Schwere Vergewaltigung bei Freiburg : Prozess um ermordete Joggerin – Lastwagenfahrer gesteht

Dem aus Rumänien stammenden Familienvater sagt, er habe aus einer ihm unerklärlichen Aggression heraus gehandelt und die Frau mit einer Flasche geschlagen.

Der aus Rumänien stammenden Familienvater sagt, er habe aus einer ihm unerklärlichen Aggression heraus gehandelt und die Frau mit einer Flasche geschlagen.

Der 40-Jährige hat laut Justiz eine Vorgeschichte. Er soll auch in Österreich gemordet haben.

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22. November 2017, 10:03 Uhr

Freiburg | Im Prozess um den Sexualmord an einer Joggerin in Endingen bei Freiburg hat der Angeklagte die Tat gestanden. Er habe die Frau angegriffen und getötet, sagte der 40 Jahre alte Familienvater und Berufskraftfahrer zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Freiburg am Mittwoch. Er habe aus einer ihm unerklärlichen Aggression heraus gehandelt und die Frau mit einer Flasche geschlagen. Ein sexuelles Motiv, wie ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird, habe er nicht gehabt, sagte er.

Dem aus Rumänien stammenden Angeklagten werden in dem Prozess Mord und besonders schwere Vergewaltigung zur Last gelegt. Er hat den Angaben zufolge Anfang November vergangenen Jahres die 27-Jährige in einem Waldstück in den Weinbergen von Endingen vergewaltigt und getötet. Die Frau war alleine joggen, als sie angegriffen wurde.

Zudem wird ihm der Mord an einer 20 Jahre alten französischen Austausch-Studentin aus Lyon im Januar 2014 im rund 400 Kilometer von Endingen entfernten Kufstein in Österreich zur Last gelegt. An beiden Tatorten waren identische Spuren gefunden worden.

Die Spurensuche der Ermittler

Zwei junge Frauen wurden getötet, im Abstand von fast drei Jahren und hunderte Kilometer voneinander entfernt. Trotzdem kam die Polizei schließlich einem Verdächtigen auf die Spur. Wie hat sie das gemacht?

  • Nach dem Verbrechen an der französischen Studentin im Januar 2014 stellt die Polizei in Kufstein DNA-Spuren vom Täter und die Tatwaffe sicher. Die Ermittler kommen damit zunächst aber nicht weiter. Die Eisenstange, der Tatort in der Nähe einer vielbefahrenen Lkw-Route und der Tattag an einem Sonntag, an dem Lkw nicht fahren dürfen, sprechen für einen Lastwagenfahrer als Täter.
  • Nach dem Mord an der Joggerin in Endingen im November 2016 entdecken die Ermittler Parallelen: Eisenstange als Tatwaffe, Autobahn-Nähe, Tat an einem Sonntag. Auch die DNA-Spuren passen.
  • Die Polizei wertet rund 50.000 Datensätze aus dem österreichischen Lkw-Maut-Abrechnungssystem aus. Man grenzt sie auf Fahrzeuge ein, die zum fraglichen Zeitpunkt in Kufstein waren und dort auch Standzeiten hatten. Die Eisenstange, eine Lkw-Hubstange, kann einem bestimmten Fabrikat zugeordnet werden, was die Zahl weiter eingrenzt.
  • Nun schreiben die Ermittler die Speditionen an, die infrage kommen. Eine davon übermittelt die Daten mehrerer Fahrer, auf einen davon deuten gleich mehrere Indizien: sein Wohnort in der Region, sein Handy, sein Auto.
  • Die Polizei sucht den Mann auf, nimmt eine Speichelprobe und stellt fest: Er ist der Gesuchte, der die Spuren an beiden Opfern hinterlassen hat. Keine halbe Stunde später wird er festgenommen.

Der Mann wurde im Juni dieses Jahres in Endingen festgenommen, er sitzt seither in Haft. Für den Prozess sind zunächst acht Verhandlungstage geplant. Ein Urteil soll es demnach Ende Dezember geben. Die Eltern der in Endingen Ermordeten sowie der Ehemann treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Hinzu kommt ein psychiatrischer Gutachter. Er wird vor den Plädoyers eine Gefährlichkeitsprognose erstellen. Von dieser hängt ab, ob bei lebenslanger Haft anschließende Sicherungsverwahrung möglich ist.

Verhandelt wird nur der Mord in Endingen. Danach prüft die Justiz in Österreich eigenen Angaben zufolge das weitere Vorgehen. Für einen zweiten Prozess, dann in Österreich, müsste Deutschland den Mann an das Nachbarland ausliefern. Das Freiburger Urteil müsse aber erst rechtskräftig sein, sagte ein Justizsprecher. In dem Freiburger Prozess werden Experten aus Österreich zunächst als Zeugen gehört, um den dortigen Mordfall zu schildern.

Drei Wochen vor der Tat in Endingen war in Freiburg eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und ermordet worden. Einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Morden gibt es Justizangaben zufolge nicht. Im Mordfall Freiburg läuft der Prozess gegen einen jungen Flüchtling. Ein Urteil in diesem Fall soll es im kommenden Frühjahr geben.

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