"Ein Teil von mir" : Plötzlich erwachsen

Die Schauspieler Jennifer Ulrich (l-r), Ludwig Trepte, Julia Richter und Karoline Teska bei der Premiere des Films 'Ein Teil von mir' im Kino Babylon in Berlin. Foto: dpa
Die Schauspieler Jennifer Ulrich (l-r), Ludwig Trepte, Julia Richter und Karoline Teska bei der Premiere des Films "Ein Teil von mir" im Kino Babylon in Berlin. Foto: dpa

In seinem Spielfilmdebüt "Ein Teil von mir" nähert sich Christoph Röhl dem sonst eher problembehafteten Thema einer ungeplanten Elternschaft im Jugendalter.

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13. Oktober 2009, 02:32 Uhr

Eine nette Party am Wochenende, jede Menge Spaß und ein hübsches Mädchen im Arm - was sich auf den ersten Blick wie ein relativ gewöhnliches Freizeitvergnügen von Jugendlichen anhört, hat für den 16-jährigen Jonas ungeahnte Konsequenzen: Nach einer halb vergessenen, gemeinsam verbrachten Nacht ist die 17 Jahre alte Vicky schwanger von ihm.
In seinem Spielfilmdebüt "Ein Teil von mir" nähert sich Christoph Röhl auf ungewöhnlich träumerische Weise dem meist sonst eher stark Problem behafteten Thema einer ungeplanten Elternschaft im Jugendalter.
Jonas lässt Vicky allein mit ihrem Schicksal
Jonas (Ludwig Trepte) ist ein guter Schüler und pflegeleichter Sohn. Als ihm jedoch Vicky (Karoline Teska) eines Tages einen Brief in die Hand drückt, stellt sie damit Jonas Leben auf den Kopf: Der eher stille und zurückhaltende Jugendliche wird Vater. Doch Jonas ist dazu noch lange nicht bereit. Er stößt Vicky zurück, überlässt sie allein ihrem Schicksal und will sein bisheriges Leben weiterleben.
Davon lässt sich Vicky allerdings nicht unterkriegen. Rund zehn Monate später taucht sie wieder auf - mit ihrer kleinen Tochter Klara im Kinderwagen. Dieses Mal lässt sie Jonas kaum eine Chance, sich so einfach aus der Affäre zu ziehen. So taucht sie beispielsweise mit Klara bei Jonas in der Wohnung auf, haut nach einem Streit ab und fordert den jungen Vater heraus, sich zumindest ansatzweise seiner Verantwortung zu stellen.
Spiel zwischen Zurückhaltung, Genervtheit und Enttäuschung
Das ist aber alles andere als einfach. Denn sobald sich Jonas und Vicky etwas annähern, fällt Jonas in sein altes Verhaltensmuster zurück und ergreift die Flucht. Dabei überzeugt "Ein Teil von mir" mit seinen beiden starken Jungdarstellern. Nicht nur Karoline Teska ("Die Welle") findet in ihrem Spiel die richtige Balance zwischen Zurückhaltung, Genervtheit und Enttäuschung.
Auch Ludwig Trepte - der bereits mit seinem Debüt in "Kombat Sechzehn" als junger Rechtsradikaler für Aufsehen sorgte und mittlerweile mehrfach ausgezeichnet wurde - ist die ideale Besetzung für den jungen Vater. Schließlich spielt er Jonas" Gefühlschaos authentisch und ohne große Gesten. Stattdessen verraten seine leicht angespannte Körperhaltung und vor allem sein zögerlich-ängstlicher Blick mehr als viele Worte.
Einfühlsamer Film über die Jugend und das Erwachsenwerden
Damit gelingt Regisseur Röhl, Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, ein einfühlsamer Film über die Jugend und das Erwachsenwerden, der jedoch bewusst einen anderen Blickwinkel als beispielsweise das Oscar prämierte Junge-Eltern-Drama "Juno" wählt. Vielmehr blendet Röhl mögliche Hürden wie zeternde Eltern, Zukunftsängste oder einen Unterhaltsstreit beinah komplett aus und schafft seinen Protagonisten eine märchenhaft anmutende Umgebung. Dadurch haben die jungen Eltern Zeit, sich selbst zu finden, einander näher zu kommen - und ihre Tochter schließlich als ein Teil von ihnen selbst anzuerkennen.

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