Raumsonde erforscht Zwergplaneten : #PlutoFlyby 2015: „New Horizons“ zu Besuch beim Pluto

Die Raumsonde „New Horizons“ flog heute am Pluto vorbei. Forscher warten seit neun Jahren auf die Erkenntnisse. Auch Google ist im Pluto-Fieber.

shz.de von
14. Juli 2015, 13:35 Uhr

Pluto | Über den Zwergplaneten Pluto ist bislang nur wenig bekannt, denn es gibt keine Nahaufnahmen. Dies soll sich mit der Raumsonde „New Horizons“ ändern. Nach neunjähriger Reise passierte die Sonde am Dienstag den Zwergplaneten in weniger als 12.000 Kilometern Entfernung – und sollte ihn mit mehreren wissenschaftlichen Instrumenten untersuchen. Die Sonde sei, wenn alles nach Plan verlief, um 13.49 Uhr MESZ an dem Zwergplaneten vorbeigeflogen, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Dienstag mit.

Die Nasa scheint sich aber sicher, dass alles geklappt hat – und twitterte voller Freude:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">YES! After over 9 years &amp; 3+ billion miles, <a href="https://twitter.com/NASANewHorizons">@NASANewHorizons</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/PlutoFlyby?src=hash">#PlutoFlyby</a> was at 7:49am ET. <a href="http://t.co/Czrvonxugd">http://t.co/Czrvonxugd</a> <a href="http://t.co/aSucgORofT">pic.twitter.com/aSucgORofT</a></p>&mdash; NASA (@NASA) <a href="https://twitter.com/NASA/status/620924131047936000">14. Juli 2015</a></blockquote>

Kurz zuvor hieß es schon „Hello Pluto“:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">Hello <a href="https://twitter.com/hashtag/Pluto?src=hash">#Pluto</a>! We’re at closest approach. Congrats to all! Follow our story &amp; view new images using <a href="https://twitter.com/hashtag/PlutoFlyby?src=hash">#PlutoFlyby</a>. <a href="http://t.co/8JVlJrcUkY">pic.twitter.com/8JVlJrcUkY</a></p>&mdash; NASA New Horizons (@NASANewHorizons) <a href="https://twitter.com/NASANewHorizons/status/620923200621412352">14. Juli 2015</a></blockquote>

Das erlösende Signal, das den erfolgreichen Vorbeiflug offiziell bestätigen soll, erwartet die Nasa allerdings erst für die Nacht zum Mittwoch.

Aufnahmen vom Pluto (rechts) und seinem Mond Charon vom 11. Juli.
NASA/JHUAPL/SWRI
Aufnahmen vom Pluto (rechts) und seinem Mond Charon vom 11. Juli.
 

Es ist der erste Besuch eines irdischen Flugkörpers bei dem Zwergplaneten. Die 2006 gestartete Sonde ist nach Nasa-Angaben die schnellste in der Geschichte der Raumfahrt. Von dem rund 700 Millionen Dollar (etwa 630 Millionen Euro) teuren Projekt erwarten Experten auch mehr Erkenntnisse über den Ursprung unseres Sonnensystems.

Aufnahme der „New Horizons“ am 12. Juli: Der Pluto ist noch 2,5 Millionen Kilometer entfernt.
NASA/JHUAPL/SWRI
Aufnahme der „New Horizons“ am 12. Juli: Der Pluto ist noch 2,5 Millionen Kilometer entfernt.

Google würdigte diesen besonderen Tag mit einem speziellen Doodle. Das zweite „O“ in Google wird am Dienstag ausnahmsweise vom Pluto ersetzt.

Auch Google ist im Pluto-Fieber.
Screenshot Google
Auch Google ist im Pluto-Fieber.
 

Was soll untersucht werden?

 

Es sollen globale Karten des Zwergplaneten und seiner Monde erstellt werden.
Hochauflösende Fotos sollen gewonnen werden.
Die Temperaturverteilung auf dem Zwergplaneten soll gemessen werden.
Die Atmosphäre des Plutos soll studiert werden.

Technische Panne der Sonde „New Horizons“

Zuvor hatte es Probleme mit der Raumsonde gegeben. Am vorletzten Wochenende hatte „New Horizons“ vorübergehend den Kontakt mit der Basis verloren und sich in den Sicherheitsmodus versetzt. Die Nasa hatte sich aber rasch überzeugt gezeigt, das Problem beheben zu können. „Mit Pluto in erreichbarer Nähe stehen wir kurz davor, den normalen Betrieb wieder aufzunehmen und unser Ziel zu erreichen“, zitierte die Nasa ihren Chef für Planetenkunde, Jim Green, in einer Mitteilung am Montag darauf. Und die Nasa sollte Recht behalten: Es habe Kontakt zur Sonde gegeben und Daten seien empfangen worden, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa einen Tag später mit. „Der Vorbeiflug hat begonnen!“.

