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Familie : Projekt Kind: Wie Eltern das Loslassen schaffen

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Das Kind alleine mit Freunden wegfahren lassen? Auf keinen Fall, was da alles passieren kann! Übervorsichtige Eltern würden den Nachwuchs am liebsten permanent in Watte packen. Dadurch richten sie aber mehr Schaden als Nutzen an.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 11:16 Uhr

Das Kind wird überallhin chauffiert, von allen Seiten beobachtet und jeder seiner Schritte kontrolliert: Helikoptereltern nennt man solche Väter und Mütter. Sie wollen das Beste für Sohn oder Tochter, ersticken das Kind jedoch mit ihrer übertriebenen Vorsorge. «Oft haben diese Kinder keinerlei Rückzugsmöglichkeiten. Sie ziehen sich entweder zurück oder lassen woanders Dampf ab, rebellieren zum Beispiel in der Schule», erklärte Felicitas Römer. Römer ist Familienberaterin in Hamburg und kennt viele Fälle aus eigener Erfahrung.

Beraten lassen sich Eltern oft dann, wenn es Beschwerden über ihr Kind gibt - meist aus der Schule. «Dann heißt es: "Mit unserem Kind stimmt etwas nicht, das ist auffällig"», sagte Römer. Meist stelle sich dann heraus: Das Problem liegt gar nicht beim Kind, sondern bei den Eltern. «Das ist ein erster Erkenntnisschritt, den Eltern gehen müssen: "Das Verhalten meines Kindes hat ganz viel mit mir zu tun."» Gelinge diese Einsicht, sei schon viel gewonnen.

In Familienberatungsstellen oder einer Familientherapie gehe es darum, die Ursachen für die Kontrollsucht der Eltern herauszufinden: Haben sie Ängste, etwas falsch zu machen? Fühlten sie sich selbst als Kind vernachlässigt und wollen es beim eigenen Sprössling besser machen? Sind sie mit ihrem eigenen Leben unzufrieden und konzentrieren sie sich deshalb lieber darauf, ihr Kind zu perfektionieren? Je mehr sich Erwachsene mit ihren eigenen Problemen auseinandersetzen, umso leichter falle es, Sohn oder Tochter langsam loszulassen.

Veränderungen durchzusetzen, ist laut Römer gar nicht so schwer wie gedacht: «Eltern müssen deshalb ihr Leben nicht umkrempeln.» Wichtig sei, den Blick darauf zu lenken, was alles gut mit dem Kind läuft. Dadurch ändere sich oft der Blickwinkel und Mutter oder Vater merkten: «Mein Sohn oder meine Tochter kann ja doch ganz schön viel.» Wenn es gelingt, den Blick aufs Positive zu lenken, wird das Kind nicht mehr nur als Wesen mit Defiziten wahrgenommen, die es abzuarbeiten gilt.

Als Ursache für die übertriebene Fürsorge der Helikoptereltern sieht Römer die gestiegenen Ansprüche ans Kind: «Man kriegt heute weniger Kinder, das geschieht bewusst und nicht mehr nebenbei, wie früher.» Der Nachwuchs gewinnt dadurch emotional einen anderen Stellenwert: Alles soll perfekt sein, dem Kind sollen alle Türen offen stehen. Nach wie vor gelte aber: «Das Kind muss sich von den Eltern willkommen fühlen. Dann kommt die Leistungsfähigkeit von selbst.»

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