auch um das in Großbritannien geplante Referendum über den Verbleib des Landes in der Europäischen Union gegangen sein. Premierminister David Cameron will versuchen, in der EU Reformen auszuhandeln. Das Volk soll dann bis spätestens Ende 2017 darüber abstimmen, ob das Land in der Gemeinschaft bleiben möchte. Cameron will Großbritannien nach eigener Darstellung in der EU halten. In seiner konservativen Partei gibt es aber einen starken EU-kritischen Flügel.

Die Queen hat Gauck ein Buch aus dem 19. Jahrhundert mitgebracht, die „Briefe eines Verstorbenen“ von Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Der Bundespräsident schenkte Elizabeth II. neben Lübecker Marzipan das Gemälde „Pferd in Royalblau“ der Künstlerin Nicole Leidenfrost, das die Pferdeliebhaberin als kleine Prinzessin im Sattel zeigt. Die anschließende Unterhaltung der beiden Staatsoberhäupter dauerte etwa eine halbe Stunde und damit etwas länger als geplant.

Nach dem Gespräch machten sich die Queen, Prinz Philip, Gauck und Schadt zu Fuß auf den Weg zum Bootsanleger auf der Spree. Im Schiff „Ajax“, das wie die Queen Jahrgang 1926 ist, fuhren über den Fluss - begrüßt von vielen Schaulustigen am Spreeufer. Bisher hatte Gauck noch keinen Staatsgast im Boot über die Spree begleitet. Während der Bootsfahrt saßen winkten die vier immer wieder der Bevölkerung zu.

Gauck gab im Stehen den Stadtführer, die Gäste zeigten Interesse und zeigten immer wieder auf Gebäude, an denen das Schiff vorbeifuhr.

Die Fahrt war bewusst als Gelegenheit für die Berliner geplant, die Royals zu sehen. Es ist der Queen nach offiziellen Angaben wichtig, dass möglichst viele Menschen einen Blick auf sie werfen können.

Nach der Bootsfahrt traf die Queen auf Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei dem Gespräch unter vier Augen dürfte es ebenfalls über das geplante britische Referendum über den Verbleib des Landes in der Europäischen Union gehen. Es wird jedoch nicht erwartet, dass über den Inhalt der Unterredung etwas bekannt wird. Die Kanzlerin und die Queen begrüßten sich freundlich lächelnd und wechselten schon vor dem Amtssitz einige Worte. Gemeinsam mit Merkel empfing Kanzleramtschef Peter Altmaier auch Prinz Philip, den Ehemann der Königin.

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte kürzlich gesagt: „In 60 Jahren Regierungszeit der Queen ist aus Gesprächen, die sie geführt hat, nie etwas herausgedrungen.“ Das werde auch so sein, wenn die Königin nach Berlin komme.

Auf einer Terrasse im Bundeskanzleramt zeigte Merkel der Queen Berlin. „Dort, wo der Zug fährt, da stand die Mauer“, sagte Merkel auf Englisch. Sie zeigte nach vorne und erklärte der Königin, sie selbst habe in Ostdeutschland gelebt. Die Bundesregierung veröffentlichte die Szenen in einem Video bei Facebook.

Unser Kollege war nah dabei: Angela Merkel trifft die #Queen – und führt sie ein wenig durchs Kanzleramt. Die Königin erfährt dabei auch etwas Persönliches von der Gastgeberin:

Posted by Bundesregierung on  Mittwoch, 24. Juni 2015

Merkel hatte vor dem Besuch die engen Beziehungen zu London gewürdigt. Mit Blick auf das angestrebte Referendum in Großbritannien über die EU-Mitgliedschaft hatte sie am Samstag in ihrem wöchentlichen Video-Podcast bekräftigt: „Ich wünsche mir, dass Großbritannien in der Europäischen Union bleibt.“ Sie zeigte sich erneut offen für die von der britischen Regierung geforderte EU-Reform, betonte aber, dass es dafür Grenzen gebe.

Nach dem Treffen hat Elizabeth II. in der Berliner Neuen Wache der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Die 89 Jahre alte Monarchin betrat die Gedenkstätte am Mittwoch gegen Mittag, zwei Soldaten legten in ihrem Namen einen Kranz vor der Skulptur „Mutter mit totem Sohn“ der Künstlerin Käthe Kollwitz nieder. Im Anschluss an den kurzen Moment des Innehaltens während ihres dreitätigen Deutschland-Besuchs fuhr sie mit ihrem Mann Prinz Philip zurück (94) ins Hotel Adlon zur Mittagspause.

Am Nachmittag besucht sie dann die „Queen's Lecture“ an der Technischen Universität - eine Vortragsreihe zu ihren Ehren. Abends gibt es schließlich ein festliches Bankett zu Ehren der Königin im Schloss Bellevue.

Am Donnerstag fliegt Elizabeth II. mit Gauck nach Frankfurt/Main. Am Freitag besucht sie die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide. Es war im April 1945 von britischen Soldaten befreit worden.

Alles zum königlichen Besuch in Deutschland auch im Liveblog.

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