Der Weltraumbehörde zufolge hatte es sich bei der Panne um einen schwer lokalisierbaren „Timing-Fehler“ gehandelt. „Ich bin froh, dass unser Team das Problem schnell identifiziert hat und den Gesundheitszustand der Raumsonde bestätigen konnte“, sagte Green. Der Erfolg der Mission werde durch den Zwischenfall nicht geschmälert, betonte der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Alan Stern. „Was die Wissenschaft angeht, wird es die Eins Plus nicht einmal in eine Eins verwandeln.“ Erste Bilder der Mission sind schon auf der Erde eingetroffen.

Pluto und die Debatte um den Planetenstatus

Der Pluto ist nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt. Der Zwergplanet mit einem Durchmesser von 2306 Kilometern benötigt für eine Sonnenumrundung 247,68 Jahre. Pluto weist einen Eiskern auf, in dem Forscher einen Ozean vermuten. Die sehr dünne Atmospähre besteht aus Stickstoff, Kohlenmonoxid und rund 0,5 % Methan. Fünf Trabanten umkreisen Pluto. Der kleinste, Styx, hat nur einen Durchmesser von acht bis 28 Kilometern.

Pluto und Charon, einer seiner Satelliten.
dpa
Pluto und Charon, einer seiner Satelliten.
 

Wegen seiner stark elliptischen und sehr geneigten Umlaufbahn sowie der geringen Größe wird seit langem diskutiert, ob Pluto überhaupt die Bezeichnung „Planet“ verdient. Im Kuipergürtel, einer ringförmigen und flachen Region, die sich in unserem Sonnensystem außerhalb der Neptunbahn erstreckt, gibt es schätzungsweise mehr als 70.000 Objekte mit mehr als 100 Kilometern Durchmesser. Als Pluto 1930 entdeckt wird, war das nicht bekannt und so wurde er als neunter Planet des Sonnensystems eingestuft. Als 2005 „Eris“ auf dem Teleskop auftaucht, entbrennt erneut eine Diskussion über den Planetenstatus des Pluto. Zunächst als „zehnter Planet“ des Sonnensystems bezeichnet, ändert eine neue Planetendefinition am 24. August 2006 einiges. Durch die Internationale Astronomische Union werden Pluto und Eris zu Zwergplaneten deklassiert, da sie ihre Umlaufbahnen nicht wie Planeten von anderen Objekten freiräumen. Neben Pluto und Eris gelten Ceres, Haumea und Makemake als Zwergplaneten, die sich außerhalb der Umlaufbahn des Neptun (TNO = Trans-Neptun-Objekte) befinden.

Planeten Um zu den Planeten zu zählen, muss ein Himmelskörper sich auf einer Bahn um die Sonne befinden. Zusätzlich muss das Objekt über eine ausreichende Masse verfügen, damit durch die Eigengravitation eine annähernd runde Form gebildet wird. Ebenfalls muss das Objekt seine Umlaufbahn um die Sonne bereinigt haben. Sie dürfen selbst keine Sterne sein.
Zwergplaneten Bereinigen die Objekte ihre Umlaufbahnen nicht und sind sie keine Monde (Satelliten), gelten sie als Zwergplaneten. Als Plutoiden werden Zwergplaneten bezeichnet, die auf Umlaufbahnen außerhalb der Neptunbahn um die Sonne kreisen .
Kleinkörper Objekte, die sich nicht auf einer Umlaufbahn um die Sonne befinden, zudem keine ausreichende Masse haben, um eine Runde Form anzunehmen und ihre Bahn nicht bereinigen, werden als Kleinkörper bezeichnet. Darunter fallen Asteroiden und Kometen.

Es gibt massive Kritik an der neuen Definition. Denn auch Erde, Mars, Jupiter und Neptun müssten ihren Planetenstatus verlieren, wettern Experten. In der Umlaufbahn der Erde befänden sich demnach rund 10.000 Asteroiden, in der des Jupiters sogar 100.000. Keine Spur also von der bereinigten Umlaufbahn, die Pluto den Status kostet. Die Planetarische Diskriminante soll die Argumentation stimmig machen. Demnach wird das Verhältnis der Masse eines im Sonnensystem befindlichen Körpers im Verhältnis zu der Masse der sonstigen Objekte in seiner Umlaufbahn betrachtet. Nur wer seine Umlaufbahn dominant beherrscht, ist auch ein Planet. Die Erde hat eine Diskriminante von 1.700.000, während Pluto nur eine von 0,077 hat. Vielleicht ändern die neuen Erkenntnisse der Raumsonde „New Horizons“ die bisherigen Annahmen. Das kann jedoch dauern. Zwei Wochen dauert der Flug am Pluto vorbei. Danach sollen die Daten an die Erde gesendet werden. Die Übertragung zur Erde ist jedoch langsam. Bei 4,8 Milliarden Kilometern Entfernung auch keine große Überraschung.

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