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Mexikanischer Drogenboss : Prozess gegen „El Chapo“ soll im April 2018 beginnen

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Der frühere Chef des Sinaloa-Kartells ist in 17 Punkten angeklagt, darunter Drogenschmuggel und Geldwäsche.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 17:22 Uhr

Ciudad Juárez | Der Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán soll im Frühjahr 2018 beginnen. Richter Brian Cogan legte den Starttermin bei einer Anhörung am Freitag in einem Gericht in New York auf den 16. April fest. Der frühere Chef des Sinaloa-Kartells, der Anfang des Jahres von Mexiko an die USA ausgeliefert worden war, ist in 17 Punkten angeklagt, darunter Drogenschmuggel, Geldwäsche und illegaler Waffengebrauch.

„El Chapo“ hatte gedroht, im Falle seiner Auslieferung an die Vereinigten Staaten über seine Kontakte und Geschäfte auszupacken. Sollte er mit den US-Behörden im Gegenzug für Informationen einen Deal machen, könnte es für so manchen Politiker und Beamten in Mexiko ungemütlich werden. Schon lange gibt es Gerüchte, dass die Regierung dem Sinaloa-Kartell bei seinen kriminellen Geschäften weitgehend freie Hand ließ. Die Idee dahinter war demnach, dass eine dominante Rolle des Verbrechersyndikats von „El Chapo“ in der mexikanischen Unterwelt für Ruhe sorgen würde.

Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft, die Todesstrafe ist laut einer Absprache zwischen Mexiko und den USA ausgeschlossen. Seit seiner Auslieferung sitzt er in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan in Einzelhaft. In Mexiko waren ihm mehrere spektakuläre Gefängnisausbrüche gelungen.

„El Chapos“ bewegtes Leben in der mexikanischen Unterwelt – eine Chronologie:

4. April 1957

Joaquín Guzmán Loera - so der volle Namen - wird in dem Dorf La Tuna de Badiraguato im Bundesstaat Sinaloa im Nordwesten von Mexiko geboren.1980: Guzmán wird Mitglied des Guadalajara-Kartells von Miguel Ángel Félix Gallardo.

9. April 1989

Félix Gallardo wird festgenommen und das Guadalajara-Kartell zerfällt. Guzmán gründet das Sinaloa-Kartell.

24. Mai 1993

Bei einer Schießerei zwischen Mitgliedern des Tijuana-Kartells und des Sinaloa-Kartells auf dem Flughafen von Guadalajara kommen sieben Menschen ums Leben, darunter der Kardinal Juan Jesús Posadas Ocampo. Den Ermittlern zufolge wurde er mit „El Chapo“ verwechselt.

9. Juni 1993

Guzmán wird in Guatemala festgenommen und an Mexiko ausgeliefert.

22. November 1995

„El Chapo“ wird zu 20 Jahren Haft verurteilt und in das Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande im Bundesstaat Jalisco gebracht.

19. Januar 2001

Versteckt in einem Wäschewagen und mit Hilfe des Wachpersonals flieht Guzmán aus dem Gefängnis.

2. Juli 2007

„El Chapo“ heiratet die damals 18-jährige Schönheitskönigin Emma Coronel Aispuro.

2009

Mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar nimmt die Zeitschrift „Forbes“ Guzmán in die Liste der reichsten Menschen der Welt auf.

Februar 2012

„El Chapo“ entgeht in Los Cabos knapp seiner Verhaftung. Zu dem Zeitpunkt treffen sich zahlreiche Außenminister in dem Badeort, um den G20-Gipfel vorzubereiten.

Februar 2013

Die Organisation Chicago Crime Commission erklärt Guzmán zum Staatsfeind Nummer 1 - ein Titel, der zuvor nur an den US-Gangster Al Capone vergeben wurde.

22. Februar 2014

Marineinfanteristen nehmen „El Chapo“ in der Küstenstadt Mazatlán im Bundesstaat Sinaloa fest.

11. Juli 2015

Guzmán flieht durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano.

8. Januar 2016

Marineinfanteristen fassen Guzmán nach einer Schießerei mit seinen Leibwächtern in der Stadt Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa.

20. Mai 2016

Das mexikanische Außenministerium stimmt einer Auslieferung in die USA zu. Gerichte in den US-Bundesstaaten Texas und Kalifornien haben eine Überstellung beantragt.

19. Januar 2017

Ein Gericht in Mexiko-Stadt lehnt einen Antrag Guzmáns auf Schutz vor der Abschiebung ab. Damit sind alle Rechtsmittel ausgeschöpft. „El Chapo“ wird an die USA ausgeliefert.

 
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