Dienstwaffen : Polizei-Statistik: Alle acht Tage fällt ein Schuss, ein Toter in SH

In 46 Fällen haben Polizisten im vergangenen Jahr mit ihren Dienstwaffen gezielt auf Menschen geschossen.
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In 46 Fällen haben Polizisten im vergangenen Jahr mit ihren Dienstwaffen gezielt auf Menschen geschossen.

2014 starben sieben Menschen durch Schüsse von Beamten – in fast allen Fällen war es Notwehr. Ein Mann wurde in Schleswig-Holstein durch Polizeikugeln getötet.

shz.de von
19. Juli 2015, 12:50 Uhr

Hannover/Mainz | Polizisten in Deutschland haben im vergangenen Jahr sieben Menschen mit ihrer Dienstwaffe erschossen und 31 durch Kugeln verletzt. In insgesamt 46 Fällen schossen die Beamten gezielt auf Menschen, meistens in Notwehr (41 Mal, sechs der sieben Toten). Da die Polizisten nicht bei jedem gezielten Schuss trafen, gab es 2014 weniger Verletzte und Todesopfer als Vorfälle insgesamt. In einem Fall wurde ein Mensch auf der Flucht erschossen. Die Zahlen gehen aus Statistiken für die Innenministerkonferenz (IMK) hervor.

In Schleswig-Holstein haben Polizisten 2014 einen Menschen mit ihrer Dienstwaffe erschossen und einen weiteren durch Kugeln verletzt. Bei insgesamt vier Einsätzen schossen die Beamten gezielt auf Menschen, wie Landespolizeiamts-Sprecher Jürgen Börner sagte. Im Fall des getöteten Mannes handelte es sich den Angaben zufolge um Notwehr. Im Jahr 2013 hatten Polizisten dreimal mit ihren Waffen gezielt auf Menschen gefeuert, darunter einmal aus Notwehr. Ein Mensch war dabei verletzt worden.

Die 46 Fälle, in denen Polizisten einmal oder mehrfach auf Menschen anlegten und auch abdrückten, liegen leicht über dem langjährigen Schnitt. Rechnerisch schossen die Beamten im vergangenen Jahr etwa jeden achten Tag. Im langjährigen Mittel ist es nur jeder zehnte Tag. In den Notsituationen, in denen sich Polizisten mit der Waffe verteidigten oder anderen in Lebensgefahr halfen, gab es 2014 einen unbeteiligten Verletzten. Den Ort dazu nennt die Statistik ebenso wenig wie Orte zu den Opfern, bei denen sich der Schusswaffengebrauch im Nachhinein als gerechtfertigt erwies.

Von 1998 bis 2012 gab es 656 Ernstfälle mit 109 Toten, wie dpa-Berechnungen anhand der IMK-Statistiken zeigen. Der Großteil ereignete sich bei gefährlichen Attacken auf die Beamten, die dann oft nur Sekundenbruchteile für die Selbstverteidigung hatten. Häufig handelten Streifenpolizisten: Sie üben zwar den Ernstfall, aber dass sie solche Situationen in ihrer Karriere tatsächlich erleben, ist eher unwahrscheinlich.

Auch wenn es rechnerisch gesehen alle paar Tage vorkommt, dass aus einer Polizeiwaffe geschossen wird: Es handelt sich immer noch um Einzelfälle, obwohl Polizisten verstärkt über Attacken auf Beamte klagen. Polizeigewerkschaften sprechen von einer zunehmenden Gewaltbereitschaft.

Die meisten Dienstwaffen der Streifenpolizisten sind in ihrer Bauart auf Selbstverteidigung ausgelegt. In der Regel müssen die Pistolen auf Streifendienst durchgeladen sein und sind ohne das Umlegen einer Sicherung schussbereit. Für das Durchziehen des Abzugs braucht es jedoch relativ viel Kraft. Die meisten Polizisten in Deutschland tragen 9-Millimeter-Waffen – ein Großkaliber, das trotz aller Varianten wie spezieller Mann-Stopp-Munition stets Todesgefahr birgt.

In 10.157 Fällen schossen Polizisten 2014 übrigens auf gefährliche, verletzte oder kranke Tiere – etwa nach Unfällen auf verletzte Rehe. In 46 Fällen schossen sie auf Sachen, etwa Türen oder Autoreifen.

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