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"Der Ghostwriter" : Polanski macht den Hitchcock

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Es ist ein guter Krimi mit Hitchcock-Elementen. Aber ist es auch ein Polanski? "Der Ghostwriter" von Roman Polanski, der in der Schweiz unter Hausarrest steht, startet diese Woche im Kino.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2010 | 12:24 Uhr

Hinter dem Tor lauern die Reporter. An der Grenze droht Adam Lang die Verhaftung. Es wirkt wie Ironie des Schicksals, dass die Geschichte von "Der Ghostwriter" auch an den Regisseur selbst erinnert. Roman Polanski steht in der Schweiz unter Hausarrest, weil er 1977 in den USA eine Minderjährige missbraucht haben soll. Zur Weltpremiere auf der Berlinale konnte er nicht kommen. Seine Hauptdarsteller Ewan McGregor und Pierce Brosnan stärkten Polanski dort demonstrativ den Rücken. Dem Festivalpublikum gefiel der Film.
Es ist ein guter Krimi mit Hitchcock-Elementen. Aber ist es auch ein Polanski? Ist die Handschrift des Mannes zu erkennen ist, der Filmklassiker wie "Ekel", "Rosemaries Baby" und "Tanz der Vampire" schuf? Darüber könnte man in den zwei Stunden ins Grübeln kommen - wäre da nicht das Vergnügen, einfach bei diesem Thriller mitzufiebern, der nebenbei eine kleine Abrechnung mit Premierminister Tony Blair ist oder mal eben Sylt in die amerikanische Ostküste verwandelt.
Ein hermetisch abgeschotteter Autor
Die Vorlage für die französisch-englisch-deutsche Koproduktion lieferte Robert Harris mit seinem Bestseller "Ghost". "Lang ist nicht Blair, aber er hat einige der schauspielerhaften Manierismen, die Blair hat", sagt der Autor. Die Idee zum Buch sei aber schon 15 Jahre vor der Ära des Labour-Politikers entstanden. Ursprünglich wollte Polanski Harris" "Pompeji" verfilmen, daraus wurde nichts. Der Regisseur las dann "Ghost" und fand: "Lass uns das stattdessen machen, es ist wie Chandler."
Ex-Premierminister Adam Lang (Brosnan) will seine Memoiren schreiben lassen, als sein Ghostwriter tot am Strand gefunden wird. Ein neuer "Ghost" (McGregor) muss einspringen und reist zum Strandhaus, in dem Lang festsitzt - eine klotzige, hermetisch abgeriegelte Villa, die mit ihren Designermöbeln aussieht wie aus einer Architekturzeitschrift.
Zwei gegensätzliche Frauen
Das Manuskript liegt im Safe, der neue Schreiber stöhnt bei der Lektüre. Aus der Neufassung der Memoiren wird aber erst einmal nichts. Der internationale Gerichtshof will dem Ex-Premier den Prozess machen, weil er die CIA indirekt bei Foltermethoden unterstützt haben soll. Lang wird zur "Breaking News" im Fernsehen, die Reportermeute fällt ins Dorf ein. Der "Ghost" bricht mit seinen Prinzipien und zieht aus dem Hotel aus und bei seinem Auftraggeber ein. Der Autor kommt schon bald einer gefährlichen Verschwörung auf die Spur.
Er gerät zwischen zwei Frauen, die beide Lang lieben: Ehefrau Ruth (Olivia Williams) und Assistentin Amelia (Kim Cattrall, die Samantha aus "Sex And The City"). "Keine gute Idee", sagt der "Ghost" noch zu seinem Spiegelbild, bevor er Ruth bei sich im Bett findet. Gegen Ende wird die Handlung etwas holperig, als der Geist zum investigativen Reporter wird und mit ein paar Klicks Brisantes im Internet findet. Und natürlich haben die CIA und die Rüstungsindustrie ihre Finger im Spiel.
Der Unfall ist in Wirklichkeit keiner, der Held wird von den Bösen mit dem Auto verfolgt. Wer ist gut, wer böse? Polanski und sein Co- Autor arbeiten bis hin zur Musik mit den klassischen Zutaten eines Krimis, wie sie schon seit Hitchcocks oder Patricia Highsmiths Zeiten verwendet werden. Das hätte schiefgehen können, wenn die Besetzung nicht stimmen würde: Allein McGregor ("Trainspotting", "Star Wars") ist den Gang ins Kino wert.

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