Dänisches Königshaus : Prinz Henrik – Der verhinderte König ist tot

In den späten Lebensjahren nicht immer im Gleichklang: Prinz Henrik und Königin Margrethe, hier 2014 im grenznahen Sonderburg.
In den späten Lebensjahren nicht immer im Gleichklang: Prinz Henrik und Königin Margrethe, hier 2014 im grenznahen Sonderburg.

Die dänische Monarchin Margrethe II. hat ihren Mann Prinz Henrik verloren. Ein Porträt.

fju_maj_0203 von
15. Februar 2018, 12:27 Uhr

Am Ende bleibt Verblüffung über den Widerspruch dieses Lebens: darüber, wie leicht es, gemessen an den luxuriösen äußeren Umständen, schien. Und darüber, wie schwer sich der gebürtige Franzose Henri de Laborde de Monpezat dennoch mit seiner Rolle als dänischer Prinzgemahl unter dem Namen Henrik tat. Und das bis in sein letztes Lebensjahr. In der Nacht zu gestern ist der Mann von Dänemarks Königin Margrethe II. im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben.

Hätte er nicht fünf Jahre vor deren Thronbesteigung die dänische Kronprinzessin in London kennengelernt – der aus französischem Adel stammende Graf wäre Botschafter seines Heimatlandes geworden. Sekretär an der Botschaft in der britischen Hauptstadt war er bereits. Doch dann entschied sich der Mann, der zuvor Lebensabschnitte auch in Südostasien verbracht hatte, 1967 für die Heirat Margrethes. Sie bekam einen Mann von Welt, einen polyglotten Intellektuellen, der auf hohem Niveau Klavier spielte, Gedichte schrieb und Skulpturen formte. Die Königin hat stets betont, wie elementar Henrik als Stütze war, damit sie von 1972 die nötige Sicherheit für die ersten Jahre im Amt gewann.

Die bodenständigen Untertanen jedoch fremdelten zeitlebens mit dem Import. Dazu trug bei, dass er erkennbar die Mühe scheute, einen radebrechenden Akzent im Dänischen abzutrainieren. Der Abstand vertiefte sich, als der Mann, dessen Hauptaufgabe doch darin bestand, die Erbfolge zu sichern, über das Thema Erziehung äußerte: Kinder müssten wie Hunde oder Pferde gezüchtigt werden. Kronprinz Frederik hat öffentlich keinen Zweifel daran gelassen, dass sein Vater nach dieser Devise auch gehandelt hat. Henrik selbst klagte bei seinem 60. Geburtstag: Die Dänen hätten ihn als wertlos betrachtet, ihm die Chance versagt zu zeigen, wer er sei. Als unermüdlicher Repräsentant Dänemarks im In- und Ausland diente er dennoch, war dazu nationaler Schirmherr des Roten Kreuzes und der Umwelt-Organisation WWF. Aus Verbundenheit des Königshauses zur dänischen Minderheit fungierte Henrik auch als Ehrenbruder der Flensburger St. Knudsgilde. Als französisches Standbein behielt er bis zuletzt ein Weingut nahe der Pyrenäen. Einen Jahrgang spendierte er den Dänen sogar mal zu Tiefpreisen beim Discounter Netto.

Je stärker Kronprinz Frederik in offizielle Aufgaben hineinwuchs, desto lauter beschwerte sich Henrik darüber, dass ihm das Staatsrecht nicht den Titel König einräumte – wohingegen sich die Frau eines geborenen Königs doch stets Königin nennen darf. Wo bleibe da die Gleichberechtigung im sonst so emanzipierten Skandinavien, fragte der Franzose. Dass er wegen der fehlenden Gleichrangigkeit zu Lebzeiten auch nicht neben seiner Frau im Dom von Roskilde beerdigt werden möchte, war 2017 eine letzte Provokation Henriks. Nach Angaben des Königshauses war er da schon dement. Respektiert wird der Wunsch trotzdem. Seine Asche soll im Schlosspark von Fredensborg beigesetzt werden. Dort, auf der Frühjahrs- und Herbstresidenz der Familie nördlich der Hauptstadt, hat Henrik auch seinen letzten Atemzug getan.

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